Shaw Brothers Box No. 1

Shaw Brothers Box No. 1

Koch Media, 5-DVD-Set mit Buch

Das Todesduell der Tigerkralle (1977)

Der Shaolin-Gigant (1980)

Der Todesgriff des Shaolin (1978)

Das Grabmal des Shaolin (1980)

Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus (1965)

Lange war es ruhig, was deutschsprachige Veröffentlichungen der Shaw-Brothers-Filme anbelangte. Dabei gibt es im Fundus des legendären Studios noch eine Menge zu entdecken: dessen Filmografie umfasst mehr als 800 Filme, die in der Blütezeit zwischen 1959 und 1985 entstanden sind. International besonders erfolgreich waren die aufwendig ausgestatteten Kung-Fu-Epen, mit denen die Shaws vor allem in den 70er-Jahren Kinogänger in aller Welt begeisterten. Auch in Deutschland waren viele dieser Filme zu sehen. Leider schafften es die zeitgenössischen Synchronfassungen mit den markanten Sprechern der Ära aber nicht auf die bislang erschienenen DVDs, was für viele Fans ein Ärgernis darstellte.

Mit der vorliegenden Shaw Brothers Box hat nun das Label Koch Media einen ersten Schritt getan, einigen Filme eine angemessene würdevollere Präsentation zu gewähren. Die vier Filme aus der Box, die seinerzeit in Deutschland aufgeführt wurden, liegen in den originalen Synchronfassungen vor. Passagen, die einstmals in der deutschen Fassung fehlten, wurden neu synchronisiert, ebenso wie die deutsche Erstveröffentlichung von Tempel des Roten Lotus. Zusätzlich gibt es zahlreiches interessantes Bonusmaterial, in dem Schauspieler und Filmschaffende zu Wort kommen und über die Shaw Brothers und die Filmindustrie Hongkongs im Allgemeinen berichten.

Die fünf DVDs befinden sich in einem schicken Digipak, das sich in einem geprägten Schuber mit ablösbarem FSK-Sticker befindet. Als ganz besonderes Extra enthält die auf 2000 numerierte Exemplare limitierte Box zudem Das Buch des Gelben Tigers – ein richtiges kleines Taschenbuch, in dem auf 122 farbigen Seiten sämtliche Plakate der in Deutschland aufgeführten Shaw Brothers Filme abgebildet sind!

Das Todesduell der Tigerkralle (Death Duel, 1977)
Regie: Chor Yuen, mit Derek Yee, Ling Yun, Ku Feng

Der Dritte Meister (Derek Yee) gilt als der beste lebende Schwertkämpfer. Da er jedoch der ständigen Herausforderungen auf Leben und Tod überdrüssig ist, täuscht er seinen Tod vor und beginnt ein Leben als einfacher Arbeiter. Doch natürlich holt ihn seine Vergangenheit in Form des ehrgeizigen Herausforderers Yen Shi-Kwan (Ling Yun) ein. Da der Dritte Meister den Kampf ablehnt, soll er mit Intrigen dazu provoziert werden, sein Schwert wieder zu erheben …

Das Todesduell der Tigerkralle ist einer von fast 20 Filmen, die Regisseur Chor Yuen nach den Büchern von Gu Long drehte, deren Geschichten sich in einer sagenumwobenen Fantasiewelt voller edler Schwerkämpfer und vertrackter Intrigen abspielen. Zum Glück verfügt das Todesduell über eine recht geradlinige Handlung und funktioniert dadurch gut für sich alleine. Allerdings tritt tatsächlich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Charakteren auf, die teilweise kleinste Gastauftritte absolvieren, und deren Geschichten dann in anderen Filmen dieses Zyklus erzählt werden. Dieses Schicksal trifft im vorliegenden Film u.a. Lo Lieh, Ti Lung und David Chiang – sie alle haben prägnante aber äußerst kurze Auftritte. Frecherweise hielt das den deutschen Kinoverleih nicht davon ab, das Todesduell als neuesten Film des Duos Ti Lung und David Chiang zu vermarkten!

