Schoolgirl Apocalypse

Schoolgirl Apocalypse
Schoolgirl Apocalypse

Originaltitel: Sêrâ-fuku mokushiroku

Japan 2011

Buch und Regie: John Cairns

Darsteller: Higarino (Rino Higa), Mai Tsujimoto, Max MacKenzie, Kaoru Nishida, Asami Miyakawa

Laufzeit: 86 Minuten (DVD)
Bildformat: 1,78:1

Veröffentlichung: DVD von Midori Impuls (bereits erschienen)

Sakura führt ein beschauliches Dasein als Schülerin irgendwo im ländlichen Japan. Die Idylle findet ein jähes Ende, als ein schrilles Tonsignal unbekannten Ursprungs die männlichen Bewohner zu willenlosen Zombies werden lässt. Das seltsam-apathische Verhalten ihrer Lehrer und Mitschüler nimmt Sakura dabei zunächst nur irritiert zur Kenntnis. Doch spätestens als ihr Vater des Abends zähnefletschend über die Familie herfällt und ihre Mutter tötet, wird ihr bewusst, dass irgendetwas in ihrer Umgebung ganz fürchterlich schief läuft. Nur mit ihrem Sportbogen bewaffnet versucht sie sich in Sicherheit zu bringen.

Auf ihrer Flucht muß Sakura feststellen, dass das unheimliche Phänomen keineswegs lokal begrenzt ist, sondern die Männer flächendeckend der Zombiefizierung anheim gefallen sind. Als noch unberechenbarer als die Männer erweisen sich jedoch die Frauen, denen sie begegnet. Diese gehen jeweils auf ihre ganz eigene Weise mit der Apokalypse um und reagieren auf das Auftauchen des verwirrten Schulmädchens mal hilfsbereit, mal feindselig.

In ruhigen Minuten versucht Sakura, mit Hilfe in ihres Englisch-Schulbuchs den sie umgebenden Wahnsinn zu vergessen. Doch dann erscheint ihr der hübsche blonde Junge aus den naiven Illustrationen ihres Lehrbuchs im Traum und fleht sie eindringlich um ihre Hilfe an. Sakura wird klar, dass sie selbst aktiv werden und den Kampf gegen die Quelle der unheimliche Bedrohung aufnehmen muß.

Der knackig-prägnante Titel lässt eher ein grelles Exploitation-Spektakel vermuten. Tatsächlich ist Schoolgirl Apocalypse aber weit entfernt von Fun-Splatter und Schulmädchen-Fetisch. Dass es durchaus blutig wird, versteht sich bei der Kombination Heldin mit Bogen gegen untote Angreifer natürlich von selbst. Doch linst die Kamera dem Mädchen auch im wilden Gefechtsgetümmel nie unter den Rock. Vielmehr nimmt der Film seine Hauptfigur bei aller Naivität ernst und baut eine beunruhigende Atmosphäre auf, die sich immer weiter steigert, je näher Sakura der finalen Konfrontation kommt.

In seiner unkonventionellen Machart ist Schoolgirl Apocalypse aber auch ein Film, auf den man sich als Zuschauer einlassen muss. So sind die animierten Traumsequenzen, in denen Sakura dem Jungen aus ihrem Englischbuch begegnet, schon ziemlich schräg und sicherlich nicht jedermanns Sache, ebenso wie das bizarre Finale. Auch verzichtet der Film darauf, alles zu erklären oder dem Zuseher seine Botschaft aufs Auge zu drücken. Wie die verunsicherte Hauptdarstellerin selbst wird man über das „Warum“ hinter den Ereignissen im Dunkeln gelassen und kann sich selbst seinen Reim auf das Geschehen machen. Das notwendige Maß an Offenheit vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse somit als stimmungsvoller und interessanter kleiner Independent-Film, der nicht schon fünf Minuten nach dem Ende vergessen ist.

Interessanterweise steht hinter diesem durch und durch japanisch wirkenden Film mit John Cairns ein amerikanischer Regisseur. Cairns ist mit einer Japanerin verheiratet und lebt bereits seit über 15 Jahren in Japan. Dort verbrachte er einige Jahre auf dem Land, wo er als Englischlehrer arbeitete. Die japanischen Schülerinnen machte auf ihn einen unheimlich naiven Eindruck, was ihn zur Grundidee des Films veranlasste: wie würden sich diese unselbstständigen Mädchen wohl im Angesicht der Apokalypse verhalten? Auch die Traumsequenzen wurde von der Realität inspiriert, sie basieren auf den kitschigen Illustrationen der japanischen Lehrbücher für Mädchen.

