ATTACK THE
GAS STATION




Deutscher Titel
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Alternativ-Titel
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  Land : Süd Korea   Regie : Kim Sang-Jin
  Jahr : 1999   Produzent : Kim Mi-Hee
  Laufzeit : 111 min.   Drehbuch : Park Jung-Woo
  Format : 1.85:1   Kamera : Choi Jeong-Woo
    Schnitt : Ko Im-Pyo

Darsteller
Lee Sung-Jae * Yoo Oh-Sung * Kang Seong-Jin * Yoo Ji-Tae
Park Young-Kyu * Chung June * Lee Yu-Won * Lee Jeong-Ho




Vier junge Männer überfallen nachts eine Tankstelle, nur so zum Spaß. Da der Chef jedoch vorgibt kein Geld zu haben, nehmen sie kurzerhand die Beschäftigten als Geiseln und kassieren als Tankwärter verkleidet bei den Autofahrern
ab. Dabei geraten sie mit einer Jugendgang, der örtlichen Polizei und sogar mit einem Gangstersyndikat aneinander...




Ein echter Kracher ! ATGS ist ein abgefahrener Genrecocktail mit irren Ideen, der von Beginn an zündet. Den Auftakt macht der doppelte Überfall auf die Tankstelle, welcher absolut mitreißend inszeniert wurde. Die witzige Grundidee der "Übernahme" der Tankstelle bildet dabei nur die Basis für viele weitere verrückte Vorkommnisse und Wendungen, die man in diesem Zusammenhang nicht immer so erwarten würde.





Eines der Highlights des Films ist (z.B.) wenn eine feindliche Gang plötzlich ihre Qualitäten als Boygroup entdeckt und die Tankstelle sozusagen der Beginn ihrer Musikerkarriere wird. Diese Szene ist wirklich zum Schreien ! Aber der Film
ist kein pures Fun-Event, denn die physische und psychische Gewalt, welche die Freunde anwenden, um ihre Ziele (z.B. das große Geld) zu erreichen, hinterlässt oft einen unangenehmen Beigeschmack.

Daher wirken die Protagonisten meist etwas befremdlich, zwar lacht man über ihre irren Aktionen, wenn man sich dann aber in die Lage der Opfer hineinversetzt, bleibt das Lachen etwas im Halse stecken. Die Gewalt an sich wird recht herb im Film dargestellt, durch Ironie und Witz jedoch oft etwas entschärft.




Die Story beschränkt sich glücklicherweise nicht auf das Zurschaustellen der abgedrehten Aktionen der vier Freunde von der Tankstelle, sondern versucht auch die Motive, die zu der Tat geführt haben, zu durchleuchten. Anfangs wird lediglich erwähnt, der Überfall geschehe nur aus Spaß, später jedoch wird in kurzen Rückblenden die Vergangenheit der Protago-nisten enthüllt. Es stellt sich heraus, dass sie alle von anderen Personen (dem Vater, dem Baseballtrainer...) extrem ungerecht behandelt oder enttäuscht wurden. Somit wurde durch Geschehnisse in ihrer Jugend zumindest ein Grundstein für ihr gegenwärtiges radikales Verhalten gelegt.

Ihre Gewalt ist eine Trotzreaktion auf ihre unerfüllten Träume, und hier verbirgt sich der Funken Gesellschaftskritik, der den Film über die Unterhaltungsebene hebt. Und das alles ohne erhobenen Zeigefinger. Die vier Verbrecher werden somit zu Menschen, deren Verhalten man besser verstehen kann.

Spielend werden bei ATGS die Grenzen zwischen (Triaden-) Action, Thriller und Kömodie überwunden. Auch leise und gar sozialkritische Zwischentöne, vor allem gegen den militärischen Drill in der Gesellschaft Koreas und der Polizei, las-sen sich hier finden. Das Ende entschärft die Kritik zwar wieder, entlässt den Zuschauer dafür mit einem guten Gefühl.




Formal ist der Film exzellent gelungen. Ungewöhnliche, aufwendige Aufnahmen und schnelle Schnitte lassen Langeweile gar nicht erst aufkommen. Das Tempo ist generell sehr hoch, nur zur Filmmitte wird auch mal ein Gang runtergeschaltet. Die Musik ist passend und untermalt besonders die zahlreichen Actionszenen sehr gut.

Das Engagement der Filmemacher hat sich anscheinend auch auf die Schauspieler übertragen, denn alle strengen sich redlich an und bringen beachtliche Leistungen. Lee Sung-Jae z.B. überzeugt mit feinem Charisma als Anführer der vier Freunde.

Insgesamt gesehen ist ATGS ein ungewöhnlicher Film, der sowohl auf der Unterhaltungs- als auch der künstlerischen Ebene absolut überzeugen kann und abermals beweist, dass (Süd-) Korea als Herkunftsland ambitionierter Filmproduk-tionen immer mehr an Bedeutung gewinnt. Unbedingt ansehen !
(jo)

Wertung    




Die Korea-DVD von Spectrum bietet gute Qualität, Ton in DD 5.1 und sogar einige Extras (z.B. ein kurzes "Making Of"). Beim Bildmastering wurde aber leider ein Fehler begangen. Steht der DVD-Player auf Standard (die nicht-anamorphe Ein-stellung), so ist das Bild bereits "plattgedrückt", was zu breiten Gesichtern u.ä. führt...

Will man den Film im korrekten Format sehen, muss man den DVD-Player auf 16:9 Widescreen (die Einstellung für ana-morphe DVDs) stellen, um das Bild vertikal zu strecken und darurch diesen Fehler zu kompensieren. Das selbe Problem gibt es auch bei den Korea-DVDs von NOWHERE TO HIDE (1999) und TELL ME SOMETHING (1999) !

Die HK-DVD von Mei Ah bietet üblerweise nur das Vollbild-Format und Dolby Surround-Sound.


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