JIN-ROH

Deutscher Titel
Jin-Roh

Alternativ-Titel

Kerberos Panzer Cops
Jin-Roh : The Wolf Brigade
(US-Titel)
 



  Land : Japan   Regie : Hiroyuki Okiura
  Jahr : 1999   Produzenten : Tsutomu Sugita & Hidekazu Terakawa
  Laufzeit : 102 min.   Drehbuch : Mamoru Oshii
  Format : 1.85:1   Kamera : Hisao Shirai
     Schnitt : Shuichi Kakesu
     Musik : Hajime Mizoguchi




In einem krisengeplagten Nachkriegsjapan unbestimmter Zukunft... Im Kampf gegen das faschistische System liefern sich Terror-Organisationen erbitterte Schlachten mit den Truppen der Regierung, zu deren neusten Entwicklungen schwer ausgerüstete Einsatzkommandos gehören. Technisch hochentwickelte Panzerung und gigantische Feuerkraft lassen
auch nur einen einzigen Mann zur gefürchteten Killermaschine werden.

Kazuki Fuse ist ein junger Soldat eben jener Truppe, der eines Tages erleben muss, wie sich ein kleines Mädchen mit einer selbstgebauten Bombe vor seinen Augen in die Luft sprengt, anstatt sich ihm zu ergeben. Von diesem Vorfall schwer traumatisiert, begegnet er kurze Zeit später der Schwester des Mädchens und schon bald befinden sich beide zwischen allen politischen Fronten...






Hiroyuki Okiura's Anime basiert auf dem thematisch ähnlich gelagerten Realfilm STRAY DOGS (1988) von Mamoru Oshii, der sich auch für das Drehbuch des vorliegenden Films verantwortlich zeigt. Was die technisch Ausführung bertifft, so ist JIN-ROH als einer dieser "Einmal pro Jahr-Filme" natürlich wieder einmal state-of-the-art.

Ein offensichtlicher Unterschied zu anderen Ausnahmewerken, z.B. Oshii's GHOST IN THE SHELL (1995), besteht dies-mal im Verzicht auf allzu detailversessene Zeichnugen der Personen zugunsten von
fein animierten, noch realistischer wirkenden Bewegungsabläufen. Erinnerungen an die zehnte Episode der THE HAKKENDEN-Saga (1993-1996) oder auch Ralph Bakshi's frühe LORD OF THE RINGS-Verfilmung von 1978 kommen auf.




Doch im Gegensatz zu actionreichen Klassikern wie Katsuhiro Otomo's AKIRA (1986) oder eben GHOST IN THE SHELL (1995) weht durch JIN-ROH ein eher philosophischer Wind mit schwerer, hoffnungsloser Atmosphäre. Wenn gelegent-
lich die gepanzerten Soldaten ihre Super-MGs zum Einsatz tragen, rumpelt es zwar ganz gewaltig und kein Stein bleibt auf dem anderen, doch den größten Teil der Laufzeit über werden philosophische und politiklastige Diskussionen geführt.

Und genau an diesem Punkt verabschiedet sich
auch das Interesse bei vielen Zuschauern, die dem Film in Folge dessen Schlaftabletten-Charakter attestieren. Sicherlich mag sowas nicht jedermanns Sache sein, doch bei vorhandenem Inter-esse an der Thematik kommt ganz bestimmt keine lange Weile auf.

Besonders sticht in diesem Zusammenhang
die Verwendung von Motiven des Rotkäppchen-Märchens hervor, durch wel-che die beiden Protagonisten und deren Beziehung charakterisiert wird. Die geschickte Einarbeitung in die Story und
die atemberaubende Visualisierung lassen ein im trostlosen Sinne wunderschönes, außergewöhnliches Bild entstehen.




Einer der spannenden Höhepunkte (hmmm, zugegeben, vielleicht auch schon DER spannendste) findet sich gleich zu
Beginn des Films : Die Flucht der Terroristen durch die Kanalisation am Ende der Straßenschlacht. Das Mädchen mit
der Bombe setzt sich von der Gruppe ab und irrt durch das unterirdische Labyrinth, bis sie plötzlich die gepanzerten Truppen bemerkt, die bereits die Verfolgung aufgenommen haben.

In rasender Panik, aber ständig gezwungen, sich leise zu verhalten, versucht sie, den Killermaschinen
durch die dunklen, hallenden Gänge zu entkommen... Hier stimmt einfach alles, die Bildkompositionen, der Schnitt, die Musik, die Sound-effekte und das Timing. Wer dabei seinen Puls unter Kontrolle behält, muss ganz einfach tot sein.

Fans von grob verwandten Animes, wie oben genanntem GHOST IN THE SHELL (1995) oder den (ebenfalls recht dialog-lastigen) PATLABOR-Kinofilmen (1990, 1993) müssen hier unbedingt einen Blick riskieren, sollten dabei aber den eher niedrigen Actionpegel im Hinterkopf behalten, um das Unterfangen aufgrund falscher Erwartungen nicht schon im Vorfeld negativ zu belasten.
(ab)

Wertung    




Die Japan-DVD bietet beste Qualität, ist in Lbx 1.85:1 anamorph und bietet den japanischen Track in DD 5.1. Einen wahren Berg an Extramaterial (Zusatz-DVD & Booklets) gibt's obendrauf. Leider keine Spur von englischen UT. Dammit !
Eine Neuveröffentlichung auf Japan-DVD
(in zwei Editionen) mit optionalen englischen UT soll demnächst kommen...

In Hong Kong ist der Film auf VCD und DVD erschienen. Die VCD gibt es in zwei Ausführungen. Die eine
bietet den japa-nischen Originalton mit chinesischen UT, die andere ist kantonesisch synchronisiert. Die HK-DVD bietet sehr gute
Bildqualität in Lbx 1.85:1 anamorph (!) und besitzt den japanischen Originalton (Dolby Sourround oder DTS) und die kan-tonesische Synchro (Dolby Sourround). Gute englische und chinesische UT sind frei wählbar. Leider keine Extras.

Der Film soll demnächst auch in Deutschland im Kino (über REM, wen sonst !) anlaufen. Allerdings könnte es sich dabei um eine gekürzte internationale Fassung handeln. Nächeres ist mir dazu bislang nicht bekannt.


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