METROPOLIS

Deutscher Titel
Metropolis

Alternativ-Titel
Osamu Tezuka's Metropolis
 



  Land : Japan   Regie : Rintaro (= Shigeyuki Hayashi)
  Jahr : 2001   Drehbuch : Katsuhiro Otomo
  Laufzeit : 107 min.   Musik : Toshiyuki Honda
  Format : 1.85:1   Mangavorlage : Osamu Tezuka
    
    

Sprecher
Yuka Imoto * Kei Kobayashi * Kouki Okada * Jamieson Price
Toshio Furukawa
* Dave Mallow * Junpei Takeguchi * Scott Weinger




Während sich Politiker und Wirtschaftsbosse des glamourösen Stadtstaates Metropolis anlässlich der Fertigstellung des "Ziggurat", einer technischen und architektonischen Hochleistung, in einer gigantischen Zeremonie selbst bejubeln, trifft Detektiv Shunsaku Ban mit seinem Neffen Kenichi auf der Suche nach dem kriminellen Ingenieur Dr. Laughton in der Stadt ein. Laughton arbeitet im Auftrag des finsteren Duke Red an einem Roboter, der Red's verstorbener Tochter Tima nachempfunden ist und wie sich herausstellt eine zentrale Rolle bei der wahren Funktion des Ziggurat als global einsetz-bare Waffe mit enormer Zerstörungskraft spielt.

Doch eine Explosion im Labor des Wissenschaftlers trennt
Shunsaku Ban und Kenichi, der in dem folgenden Chaos mit dem orientierungslosen Tima-Roboter zusammentrifft. Auf der Flucht vor
Duke Red, der seine "Tochter" aus verständ-lichen Gründen gerne zurück hätte, und Red's eifersüchtigem Adoptivsohn dringen Kenichi und Tima tief in die unteren Level der Metropole vor und geraten dabei an eine Gruppe Revolutionäre, die das System zum Einsturz bringen wollen...






METROPOLIS ist ein gigantisches, "state-of-the-art" Anime-Feuerwerk von Regisseur Rintaro (GALAXY EXPRESS 999 (1979), THE DAGGER OF KAMUI (1985), X (1996)...), das allerdings nicht, wie der Titel vermuten lässt, direkt auf Fritz Lang's Stummfilmklassiker von 1927 basiert, sondern die Verfilmung des gleichnamigen Comics von Manga- & Animati-onspionier Osamu Tezuka (ASTROBOY (1963), KIMBA THE WHITE LION (1966)...) darstellt.

Da sich Tezuka aber beim Schreiben seines "Metropolis"-Manga (bereits Ende der 40er Jahre) den Spielfilm unüberseh-bar als Vorlage nahm, beinhaltet auch seine Version der Geschichte die grundlegenden Aspekte des Originals, wie die monströsen Bauwerke der Stadt, die Machtzentren um
machtgeile Politiker und dicke Wirtschaftsbonzen, die strikte Trennung der Bevölkerung in gesellschaftliche Klassen und die Schaffung eines weiblichen Roboters zur gottgleichen Be-herrschung der Metropole.



Doch recht schnell laufen die Handlung des Originals und der Animeversion auseinander. Was bleibt, ist ein immer mal wiederkehrendes Aufblitzen einzelner Aspekte des Originals, die in etwas abgewandelt Form gelungen in die neue Story rund um Shunsaku Ban und das Team Tima / Kenichi integriert werden.

Doch ein nicht zu vernachlässigender (vielleicht auch der größte) Star der Produktion ist natürlich die Stadt an sich. Der Teil an der Oberfläche ist unschwer erkennbar am Computer entstanden und überrumpelt den Betrachter mit gigantischen Bauwerken, die sicherlich das eine oder andere Mal für nach unten fallende Kiefer sorgen dürften. In den Sub-Levels der Metropole wird der CGI-Anteil dann aber deutlich zurückgenommen und handgezeichnete Bilder und Animationen rücken in den Vordergrund.



Belebt wird die Stadt durch etliche (manchmal hunderte) Figuren, die sich zu Demonstrationen und Kundgebungen ein-finden oder einfach im Hintergrund ihren Tätigkeiten nachgehen. Das bunte Treiben resultiert zusammen mit den aus-gefeilten Hintergrundbildern in einem überschäumenden Detailreichtum, dem auch eine große Kinoleinwand nur gerade
so eben gerecht werden kann. Eine grandiose und visuell erplättende Angelegenheit.


Leider ist es mir lange Zeit schwergefallen, den emotionalen Bezug zu den Figuren und der Geschichte zu finden. Woran das gelegen haben könnte ? Vielleicht an den durchgehend niedlichen, Tezuka-typischen Charakterdesigns ? Sicher,
nett gemacht sind sie ja (ich denke nur an den ALBERT II-Roboter, eine piepende Mülltonne, mit der sich Kenichi und Tima anfreunden), aber so richtig mitfühlen konnte ich irgendwie trotzdem nicht. Andere Zuschauer wiederum waren da völlig gegensätzlicher Meinung...




Auf jeden Fall stellt das Design der Figuren einen interessanten Kontrast zu der gigantischen, kalten und (zumindest an der Oberfläche) sterilen Metropole dar, welche die in ihr lebenden Menschen regelrecht zu verschlucken droht. Weiter-
hin lassen sich auch viele von Architektur dominierte Bildkompositionen finden, in denen die Menschen entweder wie winzige Ameisen wirken oder in näheren Aufnahmen in, bzw. nahe der unteren Bildkante stehen, wo sie ständig von den monströsen Bauwerken überragt werden.


Lange Zeit wollte sich bei mir auch ein "typisches" Anime-Feeling nicht einstellen, da der Stil in seiner Gesamtheit und Teile der Geschichte etwas ungewöhnlich und irgendwie sehr europäisch wirken. Das gilt für den ganzen Film, abge-sehen von der letzten halben Stunde ! Da soll sich Tima über Telefon ins "Netzwerk" einloggen, um so ihren entführten Freund zu suchen, und ein apokalyptisches Finale lässt in Anbetracht seiner Konsequenz und detailbesessenen Zeich-nungen und Animationen Erinnerungen an Katsuhiro Otomo's AKIRA (1988) erwachen... Wir sind also doch in Japan !




METROPOLIS ist ein spektakuläres Science Fiction-Epos, das sich von dem üblichen Animestoff vor allem in visueller Hinsicht abhebt und genauso als originelle Ergänzung zu Fritz Lang's Klassiker, wie auch als beindruckendes, eigen-ständiges Werk gesehen werden kann. Interessant ist die abgewandelte Geschichte allemal, auch wenn METROPOLIS in Animeform thematisch gesehen vielleicht nichts grundlegend neues oder augenöffnendes mit sich bringt. (ab)

Wertung    




Bislang ist METROPOLIS nur als Japan-DVD erhältlich, einmal als Standard-Ausführung und einmal als Box-Set. Leider besitzt keine dieser Fassungen englische UT.

Die US- und die GB-DVD soll im April erscheinen. Eine deutsche DVD wird es wohl auch in absehbarer Zukunft geben...


Bei Fehlern, Fragen oder Ergänzungen bitte e-mail.