ROBOT CARNIVAL

Deutscher Titel
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Alternativ-Titel
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  Land : Japan   Regie : Katsuhiro Otomo & Atsuko Fukushima (1 & 9),
   Jahr : 1987              Kouji Morimoto (2), Hidetoshi Ohmori (3),
   Laufzeit : 91 min.              Yasuomi Umetsu (4), Hiroyuki Kitazume (5),
   Format : 1.85:1              Mao Lamdo (6), Hiroyuki Kitakubo (7), Takashi Nakamura (8)
     Produzent : Kazufumi Nomura
     Musik : Joe Hisaishi, Isaku Fujita & Masahisa Takeichi




"Nine directors combine their unique talents to create one spectacular animation event. ROBOT CARNIVAL !"

Zwischen zwei durchgeknallten Prolog- und Epilog-Segmenten von
Katsuhiro Otomo und Atsuko Fukushima präsentieren sieben weitere Anime-Regisseure ihre ganz individuellen Visionen von der Zukunft. Die einzige gemeinsame Vorgabe ist dabei die Kern-Thematik : Roboter und Cyborgs. Böse Satiren wechseln sich ab mit finsteren Weltuntergangs-Szenarien, lustigen Overacting-Comics und ruhigen, nachdenklich stimmenden Dramen.




Ein kleines, staubiges Wüstendorf. Einem kleinen Jungen weht ein zerfetztes Plakat zu. Ein kurzer Blick, dann helle
Aufregung. Der Kleine läuft auf die Straße, um den Erwachsenen die neuste Kunde zu bringen.
Plötzlich rennen alle wie wild durcheinander, verschanzen sich in ihren Häusern und vernageln die Fenster. Stille...

Ein tiefes Brummen wird lauter, wird zum donnernden Beben und da kommt er : Getragen von schweren Panzerketten rumpelt er auf das schutzlose Dorf zu : Der Filmtitel, ca. 200 Meter groß, begleitet von einem tödlichen Raketen- und Granatenhagel. Eine Dirigent erscheint zwischen den riesigen Buchstaben, eine Kapelle scheppert den entsetzten Dorfbewohnern fröhliche Musik entgegen und rotierende Kamikaze-Ballerinas schweben freundlich lächelnd zu Boden,
wo sie schließlich explodieren. Zwei Minuten später ist der Spuk vorbei, was bleibt ist eine Spur der Verwüstung...




"Bizarr" wäre hier wohl noch untertrieben. Eine tolle Einstimmung von Atsuko Fukushima und Katsuhiro Otomo (der ein Jahr nach dieser Compilation mit AKIRA (1988) den Anime-Meilenstein überhaupt setzte), schön gezeichnet und perfekt animiert. Nicht nur für das Alter des Film ganz hervorragend. Doch es kommt noch besser.

In Episode 2 versucht ein zerstreuter Professor vom Typ Archimedes/Frankenstein, seiner Roboter-Kreatur Leben einzu-hauchen. Zischende Maschinen, rotierende Zahnräder und endlose Kabelstränge bilden die Kulisse für ein Paradebeispiel exzellenter, flüssiger Animation und "typisch japanischem" Roboter/Technik-Design. Ein Fest für die Augen. Solche Perfektion hätte ich im Traum nicht erwartet... Regie führte hier Kouji Morimoto, der später u.a. für "Magnetic Rose", die
fantastische erste Episode der Science Fiction-Anthologie MEMORIES (1995), verantwortlich war !




Dass dieser Qualitätslevel nicht durchgehend gehalten werden kann, macht "Deprive" deutlich. Post-apokalyptisches Endzeitflair vom Fließband mit eher durchschnittlichen Zeichnungen ist in der dritten Episode angesagt. Ein Mädel wird
von einiger Bande feiger Cyborgs gekidnappt, ihr heldenhafter Freund schlüpft in seinen Kampfanzug und nimmt die Verfolgung auf.
Die Episode ist eher unspektakulär und erinnert von ihrer Mentalität her stark an die beiden kanadischen HEAVY METAL-Zeichentrickfilme (1981, 2000). Eindeutig der schwächste Kandidat in der Sammlung...

