TIME AND TIDE



Deutscher Titel
Time And Tide

Alternativ-Titel
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  Land : Hong Kong   Regie : Tsui Hark
  Jahr : 2000   Produzent : Tsui Hark
  Rating : Category II B   Action : Xiong Xin Xin
  Laufzeit : 113 min.   Drehbuch : Koan Hui
  Format : 2.35:1   Kamera : Herman Yau Lai-To & Ko Chiu-Lam
     Schnitt : Marco Mak Chi Sin
     Musik : Tommy Wai Kai-Leung & Joventino Couto Remotigue

Darsteller
Nicholas Tse Ting Fung * Wu Bai * Cathy Tsui Chi-Kei
Anthony Wong
Chau-Sang * Candy Lo Hau-Yam * Joventino Couto Remotigue
Joe Lee
Yiu Ming * Jack Kao * Arsenio R. Agpoon * Robert Miller




Nach einer alkoholgetränkten Nacht wacht Taylor (Nicholas Tse) neben einer jungen Undercover-Polizistin auf. Ein paar Monate später sind bei seinem One-Night-Stand die Folgen dieses Ereignisses zu sehen und Taylor heuert bei einer Bodyguard-Agentur (unter der Leitung von Anthony Wong) an, um möglichst schnell an einen haufen Geld zu kommen und dann schleunigst das Weite zu suchen.

Zur gleichen Zeit trifft eine Söldnertruppe aus Süd Amerika in Hong Kong ein. Wärend sich bei Taylor die ersten Zweifel regen, ob er nicht vielleicht doch etwas mehr für die junge Frau empfindet, trifft er auf Jack (Taiwan-Rockstar Wu Bai),
der als Ex-Mitglied dieser Gruppe noch eine Rechnung zu begleichen hat. Statt gefügig seinen Schwiegervater umzule-
gen, schießt er seinem ehemaligen Boss eine professionell platzierte Kugel in den Kopf und verschwindet mit einem großen Koffer voll Gangster-Dollars. Eine Hetzjagd, in die schließlich auch Taylor verwickelt wird, nimmt nun ihren Lauf...






Mit TIME AND TIDE beweist Tsui Hark endgültig, dass er zu den visuellen Genies in der Filmbranche gehört. Sein US-Debütfilm DOUBLE TEAM (1997) konnte dem Mainstream-Publikum nur stark eingeschränkt die Fähigkeiten eines der größten und wichtigsten hongkonger Regisseure und Produzenten vermitteln, und auch sein wieder in Hong Kong ge-drehter Actionknaller KNOCK OFF (1998) wollte den meisten trotz manischer Kameraführung und wahnwitzigen Ideen aufgrund des Van Damme-Faktors nicht ganz so glatt runtergehen. Doch jetzt ist ja alles wieder gut...




Vor der Kür zunächst ein paar Sätze zur Pflicht. Sowohl die Handlung, als auch der emotionale Gehalt und die Charak-tere gehen voll in Ordnung. Zugegeben, die Story fällt ziemlich dünn aus und wirkt bei erster Sichtung verwirrend und kaum eine der Figuren verfügt über außergewöhnliche Tiefe (ein oft gebrachter Kritikpunkt). Doch die Atmosphäre stimmt und jeder Charakter besitzt seine ganz persönlichen Züge, die ihm ein nötiges Maß an Individualität verleihen und das Interesse beim Zuschauer wach halten sollten.

Überraschenderweise gilt das auch für die meisten Nebenfiguren, insbesondere die Mitglieder der Killertruppe, die sich nicht gerade durch hohe Kommunikationsfreudigkeit hervortun und über deren Hintergründe fast nichts bekannt ge-
macht wird. Der eine futtert die ganze Zeit Eis am Stiel, ein anderer verschenkt nach einem erledigten Sniper-Attentat grinsend einen Lolli an einen kleinen Jungen, der sich während der ganzen Aktion seinen Hausaufgaben gewidmet hat...




Soweit ganz nett. Auf der formalen Ebene dagegen wird ein gleißendes Feuerwerk an Kreativität abgebrannt. Wechselnde Kontraste zwischen Sozialwohnungsvierteln, Waschsalons, schäbigen Hinterhöfen und modernen Stahl- & Glasbauten zeichnen ein lebendiges, pulsierendes Bild der Metropole. Verstärkt wird die Atmosphäre durch eine erstklassige Farbge-staltung, die von unterkühlter, bunter Neonlicht-Optik bis hin zu warmen Farben und gedeckten Pastelltönen reicht.