Nichtsdestotrotz ist das Todesduell ein toller Film, der mit opulenter Ausstattung und durchstilisierten, stimmungsvoll ausgeleuchteten Studiosets eine geradezu märchenhafte Atmosphäre erzeugt. Auch die Kampfszenen fügen sich perfekt ins Ambiente ein, sind hervorragend choreographiert und bei aller Leichtfüßigkeit geht auch einiges zu Bruch. Für mich ein Highlight in dieser Box!

Der Shaolin-Gigant (The Master, 1980)
Regie: Tony Liu, mit Yuen Tak, Chen Kuan-Tai, Johnny Wang

Kao Chien (Yuen Tak) ist Schüler einer Kung-Fu-Schule. Eines Tages nimmt er sich des verwundeten Chin Tien Yun (Chen Kuan-Tai) an, der ihn dafür im Schutz der Nacht heimlich in seiner Kampfkunst unterrichtet. Als Kao Chiens Meister davon erfährt, verbannt er seinen Schüler. Kurz darauf halten die Drei Bösen Meister Einzug ins Dorf. Sie erklären die Schule zu ihrem neuen Domizil, unterjochen den Meister und seine Schüler und terrorisieren die Bewohner. Nun ist die Zeit ist gekommen für Kao Chien, mit seinen neu erlernten Fähigkeiten seine ehemalige Schule zu befreien und die Schurken zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Shaolin-Gigant ist ein interessantes, wenn auch leider etwas verunglücktes Kuriosum im Filmschaffen der Shaw-Studios. Beflügelt von den Kassenerfolgen Jackie Chans wollte man sich ein Stück vom Kung-Fu-Comedy-Kuchen sichern. Dazu verhalf man Jackies Opernschulen-Bruder Yuen Tak zu seiner ersten und einzigen Hauptrolle und versetzte die Handlung mit humorigen Szenen. Doch obwohl Yuen Tak seine Sache ganz gut macht, ging der Schuß dann doch eher nach hinten los. Der Shaolin-Gigant zeigt, dass die Macher der traditionellen Martial-Arts-Filme, die Jackie Chan parodierte, dessen Erfolgsrezept nicht verstanden haben: Die Holzhammer-Komik ist eher peinlich und wirkt wie ein Fremdkörper in der ansonsten höchst konventionellen Handlung.

Die Action hat es dann aber wiederum in sich! Yuen Tak erweist sich als großartiger Athlet, der mit Chen Kuan-Tai und den übrigen Darstellern eine ganze Reihe hervorragender Martial-Arts-Szenen bestreitet. Die abschließende Beurteilung fällt somit schwer. Zwar sind die akrobatischen Kämpfe eine Augenweide und unbedingt sehenswert, doch unterm Strich ist das angesichts des wenig erquicklichen Drumherums etwas zu wenig und somit vermag Der Shaolin-Gigant leider nur mäßig zu unterhalten.

Der Todesgriff des Shaolin (Shaolin Hand-Lock, 1978)
Regie: Ho Meng-Hua, mit David Chiang, Lo Lieh, Michael Chan

Cheng Ying (David Chiang) hat von seinem Vater Li Bai (Dick Wei) den Todesgriff des Shaolin erlernt. Die einzige weitere Person, die diese geheime Technik beherrscht, ist Lin Hao (Lo Lieh), ein Freund des Vaters. Als Li Bai einem Verrat durch seinen Freund zum Opfer fällt und von einem Killer getötet wird, schwört Cheng Ying Rache. Er folgt der Spur nach Thailand, tötet den Mörder seines Vaters und schleicht sich in den Clan von Lin Hao ein. Dieser ahnt nichts von den Plänen seines neuen Handlangers, doch sein Sohn Li Kun Shi (Michael Chan Wai-Man) schöpft Verdacht. Bevor es zum Showdown kommt, macht Cheng Ying im Haus von Lin Hao eine schreckliche Entdeckung…

