FEMALE CONVICT
SCORPION :
JAILHOUSE 41


Deutscher Titel
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Alternativ-Titel
Scorpion : Female Prisoner Cage #41
 



  Land : Japan   Regie : Shunya Ito
  Jahr : 1972   Drehbuch : Shunya Ito, Hiro Matsuda & Norio Konami
  Laufzeit : 89 min.   Mangavorlage : Tooru Shinohara
  Format : 2.35:1   Kamera : Masao Shimizu
     Musik : Shunsuke Kikuchi

Darsteller
Meiko Kaji * Kayoko Shiraishi * Hiroko Isayama
Fumio Watanabe
* Yukie Kagawa * Hosei Komatsu



Als zweiter von drei Kinofilmen erzählt FEMALE CONVICT SCORPION : JAILHOUSE 41 die Geschichte der jungen Frau
Matsu (Meiko Kaji), die unschuldiger Weise zu lebenslanger Haft in einen Frauengefängnis verurteilt wurde. Ihr Erzfeind
ist der Direktor der Einrichtung, dessen einzige Aufgabe darin zu bestehen scheint, ihr das Leben zur Hölle zu machen.

Nach einer niederträchtigen Misshandlung gelingt der wortkargen Frau zusammen mit sechs Mitgefangenen schließlich
die Flucht. Doch der Direktor nimmt mit seiner Polizeitruppe sogleich die Verfolgung auf, wobei ihm jedes Mittel recht
ist, das zur Ergreifung der Frauen führt. Was wird nun aus der Gruppe werden ? Und was wird mit Matsu geschehen, die unter einigen ihrer Leidensgenossinnen nicht unbedingt besonders hohes Ansehen genießt... ?





Ich weiß gar nicht mehr genau, wie ich überhaupt zu diesem Streifen gekommen bin. Ich schätze, es war zum einen
der interessante Titel, zum anderen die eher spärlichen Informationen (was manchmal ja gar nicht schlecht ist) und
die spannende Ungewissheit, was einen denn nun genau erwartet. Irgendwie exploitationmäßig soll es zugehen, dann
aber auch gleichzeitig Kunst sein. Hm, und außerdem "Japan" und "1972"... Ja, darauf hatte ich gerade Lust.





Tatsächlich geht es gleich recht heftig zur Sache. Da ist dieser Frauenknast, raue Sitten herrschen dort. Regelmäßig
geht's ab in den Steinbruch. Die Aufseher scheinen allesamt Sadisten zu sein, der Schlimmste von ihnen ist der ein-äugige Oberdirektor, der mit seinem Fascho-Look und der entsprechenden Attitüde gleich für klare Verhältnisse sorgt.

"I will drive you mad, I swear !" verspricht er der Gefangenen Matsu, titelgebender "Scorpion", und lässt sie erstmal im
tiefsten und dunkelsten Kerker mit einen Feuerwehrschlauch abspritzen. Da müssen wohl persönliche Emotionen im
Spiel sein. Diese scheinen auf Gegenseitigkeit zu beruhen, denn schon beim nächsten Appell nutzt Matsu die erst-
beste Gelegenheit, ihren intimsten Gefühlen Ausdruck zu verleihen, was den Direktor fast sein zweites Auge kostet !





Ein erstklassiger Auftakt einer emotional aufwühlenden wie formal eindringlichen Tour de Force. Zwar besitzt der Film eine beachtlich Härte, sadistische Grausamkeiten sind auf beiden Seiten keine Seltenheit, doch nicht nur Hass,
Wut und Verzweiflung kriechen einem förmlich unter die Haut. Ebenso deutlich sind da noch andere, schwer greifbare
Stimmungen zu spüren... Trauer ? Vergebung ? Güte ? Das trifft es nicht genau, geht aber wohl in die grobe Richtung.

Das traurige und melancholische Titelstück trägt sehr viel davon in sich, mindestens genauso viel steckt aber auch im
Visuellen, in der grandiosen Bild- und Symbolsprache. In einigen Momenten werden Bilder von vollkommener Poesie
auf den Bildschirm gezaubert, die für einen Augenblick die Zeit still stehen lassen. Manchmal scheint die Grenze zum
Surrealen zu verschwimmen, um den Zuschauer dann aber wieder auf sicheren Boden zurück kehren zu lassen...





Negativ-Aufnahmen schleichen sich in die Bilderreihen, dazu gesellen sich unerwartete Zeitlupen. Einzelne Sequenzen
erinnern an Bühnenbilder und das faszinierende, durch wechselnde Beleuchtungsquellen inszenierte Spiel mit Licht und
Dunkelheit verleiht den Geschehnissen einen Hauch hypnotischer Künstlichkeit.

Auch die Schauplätze wurden sehr sorgfältig ausgewählt. Die Reise führt durch salzbergartige Landschaften, verwitterte
Dörfer, Laubwälder und schließlich sogar eine Müllhalde. Des weiteren kommen aber auch Studiokulissen zum Einsatz,
die in genau durchkomponierten Bildern abfotografiert und in präzisen Kamerafahrten festgehalten werden.





Das mag jetzt vielleicht sehr nach sperrigem Arthouse-Kino klingen, ist es aber ganz und gar nicht ! Sicherlich ist alles
sehr künstlerisch gehalten, doch letztendlich handelt es sich hier immer noch um einen "Female Prisoners on the Run",
bzw. "Revenge"-Streifen, und als solcher funktioniert FEMALE CONVICT SCORPION auch ganz ausgezeichnet.

Als Rande ist noch anzumerken, dass der Film auf einem Manga basiert und Hauptdarstellerin Meiko Kaji im folgenden
Jahr als "Shurayuki Hime" in LADY SNOWBLOOD : GRUDGE LOVE SONG (1973) und LADY SNOWBLOOD 2 :
LOVE SONG OF VENGEANCE (1973) zu sehen war. Ich wusste doch gleich, dass mir die schweigsame Lady mit dem
alles durchdringenden Blick irgendwoher bekannt vorkam...





Für mich war FEMALE CONVICT SCORPION auf jeden Fall eine echte Überraschung und ein Erlebnis, das mir ganz
bestimmt noch einige Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Beide Daumen hoch und eine klare Weiterempfehlung ! (ab)


Wertung    



Auf der US-DVD von Image Entertainment wird der Film im Originalformat von Lbx 2.35:1 anamorph präsentiert. Die Bild-
qualität ist dem Alter entsprechend OK, nur hätte man sich vielleicht ein weniger verunreinigtes Master gewünscht.
Der japanische Soundtrack in DD 1.0 geht bis auf manchmal etwas auffällige Rauschunterdrückung ebenfalls in Ordnung.
Als Extra gibt's den japanischen Kinotrailer und jede Menge Textinfos auf der Innenseite des Covers.


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