AVALON

Deutscher Titel
-- 

Alternativ-Titel
-- 
 



  Land : Japan   Regie : Mamoru Oshii
  Jahr : 2000   Produzent : Atsushi Kubo
  Laufzeit : 107 min.   Ausf. Prod. : Shigeru Watanabe, Tetsu Kayama,
  Format : 1.85:1               III     Toru Shiobara, Naoyuki Sakagami
     Drehbuch : Katsunori Ito
     Kamera : Grzegorz Kedzierski
     Digital Art Director : Hiroyuki Hayashi
     Musik : Kenji Kawai
     Costume Designer : Magdalena Teslawska

Darsteller
Malgorzata Foremniak * Jerzy Gudejko * Dariusz Biskupski
Bartek Swiderski
* Wladyslaw Kowalski * Jerzy Gudejko




"The near future. Some young people deal with their disillusionment by seeking out illusions of their own. In an illegal virtual reality war game..." - Diese Spiel nennt sich "Avalon" und stellt für die einen reine Unterhaltung dar, während sich andere zu "Parties" zusammenschließen oder als Söldner anheuern lassen, um so ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Und wieder ganz andere haben den Bezug zur Realität völlig aufgegeben und leben nur noch für das Spiel.

Ash (Malgorzata Foremniak) gehört zu den besten Kämpferinnen, die in Avalon aktiv sind. Während sie Gerüchten über eine legendäre Ebene des Spiels nachgeht, wird die junge Frau auf einen neuen Spieler (Dariusz Biskupski) aufmerksam, der allen nur als "Bishop" bekannt ist und dessen Erfolge ihre eigenen sogar noch übertreffen. Obwohl schon etliche Spieler beim Versuch, den höchsten Level von Avalon zu erreichen, im Koma gelandet sind, macht sich die Einzelgänge-rin daran, das Rätsel zu entschlüsseln und trifft dabei auch auf den realen "Bishop"...






Mamoru Oshii, im Anime-Sektor mit Regiearbeiten wie PATLABOR : MOBILE POLICE (1990), PATLABOR 2 (1993) und natürlich GHOST IN THE SHELL (1995) vertreten, hatte sich auch schon vor AVALON an "Realfilmen" versucht. Nach RED SPECTACLES (1987) und STRAY DOG (1988) stellt dies nun sein 3. Nicht-Anime-Werk dar... Die Verwandtschaft
zu dem, was ihn international berühmt gemacht hat, ist allerdings auch hier in jeder Einstellung deutlich zu erkennen.

Für AVALON hat sich Oshii nicht nur
Drehorte in Polen gesucht und die Hauptrollen mit lokalen Schauspielern besetzt, sondern den kompletten Film auch gleich in polnisch gedreht, um so die gewünschte Atmosphäre erzeugen zu können.
In der Tat eine gute Entscheidung, alles passt perfekt zusammen. Die Sprache, die Kulissen und die Militärgeräte und Waffen, die mal eben von der polnischen Armee ausgeliehen wurden.




Immer mit der audio-visuellen Wirkung als oberstes Ziel im Hinterkopf fährt Oshii ein fettes Programm an ungewöhnlichen Computertricks auf. Kaum eine Einstellung, die nicht streng in seinem typischen Anime-Stil komponiert wurde, kaum
ein Bild, das ohne rostig-braune bis schmutzig-grüne Farbverfälschungen, manipulierte Helligkeitswerte oder künstliche Schatten auskommt. Und das ist erst die Realitäts-Ebene.


Wenn sich die Protagonisten ins Spiel einloggen, um dort für wertvolle Experience Points auf weiten Feldern oder in ver-fallenen Fabrikanlagen gegen Soldaten, Panzer und Helikopter anzutreten, legt Oshii erst richtig los. Im wahrsten Sinne des Wortes "traumhafte" Szenarien entfalten sich auf dem Screen. Menschen ziehen verwaschene, dunkle Schleier hinter sich her,
Soldaten materialisieren sich wie aus dem Nichts oder brechen (wenn tödlich getroffen) in zweidimensio-nalen Flächen auseinander, Explosionen frieren ein und werden von der Kamera umfahren...




Doch THE MATRIX (USA 1999) ist weiter entfernt, als man vielleicht denken mag. AVALON ist weder Mainstreamkino noch ein wirklicher Actionfilm. Das macht sich als erstes einmal beim ungewöhnlichen Timing der Actionszenen be-merkbar. Die meisten Gegner laufen recht planlos umher und lassen mal zwei, drei Schüsse los oder stehen dumm in der Gegend rum und werden eher beiläufig umgenietet. Sind wohl mal wieder nur Anfänger im Netz.

Statt mit trendgemäß durchchoreographiertem Actionkrach alte Sehgewohnheiten zu bedienen, legt der Regisseur den Fokus zum einen auf die Protagonistin Ash, die sich schmerzlichst nach mehr sehnt, als es ihr die Realität und die Stan-dard-Level des Spiels bieten können, und zum anderen auf eine damit einhergehende, düstere und todernste Grund-stimmung, die zuweilen nur knapp daran vorbeischrammt, sich
in melancholischer Selbstverliebtheit zu verlieren. Schön...