Der Todesgriff des Shaolin ist ein schriller Actionstreifen, leicht trashig, dafür aber umso unterhaltsamer. Er unterscheidet sich merklich von den gängigen Martial-Arts-Epen der Shaw Brothers, da er in einem modernen Setting angesiedelt ist und mit vielen exotischen Außenaufnahmen aufwartet. Diese wurden in Thailand gedreht und haben ein völlig anderes Flair als die Shaw-üblichen Studioaufnahmen. So düst David Chiang seinen Feinden schonmal mit einem Motorrad entgegen, liefert sich eine Verfolgungsjagd per Motorboot oder wird von einer in pink gewandeten jungen Dame mit einer riesigen Peitsche in einen Zweikampf verwickelt. Tatsächlich hätte der Film sicherlich auch gut mit Bruce Lee in der Hauptrolle funktioniert, der in seinem Hong-Kong-Debüt The Big Boss ja auch als Chinese in Thailand Rache üben durfte.

Wenn der Film einen Schwachpunkt hat, so ist dies die ziemlich simpel gestrickte Handlung. Dass David Chiang sich immer und immer weiter in Gefahr begibt statt Oberfiesling Lo Lieh bei Gelegenheit direkt auszuschalten, wirkt schon ziemlich schwachsinnig. Angesichts der charismatischen Hauptdarsteller, der abwechslungsreichen Actionszenen und der Shaw-typisch erlesenen Fotografie kann man über die Story-Defizite aber locker hinwegsehen und sich für anderthalb kurzweilige Stunden in den Todesgriff des Shaolin begeben.

Das Grabmal des Shaolin (Two Champions of Shaolin, 1980)
Regie: Chang Cheh, mit Lo Meng, Chin Siu-Ho, Chiang Sheng

Nach der Ermordung seiner Eltern durch Manchus verlässt Tung Chen Chin (Lo Meng) das Shaolin-Kloster. Er gerät mit dem Messer werfenden Li Te Tung (Yu Tai-Ping) aneinander, den er nach Erlernen einer neuen Technik besiegt. Dies ruft den Wudan-Orden auf den Plan, der loyal zum Manchu-Regime steht und unter dessen Schutz den Shaolin-Tempel angreift…

Das Grabmal der Shaolin ist ein später Film Chang Chehs für das Shaw-Studio. Für diesem Film trommelte er neben Chin Siu-Ho einmal mehr die komplette Five Venoms-Truppe zusammen, wobei Phillip Kwok Chun-Fung allerdings nur hinter der Kamera tätig war. Dementsprechend erstklassig ist dann auch die Action geraten, aus der einige geradezu bizarre Gewaltspitzen hervorstechen. Insbesondere der Endgegner hat einen recht bemerkenswerten Abgang spendiert bekommen.

Auffällig ist aber auch, dass die Schauspieler hier fast alle ziemlich doof aus der Wäsche schauen, was insbesondere an den grenzwertigen Frisuren liegt. Ein Vorbote auf die Fashion Crimes der 80ern Jahre? Kurius zumindest, da bei den Shaws normalerweise alles wie aus dem Ei gepellt aussieht. Die Geschichte des Films erzählt einmal mehr von der altbekannten Rivalität zwischen Shaolin und Wu-Tang, wartet zum Schluß aber mit einer gelungenen dramatischen Szene auf. Sicher nicht Chang Chehs bester, aber allemal ein unterhaltsamer Film mit herausragenden, dynamischen Actionszenen.

Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus (Temple of the Red Lotus, 1965)
Regie: Hsu Tseng-Hung, mit Jimmy Wang Yu, Chin Ping, Lo Lieh

Wu (Jimmy Wang Yu) ist auf dem zu seiner Jugendliebe Lianzhu (Chin Ping), als er auf eine Horde Banditen trifft und sich ein Gefecht mit ihnen liefert. Verletzt schleppt er zur Residenz der Jin-Familie, zu der Lianzhu gehört. Dort muss er sich aber nicht nur mit einem Nebenbuhler (Lo Lieh) rumplagen, sondern wird auch in die gewalttätigen Auseinandersetzungen der Familie mit dem Orden des Roten Lotus hineingezogen. Wu ahnt, dass es sich bei Lianzhus Familie womöglich um die Räuberbande handeln könnte, die auch seine Eltern auf dem Gewissen hat…