Bei den Arbeiten am Skript zog Comic-Fan Cairnes auch den Horror-Manga-Altmeister Kazuo Umezu zu Rate. Umezu hatte bereits Anfang der 70er-Jahre in dem populären Manga Hyōryū Kyōshitsu die Abenteuer eine Gruppe Schüler in einer endzeitlichen Zukunftswelt geschildert und gab Cairnes Tipps für die Erzählung seiner Geschichte. Der Film entstand schließlich innerhalb von nur knapp zwei Wochen mit einem überschaubaren Budget. Cairns hat dies recht gut kaschieren können, indem er sein Skript entschlackte und viel Mühe darauf verwendete, stimmige Locations (ländliche Idylle, verfallene Gebäude und Japan-typisch natürlich das Meer) und überzeugende Schauspieler zu finden. Unter den Darstellern sticht besonders die Hauptdarstellerin hervor: Sakura wird von Rino Higa (Higarino) gespielt, die als sogenanntes Gravure-Model zum Drehzeitpunkt zwar kein unbeschriebenes Blatt mehr war, aber die Verkörperung des unbedarften Schulmädchens perfekt beherrscht. Die Zombie-Effekte sind gelungen, lediglich im Showdown stechen einige etwas simpel geratene CGI-Animationen hervor, die zum Glück aber ziemlich kurz gehalten wurden.

Das notwendige Maß an Offenheit insbesondere für die schrägen Animationssequenzen vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse als stimmungsvoller kleiner Independent-Film, der dem Thema „Schulmädchen gegen Zombies“ ein interessantes Coming-Of-Age-Element hinzufügt. Die sympathische Darstellerriege und die Reduktion der Inszenierung auf das Wesentliche kaschieren geschickt das geringe Budget, so dass man dem Film seine kostengünstige Realisierung zwar ansieht, er aber nie im negativen Sinne billig wirkt. Der Verzicht auf allzu viel Erklärung sorgt zudem dafür, dass Schoolgirl Apocalypse nicht schon fünf Minuten nach seinem Ende vergessen ist.

Schoolgirl Apocalypse DVDs

Schoolgirl Apocalypse feierte seine europäische Premiere im Rahmen des 2012er Japan Film Festivals in Hamburg (JFFH) und wurde kürzlich vom jungen deutschen Label Midori Impuls auf DVD veröffentlicht. Bild und Ton sind tadellos, hinzu gesellen sich einige willkommene Bonusfeatures, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Film und den Menschen dahinter einladen. Ein besonderes Extra hat Regisseur John Cairns speziell für den deutschen Markt produziert: Begleitet von witzigen Animationen berichtet er von der Premiere in Hamburg und gibt zwei höchst amüsante Anekdoten aus dem Festivalkino zum Besten. Die Veröffentlichung ist in fünf limitierten Hartboxen erschienen, deren Cover zum einen das offizielle Kinoplakat, zum anderen eigens von verschiedene Künstlern entworfene Motive zieren.

Ausstattung der DVD:
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Sprache: Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial mit dt. Untertiteln:
• Vierteiliges Making Of: Location Hunting Horrors, Found Footage, Kyudo Training, Monsters & Idols
• Interview mit John Cairns (Buch & Regie)
• Interview mit Higarino (Hauptdarstellerin)
• Special Report: Japan Film Festival Hamburg
• 2 Trailer
• Trailershow des Anbieters

Zu kaufen in diversen Online-Shops, die Hartboxen im Programm haben, z.B.:
OFDB Shop
Medienversand.at

oder direkt bei Midori Impuls in Hamburg:
midori.impuls@gmail.com

Herzlichen Dank an MIDORI IMPULS für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

The Zero Hour

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The Zero Hour

Original: La Hora Cero
Venezuela 2010
101 Minuten, 1,85:1
Regie: Diego Velasco
Buch: Diego Velasco, Carolina Paiz
Kamera: Luis Otero
Musik: Freddy Sheinfeld, Gabriel Velasco

Darsteller: Zapata 666, Amanda Key, Erich Wildpret, Laureano Olivares, Marisa Román, Albi De Abreu, Alejandro Furth, Steve Wilcox


