SPACE FIREBIRD

Deutscher Titel
Space Firebirth

Alternativ-Titel
Love's Cosmozone
Legend Of The Phoenix
Phoenix 2772
Space Firebird 2772
 



  Land : Japan   Regie : Taku Sugiyama
  Jahr : 1979   Produzent : Osamu Tezuka
  Laufzeit : 114 min.   Drehbuch : Taku Sugiyama & Osamu Tezuka
  Format : 1.85:1   Kamera : Iwao Yamaki
     Musik : Yasuo Higuchi




Godo wird in eine klinisch sauberen Welt hineingeboren, in der die Bevölkerung streng in Klassen aufgeteilt ist und jeder Mensch von seiner Reagenzglas-Geburt an seiner genetischen Veranlagung entsprechend aufgezogen wird. Godo wird
zu einem Raumpiloten der Elite heran gezüchtet, der die zerstörerische Natur der Menschheit in die weite Ferne des Alls tragen soll. Doch in dem jungen Mann reifen Zweifel an der Richtigkeit dieser Zustände...

Er sieht in seiner treuen Roboter-Gefährtin ein gleichwertiges Wesen,
verweigert bei seiner Ausbildung das Zielschießen auf lebende Tiere und verliebt sich verbotenerweise in eine junge Frau aus einer höheren Schicht. Als dies entdeckt wird, verbannt man ihn in eine Strafkolonie, wo sich der Pilot mit einem alten Professor verbündet. Zusammen kapern sie ein Raumschiff und begeben sich auf eine abenteuerliche Space-Odyssee, um den mystischen Feuervogel "2772" zu finden und die Erde vor dem sicheren Untergang zu bewahren.






Taku Sugiyama's abgehobenes Science Fiction-Abenteuer SPACE FIREBIRD basiert auf der bereits 1954 begonnenen Comic-Serie "Hi no Tori" (auch "Phoenix") von Manga- und Animationslegende Osamu Tezuka, der die Serie als sein Lebenswerk sah. Viele Themen, die in dem epischen Manga behandelt werden, wie der Platz des Menschen im Univer-sum, Tod und Wiedergeburt und soziale Mißstände, tauchen auch hier wieder auf.

Mit kritischem Blick entwerfen Sugiyama und Tezuka eine kalte, abstoßende Welt, in der alles eher zu existieren, als
zu leben scheint. Godo wird aus einer Retorte geboren, verbringt eine Kindheit ohne andere Menschen in einem roboter-gesteuerten Trainingskomplex und erlebt eine Welt voller Zwänge und ohne Freiheiten.




Dass einige Aspekte heutzutage etwas naiv rüberkommen und die beiden Autoren gelegentlich ihre "Make Love not War"- Message mit dem Holzhammer verbreiten, gehört dabei zur Mentalität des Films und stört wenig. Allerdings wird knapp die Hälfte der Geschichte mit vorwiegend ruhigen bis "lustigen" Orchesterklängen erzählt, wobei die Dialoge auf ein Mini-mum reduziert werden. Erinnert sich jemand an "Peter und der Wolf"... ? Auf jeden Fall etwas gewöhnungsbedürftig, ein leicht angenervtes Gefühl könnte sich bei der einen oder anderen Passage aber auch schon mal einstellen...

Später, wenn sich das Team auf die Weltraumreise begibt, wird das ganze zunehmend stranger. Die Macher entfachen ein skurriles Spektakel, das abgespaceten Drogen-Phantasien entsprungen zu sein scheint. Da tauchen immer bizarrere Kreaturen auf, es wuchern minutenlange Comedy-Ableger um die Streitereien der ausserirdischen Haustier-Freaks
und Godo's Mannschaft liefert sich in ihrem "Raumhai" erbitterte Weltraumschlachten mit dem gigantischen Feuervogel.




Die kleinen Viecher halten zwar nur die eigentliche Handlung auf und können einem (zumindest in der Synchronfassung) ganz gewaltig auf die Nerven gehen, aber spätestens wenn das Team den Firebird entdeckt, geht's richtig rund und der Film kann einen richtig in seinen Bann ziehen. Action satt, verhältnismäßig gute Animationen und ungebremste Phanta-sie. Und wenn sich die Freunde schließlich entscheiden, zur Erde zurückzukehren, die sich mittlerweile in ein apokalyp-tisches Inferno zu verwandeln droht, steht einem ordentlichen Finale nichts im Weg.

Technisch macht der Film über weite Strecken einen eher schlichten Eindruck, was aber zu einem großen Teil auch an dem gewählten Zeichenstil liegen könnte. Doch immer mal wieder bricht die visuelle Experimentierfreude durch oder man bekommt schubweise detailreiche Bilder und etwas ruckelige, aber komplexe Animationen zu sehen.




Fazit : Ein ungewöhnliches, doch nicht uninteressantes Zukunfts-Abenteuer zwischen mittlerweile recht naiv anmutender 70er Jahre-Science Fiction, abgedrehter Phantasiereise und philosophischen Utopie-Drama. Wer allgemein schon etwas für Anime-Oldies übrig hat, ist hier natürlich klar im Vorteil.

Übrigens : Der Kommandeur des Straflagers hört auf den Namen "Black Jack", dem Hauptcharakter von Tezuka's 1975 begonnener Manga-Reihe, bzw. Osamu Dezaki's Anime-Serie und Kinofilm von 1993 / 1996. Das grobe Aussehen und einige typische Charakterzüge sind vorhanden. Weiß vielleicht jemand, wo dieser Charakter genau seinen Ursprung hat, bzw. warum er in diesem Anime auftaucht ? (ab)

Wertung    




In den USA ist der Film vor Ewigkeiten als Tape erschienen, einmal ein einer um ca. 25 Minuten gekürzten Fassung und einmal in der Originallänge. Beide Fassungen waren vermutlich englisch synchronisiert und in Vollbild.

Auch in England gab es ein Tape
in Vollbild mit englischer Synchro. Ob es sich dabei um die geschnittene oder die un-geschnittene Fassung des Films handelt, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen (ist schon lange her)...

Die deutsche Fassung gab's auf Kassette unter dem Titel "Space Firebirth". Dies dürfte die ungeschnittene Version ge-wesen sein. Knapp Lbx 1.85:1, mit einer mäßigen bis nervigen deutschen Synchro. Ob sich die deutsche und die engl. Synchro qualitativ etwas nehmen, darf allerdings bezweifelt werden...


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