Red Lotus ist ein vergleichsweise alter Film aus dem Hause Shaw und wartet mit einem sehr jungen Jimmy Wang Yu in der Hauptrolle auf. In einer Nebenrolle ist zudem der spätere Vorzeigeschurke Lo Lieh zu sehen. Das Hauptaugenmerk der traditionellen, zuvor bereits mehrfach verfilmten Geschichte liegt allerdings eher auf Melodramatik als auf Action. So wartet der Film zwar mit einigen gelungenen Actionszenen auf, die zudem mit teilweise recht drastischer Gewaltdarstellung in Form abgetrennter Gliedmaßen überraschen, das Gros der Laufzeit wird aber mit familiären Problemen und herzerweichenden Liebesschwüren bestritten. Der Unterhaltungswert hält sich trotz der vorhandenen Schauwerte dementsprechend leider in Grenzen.

Filmhistorisch betrachtet ist Der Tempel des Roten Lotus allerdings durchaus bedeutsam: Es war der erste Film der Shaw Brothers, der eine traditionelle Wuxia-Geschichte mit deutlichem Action-Einschlag erzählte. Die Initiative dazu kam von Raymond Chow und Chang Cheh, der auch die Produktion überwachte. Das Ziel dieser neuen Marschrichtung war es, internationale Märkte für chinesische Filme zu erschließen. Allerdings blieb Red Lotus selbst in Hongkong kommerziell hinter den Erwartungen zurück. Da man in schneller Abfolge drehte, wurde der zweite von vier geplanten Teilen dennoch planmäßig ins Kino gebracht. Teil drei wurde mit einiger Verzögerung veröffentlich, Teil vier letztendlich ganz gestrichen. Dass Chow und Cheh dennoch den richtigen Riecher hatten bezüglich der neuen Ausrichtung des Studios, zeigte sich mit dem gigantischen Erfolg von One-Armed Boxer. Durch diesen kam die Martial-Arts-Welle dann richtig ins Rollen kam und hunderte Kampfsport-Epen aus dem Hause Shaw folgten.

Fazit:

Die vorliegende Box bietet einen interessanten Querschnitt durch das Actionfilm-Spektrum der Shaw Brothers. Während der älteste Film im Bunde, Der Tempel des Roten Lotus, trotz einiger Kampfszenen noch etwas gemächlich daherkommt, können die übrigen vier Filme was die Action anbelangt überzeugen. Ob man dabei dem klassischen Kung-Fu-Spektakel von Regie-Ikone Chang Cheh mehr abgewinnen kann oder dem im zwanzigsten Jahrhundert angesiedelten Todesgriff, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks. Manch einer soll ja sogar die Comedyszenen im Shaolin-Gigant mögen. Mir persönlich hat besonders das Todesduell mit seiner märchenhaften Atmosphäre gefallen.

Die Bildqualität der Filme ist jedenfalls durchgehend hervorragend, wie man es von den remasterten Shaw-Filmen gewohnt ist. Die Tonspuren sind allesamt klar verständlich und teilweise haben die deutschen Sprachfassungen sogar einen besseren Klang als der chinesische Originalton. Überhaupt sind die alten deutschen Synchronisationen eine tolle Sache, da sie mit vielen bekannten Sprechern wie Norbert „Homer Simpson“ Gastell und Wolfgang „Bud Spencer“ Hess besetzt sind. Da lacht das Herz des Genrefilm-Liebhabers. Die neu synchronisierten Passagen fallen natürlich auf, sind aber handwerklich ordentlich gemacht.

Es besonderes Lob verdient das umfangreiche Bonusmaterial auf den Discs, denn das war immer auch ein Schwachpunkt bisheriger Veröffentlichungen. Koch Media hat einen ganzen Schwung an Interviews und Featurettes zusammengetragen, darunter eine Hommage an Chang Cheh, in der zahlreiche Personen zu Wort kommen, sowie Impressionen von einer Feier des Shaw Brothers Fan Club, bei der sich viele alte Stars die Ehre geben.