Die Kameraführung ist impulsiv und lebendig, schnelle Zeitraffer, weit ausholende Schwenks und wilde Fahrten gibt's im Sekundentakt. Nicht selten entwickelt die Kamera dabei ein Eigenleben, saust in den Räumen umher oder fegt im Tief-flug über den Boden. Und wenn die letzte Sicherung durchbrennt, stürzt sich auch schon mal der Kameramann aus dem Fenster im zwanzigsten Stock !




Wenn die Actionsequenzen nicht gerade per Freeze-Frame angehalten oder in Standbild-Folgen auseinandergenommen werden, liefern sich eiskalte Profis fetzige Schusswechsel mit halbautomatischen Waffen und MGs, nehmen sich gegen-seitig ins Visier ihrer Scharfschützen-Gewehre oder tauschen harte Tritte und Schläge aus.

Weitere Pluspunkte gibt's für die Entscheidung, die Action einmal nicht von vorne bis hinten mit trendigen Pop- & Rock-Stücken oder hämmerndem Technobeat zuzukleistern, sondern statt dessen durch minimalistische Big Beat-Begleitung zu intensivieren oder die Musik gleich ganz wegzulassen.




Zusätzlich zieht sich durch den ganzen Film eine fast schon kompromisslose Ernsthaftigkeit. Humoristische Einschübe wie Nicholas Tse's erster Auftrag bei den Bodyguards (TAXI (F 1999) lässt schön grüßen !) oder Wu Bai's spontane Ver-kleidungswechsel beim Attentat auf seinen Ex-Boss bilden hier eher die Ausnahme.

Prügeleien wirken schmerzhaft, Kugeln sind tödlich und auch das Zerren eines Killers durch mehrere Stockwerke eines Treppenhauses verkommt nicht zur auflockernden Fun-Aktion, sondern wirkt aufgrund etlicher Blutergüsse und Prellun-gen ungewohnt realistisch. Und spätestens wenn Wu Bai's hochschwangere Frau kreischend durch die Bahnhofshalle gezogen wird und dabei eine breite Spur aus Fruchtwasser (!) zurücklässt, merkt man, dass hier alles ein wenig anders läuft als man es gewohnt ist.




Ob zu 100% Absicht oder eher ein Zufallsereignis, bei diesem Film passt irgendwie alles zusammen. Die abwechslungs-reichen Charaktere, die nicht gerade umwerfende, aber voll und ganz angemessene Story, die Action natürlich und an erster Stelle die bewundernswerte formale Gesamtgestaltung. Der erstklassige Score und die drei gesungenen Stücke (namentlich "No Sense" von Nicholas Tse und Wu Bai's "My Name" und (der Hammer) "Adios Cucaracha") sollen dabei auch nicht unter den Tisch fallen...

So simpel und platt es vielleicht auch klingen mag
- TIME AND TIDE ist ganz einfach einer der coolsten Actionfilme seit Jahren. Für Actionfans (egal ob mit oder ohne cineastischem Anspruch) ist hier definitiv Pflichtprogramm angesagt. Ach, und noch was : Mit John Woo hat das alles nicht das geringste zu tun !!! (ab)

Wertung    




Hong Kong-DVD und VCD von Columbia Tristar. Beide Fassungen bieten beste Qualität in Bild und Ton, sind aber nur in Vollbild. Im Vergleich zur Widescreen-Fassung ist hierbei oben und unten deutlich mehr zu sehen, dafür fehlt aber an den Seiten etwas... Schon deswegen nicht sehr zu empfehlen. Kantonesischer Ton in Dolby Surround oder DD 5.1.

Die US-DVD der selben Firma ist im Kinoformat von Lbx 2.35:1 (anamorph) und bietet ebenfalls sehr gute Bild- und Ton-qualität. Sprachen : Das kantonesische Original mit englischen UT oder die (gelungene) englische Synchro, beide Fassungen jeweils in Dolby Surround oder DD 5.1. Bei der englischen Synchro werden leider zwei längere Passagen in spanisch (portugiesisch ?) nicht automatisch untertitelt. Als Extras gibt's einen Audiokommentar von Tsui Hark, den US-Trailer des Films und einige Textinfos.

Auch die DVDs aus England und Deutschland sind im Kinoformat von Lbx 2.35:1 (anamorph) und bieten sehr gute Bild- und Tonqualität. Neben dem kantonesischen Original und der englischen Synchro gibt's hier auch noch die (ebenfalls ordentliche) deutsche Synchro. Alle Fassungen in DD 5.1. Bei der englischen Synchro werden die zwei Passagen in spanisch (portugiesisch ?) ebenfalls nicht automatisch untertitelt. Als Extras gibt's den US-Trailer des Films und einige Textinfos. Der Audiokommentar fehlt leider...


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