Doch leider ist auch AVALON nicht perfekt. Der dickste Klopfer überhaupt war für mich persönlich (und da können noch so viele kommen und sagen, ich soll mich nicht so aufregen) eine Konzert-Szene, in der das "Warsaw Philharmonic National Orchestra" zusammen mit einer schwabbeligen Opern-Diva das Titelstück zum besten gibt... Die gute Absicht dahinter ist ja erkennbar, dennoch fällt die Szene atmosphärisch gesehen VÖLLIG aus dem Rahmen des Filmes.

Zum einen erinnern die zahlreichen Zwischenblendungen an ein Live-Konzert im TV am Sonntag Vormittag, und zweitens dauern diese Szenen auch noch ewig lange, obwohl sich vor dem Gebäude parallel dazu eine der finalen Konfrontationen anbahnt. Vermutlich war Oshii durch die Inanspruchnahme des Orchesters (1 1/2 Minuten lang Namen im Abspann !) auch dazu verpflichtet, mindestens fünf Minuten Filmmaterial einzubauen. Anders kann ich mir das einfach nicht erklären.




Und wenn ich schon mal dabei bin... Liegt das an mir, oder wird der Film in letzten Viertel leicht trashig ? Der "Ghost" an der Mauer (warum ?!), die "Augen zu und durch"-Erklärungen, ein alles andere als guter Schauspieler als Gegner von
Ash oder ihr
"Sichtverstärker", der natürlich cool aussieht, aber nichts weiter bringt, als die helle Umgebung völlig düster, grau und verschwommen aussehen zu lassen. So ein Teil brauche ich auch !

Am Rande sei noch angemerkt, dass leider auch kein Wert darauf gelegt wurde, eine für den Zuschauer plastische und greifbare Virtual Reality-Welt zu kreieren, da weder auf Gesetze und Regeln des Spiels, noch dessen Möglichkeiten und Grenzen genauer eingegangen wird... Kritikpunkte an Oshii's Werk anzubringen, ist keine große Herausforderung.




Dennoch kann man wohl mit Recht behaupten, dass AVALON ganz einfach zu den beeindruckendsten und innovativsten (computerverstärkten) Filmen der letzten Jahre gehört... Die einzigen Ausnahmen bilden hier wie gesagt gewisse Szenen gegen Ende, die einem in dieser Hinsicht runden und befriedigenden Abschluss im Wege stehen.

Wer auf Animes wie JIN-ROH (1999) und GHOST IN THE SHELL (1995) steht, ein entsprechend großes Interesse für die Thematik (= computergenerierte Alternativ-Welten, Realitätszweifel, Rollenspiele allgemein und Internet-Games á la
COUNTERSTRIKE) mitbringt oder ganz einfach mal in eine faszinierende Welt eintauchen will, sollte sich den Film trotz
einiger Schwachpunkte keinesfalls entgehen lassen !
(ab)

Wertung    




Die Japan-DVD von Bandai Visual gibt den Film in perfekter Bild- und Ton-Qualität wieder. Das Bild wird in in Lbx 1.85:1
anamorph präsentiert, Soundtracks gibt's in polnisch DD 5.1 (Originaltrack) und japanisch Dolby Sourround (Synchro).
Auf der Standard-Edition zum japanischen Normalpreis befinden sich 3 Kino- und 2 TV-Trailer als Bonusmaterial.
Das Special Edition Box-Set (die Kasse klingelt) enthält neben einer zusätzlichen polnischen DTS-Tonspur auf der Film-
Disc eine zweite DVD mit Bonusmaterialien (u.a. ein SFX-Making Of) und das komplette Storyboard in Buchform.

Die deutsche DVD von Kinowelt überrascht mit tollen animierten Menüs, einem sehr guten Bild in Lbx 1.85:1 anamorph
und zwei Sprachoptionen : Einer annehmbaren deutschen Synchro und dem polnischen Original mit deutschen UT
(beide Dolby Digital 5.1). Als Extras gibt's den Kinotrailer (deutsch / polnisch) und ein Avalon-Game.
Ganz ruhig, bei dem Game handelt es sich um ein Menü-Klickspiel für den DVD-Player, das zwar nett aufgemacht ist,
insgesamt aber doch nur mäßig begeistern kann (Screenshots unter Bonus "Avalon"). Trotzdem insgesamt eine
gelungene Sache, die eine kostengünstige Alternative zur Japan-DVD darstellt. Einziger Schwachpunkt : Die Farben
wirken im Vergleich zur Japan-Disc blasser und haben einen leichten Grünstich. Vor allem die Atmosphäre der warme
Szenen hat darunter zu leiden. Das deutsche Tape dürfte entsprechend in Lbx 1.85:1 und deutsch synchronisiert sein.

Eine zweite Alternative ist die DVD aus HK, die den Film in guter, scharfer Bildqualität bietet. Sprachen : Die kantone-
sische Synchro und das polnische Original, jeweils Dolby Digital 5.1, englische UT zuschaltbar. Eine der UT-Zeilen
liegt allerdings im unteren schwarzen Balken - Für 16:9 TVs wieder mal scheiße. Achtung : Es sind / waren auch
Bootleg-DVDs aus HK / Taiwan im Umlauf. Bei seriösen Händlern dürfte allerdings kaum Gefahr bestehen, eine dieser
Scheiben zu erwischen...


Bei Fehlern, Fragen oder Ergänzungen bitte e-mail.