Unterm Strich also eine überaus ansprechend präsentierte Box, die Lust auf weitere Volumes macht und allein schon aufgrund des tollen Begleitbuches ein schönes Sammlerstück ist. Bleibt zu hoffen, dass die Box auf dem hart umkämpften DVD-Markt auch ausreichend Käufer findet, um die Veröffentlichung weitere Boxen zu ermöglichen.

Technische Ausstattung:

Disc 1: Das Todesduell der Tigerkralle
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 90:21
Bonus:
• Interview: Derek Yee – Acting before Directing (20:21)
• Interview: Regisseur Chor Yuen (12:25)
• Interview: Simon Loui (10:41)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (4:02)
• Bildergalerie

Disc 2: Der Shaolin-Gigant
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Kantonesisch (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 92:09
Bonus:
• Featurette: Shaw Brothers Party (19:53)
• Deutscher Original-Kinotrailer (2:40)
• Chinesischer DVD-Trailer (1:05)
• Bildergalerie

Disc 3: Der Todesgriff des Shaolin
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 88:41
Bonus:
• Featurette: David Chiang – Elegant Trails (7:44)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (3:15)
• Bildergalerie

Disc 4: Das Grabmal des Shaolin
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 101:22
Bonus:
• Featurette: Chang Cheh – The Master (17:30)
• Interview: Chin Siu-Ho – The Baby Venom (19:59)
• Deutscher Original-Kinotrailer (2:41)
• Chinesischer DVD-Trailer (1:06)
• Bildergalerie

Disc 5: Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 90:14
Bonus:
• Interview: Anthony Carpio (9:56)
• Interview: Danny Lau (13:57)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (3:53)
• Bildergalerie

Begleitbuch: Das Buch des Gelben Tigers
Softcover, 122 Seiten, durchgehend farbig

Herzlichen Dank an KOCH MEDIA für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Bei Amazon zuschlagen: Shaw Brothers Box No. 1

Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

4 DVDs im Digipack, Koch Media

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Mr. Billion (1977)
Regie: Jonathan Kaplan

Auch die Engel essen Bohnen (1973)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Darsteller: Terence Hill, Bud Spencer, Giuliano Gemma, Ricardo Pizzuti, Jackie Gleason

Kult ist inzwischen zwar ein ziemlich abgegriffenes Prädikat, aber zu Bud Spencer und Terence Hill passt es nach wie vor wie Buddys Faust auf die Birne seiner Widersacher. Die ungebrochene Popularität spiegelt sich auch wider in einer schier unüberschaubare Menge an DVD-Veröffentlichungen, die aber leider nur allzu oft von bestenfalls durchwachsener Qualität ist.

Dies ist bei der vorliegenden Box aus dem Hause Koch Media zum Glück nicht der Fall. Das Label hat sich mit der hervorragenden technischen Umsetzung von Genrefilmen auf DVD und Blu-ray einen sehr guten Ruf verdient. Das hübsch gestaltete Digipack, mit ablösbarem FSK-Aufkleber, enthält zum einen die beiden bereits einzeln erschienenen Terence-Hill-Filme Verflucht, verdammt und Halleluja sowie Mr. Billion. Dazu gibt es exklusiv in dieser Box eine restaurierte Neuauflage des Bud-Spencer-Streifens Auch die Engel essen Bohnen, der zuvor bereits mehrfach von anderen Labels gekürzt und in grausiger Bildqualität erschienen ist. Eine weitere exklusive Zugabe ist eine Bonus-DVD mit insgesamt 30 deutschen Kinotrailern.