Venezuela. Parca (Zapata 666) ist ein knallharter Auftragskiller. Während eines Auftrags begegnet er seiner hochschwangeren Jugendliebe Ladydi (Amanda Key) – und die wurde auch noch angeschossen. Kurzentschlossen schnappt er sich die junge Frau, um sie von einem Arzt behandeln zu lassen. Doch zu allem Überfluss befindet sich das Land gerade in einem großen Ärztestreik und im nächstgelegenen staatlichen Krankenhaus ist man nicht in der Lage, die schwerverletzte Frau medizinisch zu versorgen. Zusammen mit seiner schwerbewaffneten Gang stürmt Parca daraufhin eine noble Privatklinik und nimmt Patienten und Ärzte als Geiseln, um Ladydis und das Leben ihres Kindes zu retten. Um seine Interessen durchzusetzen ist ihm jedes Mittel Recht: Parca arbeitet mit der Presse zusammen und inszeniert sich als eine Art Robin Hood, indem er allen Mitmenschen ärztliche Versorgung zusagt. Mit einer Pistole am Schädel vergessen die Ärzte sehr schnell, dass sie sich gerade im Streik befinden. Währenddessen soll ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Lage unter Kontrolle bringen. Mit einem Austausch von Geiseln sollen heimlich bewaffnete Polizisten eingeschleust werden.

Als einer der erfolgreichsten Filme Venezuelas punktet Diego Velascos Spielfilm-Regiedebüt mit einer Prise Exotenbonus. Von Beginn an wird klar, dass man es hier nicht mit einem typischen Direct-to-Video-Klopper zu tun hat, sondern ein Filmemacher mit Anspruch am Werke ist. Leider ist genau das auch das Problem des Films: Velasco will einfach zu viel. Die Handlung springt munter zwischen Action-Thriller, Ghetto-Film und Krankenhaus-Melodrama, und weckt Erinnerungen an JOHN Q (2002) mit Denzel Washington. Leider fehlt THE ZERO HOUR aber eine die Hauptfigur, die ähnlich facettenreich dargestellt wird. Der Hip-Hop-Künstler Zapata 666 gibt sich hier jede Mühe den Film zu tragen, seine Figur jedoch stößt durch die immer wieder aufkommenden Gewaltausbrüche mehr ab, als dass sie zum Mitfiebern einlädt. Auch fehlen dem Film ein paar interessante Plot-Twists, die die Laufzeit von 101 Minuten versüßen. Lediglich das Finale bietet noch eine kleine Überraschung. Schade, denn gerade der Anfang macht Richtig Laune und die Optik erinnert bisweilen an CITY OF GOD (2002). Vielleicht ist ja der nächste Film von Diego Velasco etwas besser ausbalanciert, ich würde es ihm zutrauen.

Die Blu-ray Disc von Senator Home Entertainment gibt den Film in ordentlicher technischer Qualität wieder. Das Bild ist scharf und bringt den Film mit überzeugenden Farbwerten auf die Mattscheibe. Lediglich bei einigen Actionszenen zeigen sich Unschärfen, was aber wohl durch die Zeitraffer-Effekte der Post-Production bedingt sein dürfte und keinen Fehler der Disc darstellt. Der Ton liegt in Deutsch und Spanisch vor, jedoch gibt es leider keine Untertitel. Man muss also schon des lateinamerikanischen Spanisch mächtig sein, um dem Geschehen im O-Ton folgen zu können, da viele Slang-Ausdrücke verwendet werden. Die Synchro gibt sich redlich Mühe, den Ghetto-Slang entsprechend rüberzubringen, klingt aber reichlich steril und liegt topfig auf. Wirklich schade, dass es keine Untertitel zum Film gibt. In Sachen Extras herrscht leider ebenfalls Fehlanzeige.

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Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat bei TLS die Gelegenheit: In Zusammenarbeit mit Senator Home Entertainment verlosen wir 2 Blu-ray Discs von „The Zero Hour“. Die Gewinnfrage: Wie lautet der Name des Schauspielers, der als John Quincy Archibald durch eine Geiselnahme im Krankenhaus die Operation seines herzkranken Sohns erzwingen will? Antwort bis zum 25.07. per Mail an: gewinnspiel[AT]thelongestsite.de
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.