Es folgt "Presence", die mit gut 20 Minuten Laufzeit längste Episode. Ein einsamer Spielzeugmacher will sich heimlich eine Androiden-Gefährtin zusammenbauen. Technisch klappt alles wie geplant, doch Probleme entstehen auf einer ganz anderen Ebene...
Im Gegensatz zu den meisten anderen Clips, die fast ausschließlich von Musik begleitet werden,
kommen hier auch Dialoge ins Spiel.
"Presence" ist ein sehr ruhiger Film, der sich Zeit nimmt, um seine Geschichte zu erzählen. Eine der anspruchsvollsten Episoden, nicht uninteressant, aber recht anstrengend. Technisch wieder perfekt.




Uhhaa ! "Starlight Angel"... Gehalten im 80er Jahre-Stil. Der Titel kling auch schon so, genau wie die Musik. Zwei Freun-dinnen verbringen eine Nacht in Disneyland (zumindest gibt's hier ein Cinderella-Schloss) und haben Stress mit ihrem Macker. Die Brünette lacht sich einen Kerl im Cyborg-Kostüm an und fliegt mit ihm durchs All, wo sie einen Kampf gegen ein riesiges Robot-Monster bestreiten müssen. Das letzte Drittel ist cool, aber der Rest ist sehr nervig geraten...

Doch bevor sich die Sorge bewahrheiten kann, ROBOT CARNIVAL sei vielleicht doch nichts Besonderes, geht es wieder bergauf. Die sechste Episode trägt den Titel "Clouds". In ihr stapft ein kleiner Roboterjunge mit gesenktem Kopf und tief in seinen Mantel gegrabenen Händen vor variierenden Wolkenmotiven entlang. Am Anfang steht eine seichte Briese, es folgen unter anderem Sonnenschein, Atompilze und Gewitterstürme. Mal ruhige, mal dramatische und mal traurige Musik tauchen den Zuschauer in ein Wechselbad von Stimmungen. Diese Episode ist sehr experimentell gehalten, alle Bilder werden von verschieden großen Kästen gerahmt. Sehr schön !




Time for the comic relief. In "Meiji Machine Civilization Talk : The Chapter of Red-Haired People's Invasion" geht's um den Kampf zweier "Mechs" im 19ten Jahrhundert ! Zwei riesige Kampfmaschinen - aus Holz gebaut, von Dampfmaschinen angetrieben und von mehreren Leuten gesteuert - hauen sich gegenseitig zu Klump... Und die Stadt gleich mit. Ein klein wenig mehr Tempo wäre ganz nett gewesen, doch originell und spaßig ist es auch so allemal. Regie führte hier Hiroyuki Kitakubo, zu dessen jüngeren Werken BLOOD : THE LAST VAMPIRE (2000) zählt.




In der Abschluss-Episode "Chicken Man and Red Hat" geht's dafür wieder so richtig fett zur Sache ! Ein gigantisches Robotermonster, sozusagen der Overfiend unter den Robotern, verwandelt Shinjuku in ein von fiesen Maschinenwesen beherrschtes Zerstörungs-Chaos. Und mittendrin flieht ein trotteliger Penner mit seinem Motorroller vor einem unheim-lichen Robot-Rumpelstielzchen auf einem fliegenden Einrad mit Düsenantrieb...

Der Sinn des Ganzen ? Keine Ahnung. Auf jeden Fall macht's einen Mordspaß ! Das bizarre Design der Kreaturen und Maschinen in Kombination mit herausragenden Animationen, die sich hinter GHOST IN THE SHELL (1995) und Co. nicht verstecken brauchen, lassen einem schier den Atem stocken. Wieder ein Grund mehr, weshalb ich Anime liebe.




Fazit : Hier ist für jeden was dabei. Animefans sollten schleunigst zusehen, diese Kurzfilmsammlung in die Hände zu bekommen. Vorschlag zur Abendplanung : ROBOT CARNIVAL einwerfen, bei Episode 3 oder 5 eine Pizza in den Ofen schmeißen, noch mal begeistern lassen und im Anschluss den Kurzfilm-Dreiteiler MEMORIES (1995) hinterher ! (ab)

Wertung    



Eine out-of-print DVD aus Japan soll den Film in eine englisch synchronisierten Vollbild-Fassung enthalten. Bild- & Ton-
qualität soll ganz gut sein.

In den USA ist (bzw. war ?) der Film in synchronisierter Form auf Tape und LD erhältlich. Das Tape ist definitiv in Vollbild, das Format der LD ist mir nicht bekannt.

Achtung : Bei den HK / Taiwan-DVDs handelt es sich um Bootlegs !


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