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)

Diese Westernkomödie bekam in der DDR den etwas aussagekräftigeren Titel Ein Gentleman im Wilden Westen. Joseph „Joe“ Moore (Hill) ist ein britisches Greenhorn aus gutem Hause – studiert, kultiviert, ein echter Waschlappen eben. Und das, obwohl sein Vater ein markiger Revolverheld im Wilden Westen war. Als dieser das Zeitliche segnet, lautet sein letzter Wille, seine Kameraden mögen endlich mal einen richtigen Kerl aus dem versnobten Sohnemann machen. Und so findet sich Joseph bei Antritt seiner Erbschaft in Gesellschaft von drei schießwütigen Gaunern wieder. Ihre Bemühungen, aus Joe einen anständigen Cowboy zu machen, scheinen zunächst zum Scheitern verurteilt. Bis sich Joe Hals über Kopf in die hübsche Candida (Yanti Somer) verliebt und schmerzhaft zu der Erkenntnis gelangt, dass er seinen zu allem entschlossenen Nebenbuhler Morten (Riccardo Pizzuti) nur mit schlagkräftigen Argumenten ausstechen kann.

Verflucht, verdammt und Halleluja ist ein großartiger Film, in dem Regisseur Enzo Barboni komödiantische auch einige melancholische Aspekte auf stimmige Weise vereint. Denn zu den witzigen Szenen, die sich aus dem Aufeinanderprallen der komplett unterschiedlichen Lebensweisen der Cowboys und des Briten ergeben, gesellt sich auch eine Prise Wehmut über die ihrem Ende zugehende Wildwest-Ära, wunderbar auf den Punkt gebracht in der letzten Einstellung des Films. Obwohl weniger bekannt als Mein Name ist Nobody, ist dies der deutlich stimmigere Film und einen echter Höhepunkt in Hills Filmografie.

Dieser schöne Film hat zum Glück eine würdige DVD-Umsetzung bekommen. Das etwas weiche, aber sehr klare Bild lässt die idyllischen Schauplätze des in Jugoslawien gedrehten Western gut zur Geltung kommen. Zum Ton in deutscher, englischer und italienischer Sprache gibt es deutsche Untertiteln. Im Bonusmaterial findet sich eine recht interessante Analyse des Filmhistorikers Antonio Bruschini. Das Herzstück ist aber das ausführliche Interview mit Ricardo Pizzuti, der markante Nebenrollen als Schurke in diversen Spencer/Hill-Filmen innehatte. Pizzuti erzählt extrem von sich selbst eingenommen bereitwillig über sich und seine Karriere. Allerdings ist er wohl auch sehr verbittert, denn er lässt kein gutes Haar an Bud und Terence, für deren Erfolg er sich maßgeblich verantwortlich sieht. Es mutet zwar etwas seltsam an, dass eine solche Abrechnung unwidersprochen auf einer Hill-DVD verewigt wurde. Aber es ist doch eine hochinteressante Zugabe, die zeigt, dass nicht alles im Spencer/Hill-Kosmos nur Spaß und heile Welt ist. Zwei Trailer und eine Bildergalerie runden das Paket ab.

Mr. Billion (1977)

Guido Falcone (Hill) ist ein bescheidener Automechaniker und Tagträumer mit einem Faible für klassische Hollywoodfilme. Als sein Onkel, ein schwerreicher Unternehmer, verstirbt, vermacht dieser ihm sein gesamtes Vermögen – eine Billion Dollar! Die einzige Bedingung: Guido muss rechtzeitig beim Firmensitz in San Francisco sein. Dem Aufsichtsrat der Firma schmeckt das Ganze natürlich gar nicht, und er setzt alles daran, den Italiener am Antritt seines Erbes zu hindern. Für Guido wird die unverhoffte Reise in sein Traumland USA damit zur turbulenten Hatz von Ost- zu Westküste.

Mit Mr. Billion wollte man den europäischen Superstar Terence Hill mittels einer Variation des Kassenschlagers Ein ausgekochtes Schlitzohr auf dem US-amerikanischen Markt etablieren. Und dieses Vorhaben ließ sich die 20th Century Fox auch durchaus etwas kosten, denn neben Hills charmantem Mimenspiel fährt der Film auch einiges an Schauwerten auf. Abgesehen von den zahlreichen Drehorten und den Zerstörungen, die zu einem Film dieser Art gehören, gefällt vor allem der dramatisch gefilmte Showdown in den Rocky Mountains. Was dem Film allerdings fehlt, ist die erforderliche Spritzigkeit, wodurch Mr. Billion dann leider doch ein über weite Strecken etwas zäher Streifen geworden ist.

