HOCUS POCUS



Deutscher Titel
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Alternativ-Titel
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  Land : Hong Kong   Regie : Chin Yuet Sang
  Jahr : 1984   Produzent : Sammo Hung Kam-Bo
  Rating : Cat. II A (neu)   
  Laufzeit : 87 min.  
  Format : 2.35:1  

Darsteller
Stephen Tung Wai * Law Ho Kai * Lam Ching Ying * Chin Yuet Sang
Chan Lung * Chun San * Tai San




Durch derbe Streiche, die sich die Mitglieder einer umherziehenden Peking Oper-Truppe gegenseitig spielen, werden ein paar Geister auf den Plan gerufen, die sich durch das respektlose Benehmen in ihrer Ruhe gestört fühlen. Zunächst taucht nur ein komisches Geisterkind auf, das aus Langeweile die Streitereien der rivalisierenden Gruppen weiter anheizt, doch gegen Ende erscheint plötzlich ein mächtiger Oberdämon und die Lage wird doch noch richtig gefährlich...






Habe mir nach Ewigkeiten seit der VHS-Archivierung endlich Dario Argento's PHANTOM OF THE OPERA (I 1998) ange-schaut. Au weia, ist der mieees... Dass Dario Argento für den Mist verantwortlich sein soll, tut echt weh. Aber plötzlich habe ich irgendwie Lust bekommen, der Peking Oper-Horrorkomödie (<--"Oper", da ist die Verbindung !) HOCUS POCUS eine zweite Chance zu geben. Als ich mir den ein Jahr zuvor in ENCOUNTER OF THE SPOOKY KIND (1980)-Euphorie das erste mal erwartungsvoll reingezogen habe, hatte mich das Teil nämlich nicht so vom Hocker gehauen...




Das größte Problem von HOCUS POCUS besteht darin, dass es gut eine Stunde dauert, ehe der Film überhaupt in den Gang kommt und auch mal etwas halbwegs bedeutendes passiert ! Zu Beginn sind die gemeinen Streiche und Späße
ja noch ganz unterhaltsam, doch irgendwann gegen Mitte merkt man dann, dass die ganze Sache gar kein Ende nimmt.

Der eine spielt dem anderen einen Streich. Daraufhin spielt dieser seinem Rivalen einen Streich. Und dafür ist dann wie-der ein Streich fällig...
Beim zweiten mal ist das unglückliche Timing und die extrem dünne Story (zumindest was den Unterhaltungsfaktor bertifft) kein allzu großes Problem mehr. Man weiß ja, was einen erwartet. Dennoch ist das Ganze alles andere als geschickt gelöst und dürfte besonders unvorbereiteten Erstkonsumenten mächtig auf den Keks gehen.




Ein weiterer potentieller Abschreckungsfaktor (hier oute ich mich wahrscheinlich als Ignorant und Kulturbanause) ist das Geisterkind, das nun wirklich nur noch beknackt aussieht. Dass sich die Story mindestens zur Hälfte auch noch um nichts anderes dreht, macht die Sache nicht wirklich besser und könnte nicht ganz so eisernen Fans schnell aus der ge-mütlichen Fernsehrunde vertreiben.

Superklasse sind dagegen die rasanten und zahlreich vertretenen Peking Oper-Einlagen, bei denen die Darsteller (zum Großteil vermutlich tatsächliche Opernschauspieler) wild umherwirbeln oder an Drähten aufgehängt über die Bühne flitzen. Besonders der ästhetisch in Szene gesetzte Vorspann, der
ein wenig an den Anfang von ZU : WARRIORS FROM THE MAGIC MOUNTAIN (1982) erinnert, und viele akrobatische Aktionen (teilweise in Zeitlupe) können hier begeistern.




Ein etwas längerer Fight zwischen den beiden größten Streihähnen und der actionreiche, knapp zehnminütige Showdown sind ebenfalls nicht zu verachten und machen neben dem sehr schönen, aufwendigen Set-Design und der zeitweise recht ordentlichen Kameraarbeit weitere Pluspunkte aus. Aber auch an ausgefallenen Ideen mangelt es nicht.

Da wäre z.B. die berühmte Szene, in der hilfsbereite Mitarbeiter einem besessenen Kollegen zwecks Geisteraustreibung ein pinkelndes Kind über den Kopf halten (yuk !) oder eine Konversation zwischen Lam Ching Ying (schon ein Bonus
an sich) und dem unsichtbaren Blag, das sich nicht persönlich zeigen will und während der Unterhaltung kurzerhand eine stellvertretende Gestalt aus Kisten, Bänken und einem Bettlaken zusammenbaut.




So hat HOCUS POCUS ohne Frage seine gelungenen Momente, doch aufgrund der weiter oben genannten Faktoren, die das Unterfangen schnell zu einer nervigen Angelegenheit werden lassen können, ist der Film wohl eher Fortgeschrittenen zu empfehlen, die schon etwas Nostalgie und Begeisterung für dieses außergewöhnliche "Genre" mitbringen und even-tuell auch Wu Ma's THE DEAD AND THE DEADLY (1982) gar nicht mal so schlecht fanden, der viele Fans von z.B. MR. VAMPIRE (1985) oder eben ENCOUNTER OF THE SPOOKY KIND (1980) schon wieder relativ kalt ließ.

Um abschließend noch einmal die Verbindung zu Dario Argento herzustellen : Im letzten Drittel wird mal wieder ausgiebig Musik geklaut, und zwar der bekannte Track aus SUSPIRIA (I 1978) ! Das mag zwar nicht unbedingt die feine Art sein, der Film als solches kann aber, genau wie Tsui Hark's WE'RE GOING TO EAT YOU (1980), der schon genau den selben Score abgezockt hat, ganz klar davon profitieren. (ab)

Wertung    




Die Hong Kong-VCD von Mega Star bietet sehr gute Bildqualität im Lbx 2.35:1 Format, nur schien das Master des Films jenseits von gut und böse gewesen zu sein. Pausenlos sind Kratzer, Streifen und eingeritzte Kreuze (!) im Bild und zwei bis drei größere Filmrisse sind auch nicht zu übersehen. Die UT sind bei dem breiten Format recht klein, sollten auf einem mindestens mittelgroßen Fernseher aber problemlos zu erkennen sein. Unter Berücksichtigung der wenigen rea-listischen Alternativ-Fasungen (= Null) ist die VCD natürlich trotzdem ein echter Segen !


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