GEMINI

Deutscher Titel
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Alternativ-Titel
Soseiji
 



  Land : Japan   Regie : Shinya Tsukamoto
  Jahr : 1999   Produzent : Futoshi Nishimura
  Laufzeit : 84 min.   Drehbuch : Shinya Tsukamoto
  Format : 1.85:1   Kamera : Shinya Tsukamoto
     Schnitt : Shinya Tsukamoto
     Musik : Chu Ishikawa
     Kostüme : Michiko Kitamura

Darsteller
Masahiro Motoki * Ryo * Yasutaka Tsutsui
Shiho Fujimura
* Akaji Maro




Japan zu Beginn des 20sten Jahrhunderts. Yukio (Masahiro Motoki), ein junger und erfolgreicher Arzt, gerät in starke Zweifel über die Identität seiner jüngst kennengelernten und scheinbar an Amnesie leidenden Frau Rin (Ryo), als es zu unheimlichen Todesfällen im Hause seiner wohlhabenden Familie kommt.

Die mysteriöse Vorfälle scheinen in irgendeiner Weise mit einem benachbarten, seuchengeplagten Slum in Verbindung zu stehen, einer Gegend, die Yukio und andere Personen aus seinem aristokratischen Umfeld wie die Pest meiden und deren Bewohner sie allesamt als minderwertig ansehen. Da taucht plötzlich ein Mann auf, der Yukio zum Verwechseln ähnlich sieht, und wirft ihn nach einem kurzen Kampf in einen ausgetrockneten Brunnen hinter dem Anwesen. Während Yukio dort langsam den Verstand zu verlieren droht, beginnt der Doppelgänger, das Leben des Arztes zu übernehmen...






GEMINI markiert als erster kommerzieller Kinofilm einen Wendepunkt in der Arbeit von Shinya Tsukamoto. Sicher, die
Handschrift ist immer noch unverkennbar, doch
nach radikalen "Overkill"-Filmen wie TETSUO : THE IRON MAN (1990), TETSUO II : BODY HAMMER (1991) oder TOKYO FIST (1995), geht Tsukamoto die Sache diesmal deutlich ruhiger an.

Die Kamera schwebt durch dunkle Flure oder beobachtet geduldig die Protagonisten. G
eschickt werden unruhige bis
hektische Bewegungen eingesetzt, um an entsprechender Stelle gezielt die suggestive Kraft der Bilder zu verstärken.

Dass GEMINI des öfteren als schlichtweg langweilig bezeichnet wird, kann ich persönlich trotz seines ruhigeren Grund-tenors in keinster Weise nachvollziehen. Die schön bizarren und schrägen Kostüme geben den Charakteren einen surrealen, fast schon unheimlichen Look, spannungsintensive Momente sind ebenfalls ausreichend vertreten und auch die Geschichte um Rin's Vergangenheit und die unheimlichen Ereignisse rund um das Haus wird zügig verfolgt.




Leider schleicht sich bald die ernüchternde Erkenntnis ein, dass es sich bei GEMINI im Grundprinzip um eine fast schon banale Krimistory handelt. Die Tsukamoto'sche Abgedrehtheit ist fast ausschließlich auf der formalen Ebene spürbar oder lässt sich in den Kostümen und Kulissen wiederfinden.

Deutlich wird dies z.B. in der Szene mit dem Seuchenopfer, in der die Angestellten ins Arbeitszimmer geschickt werden, um Schutzanzüge zu besorgen. Eine sehr adrenalinreiche Sequenz, düster und spannend inszeniert, doch kaum hat sich Yukio die Gummischürze und die bizarre Maske übergezogen und das Kostüm kurz dem Publikum präsentiert, werden die Sachen auch wieder abgenommen und haben auch keine weitere Bedeutung mehr.
Es bleibt zwar eine gewisse Cool-ness, doch der offensichtliche Selbstzweck trübt ein wenig den Gesamteindruck. Schade.




Doch auch wenn am Ende von einer tieferen Aussage nicht viel zu spüren ist und man die Geschichte an sich nicht als übermäßig innovativ bezeichnen kann, so ist GEMINI immer noch ein sehr atmosphärischer, unheimlicher Krimi mit einem dicken Bonuspunkt für die bizarre Ausstattung und die bewundernswerte Suggestivkraft in Bild und Ton. Tsuka-moto-Fans sollten definitiv einen Blick riskieren, knallharte TETSUO-Freaks könnten vielleicht enttäuscht werden... (ab)

Wertung    




Die Japan-DVD von Warner bietet ein anamorphes Bild in Lbx 1.85:1 und den japanischen Originalton in Dolby Surround mit wahlweise japanischen oder englischen UT. Dazu einige Extras.

In Hong Kong ist der Film auf DVD und VCD bei Ocean Shores erschienen. Die DVD bietet den japanischen Originalton in Dolby Surround mit festen UT in englisch/chinesisch. Qualität OK, das Bild wirkt aber besonders in den dunklen Sze-nen etwas kontrastarm und trübe. Hin und wieder wird in der unteren rechten Ecke ein "D" eingeblendet. Als günstigere Alternative zur Japan-DVD geht das alles aber noch in Ordnung. Für die VCD gilt mediumentsprechend das gleiche.


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