Die DVD enthält den Film im originalen Kinoformat und bietet neben der deutschen Synchronfassung auch den englischen Originalton, zu dem es aber leider keine Untertitel gibt. Ein paar Extras gibt es auch noch, wobei neben zwei Trailern und einer Bildergalerie insbesondere die alte deutsche Super-8-Fassung ein Kuriosum darstellt, die den kompletten Film in einer Vierteilstunde zusammenfasst!

Auch die Engel essen Bohnen (1972)

New York in den 1930ern: Charlie Smith (Spencer) verdingt sich äußerst erfolgreich als maskierter Wrestler, während der verträumte Sonny (Guliano Gemma) als Tunichtgut in den Tag hinein lebt. Durch Zufall belauscht Sonny ein Gespräch zwischen der örtlichen Mafia und Charlie. Dieser soll auf Geheiß des Paten (Robert Middleton) seinen nächsten Kampf verlieren. Sonny wittert seine Chance und verwettet sein letztes Geld. Doch Charlie denkt nicht daran, seinen Kampf zu verlieren, und somit sind am Ende beide gemeinsam auf der Flucht. Um an Geld zu kommen beschließen sie, selbst bei der Mafia anzuheuern. Da niemand das Gesicht des Maskenmannes kennt, funktioniert dies sogar und kurze Zeit später streifen Charlie und Sonny als Schutzgeldeintreiber durchs Viertel. Dabei plagt sie jedoch schnell das Gewissen und sie zetteln stattdessen einen Bandenkrieg zwischen den Familien an …

Auch die Engel essen Bohnen gilt zu Recht als einer der besten Solofilme Spencers. Das Gangsterfilm-Setting ist stimmig, die Darstellerriege bestens aufgelegt und das Drehbuch vollbringt auch hier den Spagat zwischen dem typischen Humor und einigen nachdenklichen Szenen. Diese sind zwar teilweise etwas zu dick aufgetragen, heben den Film aber effektiv über schlichtes Klamauk-Niveau. Das offensichtlichste Manko des Films ist, dass es ein Spencer/Hill-Film ohne Hill ist. Allerdings ist Giuliano Gemma ein absolut sympathischer Schauspieler ist, der seine Sache ganz hervorragend macht, ohne dabei wie ein bemühter Terence-Klon zu wirken.

Die Veröffentlichungsgeschichte von Auch die Engel essen Bohnen ist eine ziemlich verwegene. Zur Erstaufführung straffte der deutsche Verleih die gut zweistündige italienische Originalfassung leicht um etwa drei Minuten. Richtig rabiat wurde man dann anlässlich der Wiederaufführung, wo der Film dann Der Dicke in Amerika hieß und um eine weitere halbe Stunde (!) gekürzt wurde. Eine alternative Filmfassung bekamen hingegen die Spanier, die den Film mitproduzierten: auch diese Version ist kürzer als die Originalfassung, enthält dafür aber einige zusätzliche Szenen der mitwirkenden spanischen Schauspieler.

Koch Media haben das einzig richtige gemacht und präsentieren den Film in der ungekürzten und restaurierten italienischen Originalfassung, wobei die Dialoge in den einstmals gekürzten drei Minuten untertitelt wurden. Die für die Handlung unwichtigen, aber für den Fan sicherlich interessanten Zusatzszenen der spanischen Fassung finden sich untertitelt im Bonusmaterial. Ebenso mit an Bord ist der gut zwanzigminütige erste Teil der vierteiligen Super-8-Fassung als Relikt aus der Heimkino-Steinzeit. Ebenfalls von Super 8 stammt der Trailer zur gekürzten Der Dicke in Amerika-Fassung, der schon beinahe bizarr ist, da er Giuliano Gemma komplett unterschlägt und ein völlig falsches Bild vom Film vermittelt. Eine Bildergalerie und den Vorspann in verschiedenen Sprachen gibt es zu guter Letzt auch noch.

Bonus-Disc: Terence Hill Trailer-DVD

Als besonderes Extra spendierte Koch der Box noch eine Bonus-DVD mit 30 deutschen Original-Kinotrailern zu Terence Hills Solofilmen und zu den Duo-Filmen mit Bud Spencer. Da kommt dann nochmal richtig Freude auf und der heimische Fernseher wird zum Bahnhofskino, wenn grelle Montagen und markige Sprüche von den neusten Spencer/Hill-Krachern künden, die es „demnächst in diesem Theater“ zu bestaunen gibt! Manche der Trailer sind hier zum ersten Mal auf DVD verewigt und es gibt die eine oder andere Kuriosität zu entdecken: So wird Terence Hill im Trailer zu Der Supercop von Colt Seavers‘ deutscher Stimme Hans Werner Bussinger gesprochen (im Film selbst tat das wie gehabt Thomas Danneberg), während in der Vorschau zu Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle zwar die vertrauten Stimmen von Hess und Danneberg zu hören sind, diese aber andere Sprüche bringen als im Film.

Fazit

Ein schönes Paket, das man hier mit dieser Box geboten bekommt. Alle drei DVDs wissen technisch zu überzeugen und die Trailer-DVD ist eine schöne Beigabe mit Ablach-Garantie. Das macht Lust auf mehr. Bleibt also zu hoffen, dass auf Box No. 1 auch eine No. 2 folgen wird. Dann wäre es schön, wenn auch mal ein Duo-Film von Koch aufpoliert würde. Und vielleicht erblicken ja tatsächlich mal die schon vor einem knappen Jahrzehnt von Rainer Brandt mit Thomas Danneberg synchronisierten Testfolgen von Don Matteo das Licht der DVD-Welt? Bisher sind diese ja lediglich im iTunes Store erschienen. Ich bin gespannt…

Technische Ausstattung:

DVD 1: Verflucht, verdammt und Halleluja
Bildformat: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial:
• Profession: Acrobat – Interview mit Ricardo Pizzuti (35:14)
• E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico – Filmanalyse von Filmhistoriker Antonio Bruschini (14:13)
• Deutscher Trailer (2:17)
• Amerikanischer Trailer (2:03)
• Bildergalerie

DVD 2: Mr. Billion
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen. Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: keine
Bonusmaterial:
• Super-8-Fassung (16:03)
• Deutscher Trailer (2:00)
• Amerikanischer Trailer (2:04)
• Bildergalerie

DVD 3: Auch die Engel essen Bohnen
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deusch (nur für die unsynchronisierten Stellen)
Bonusmaterial:
• Vorwort von Bud Spencer (1:10)
• Zusätzliche Szenen aus der spanischen Fassung (spanisch mit dt. Untertiteln 4:54)
• Teil 1 der Super-8-Fassung (20:58)
• Deutscher Trailer Auch die Engel essen Bohnen (3:27)
• Deutscher Trailer Der Dicke in Amerika (2:58)
• Alternative Vorspänne: Deutsch, englisch, spanisch, französisch
• Bildergalerie

DVD 4: Terence Hill Trailer-DVD
30 deutsche Original-Kinotrailer:
• Winnetou 2
• Unter Geiern
• Der Ölprinz
• Old Surehand
• Django und die Bande der Gehenkten
• Gott vergibt, Django nie (2 Trailer: ernste Fassung & Comedy-Fassung Zwei vom Affen gebissen)
• Die rechte und die linke Hand des Teufels
• Freibeuter der Meere
• Vier Fäuste für ein Halleluja (2 Trailer)
• Verflucht, verdammt und Halleluja
• Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle
• Mein Name ist Nobody
• Zwei wie Pech und Schwefel
• Zwei Missionare
• Nobody ist der Größte
• Zwei außer Rand und Band (2 Trailer)
• Marschier oder stirb
• Mr. Billion
• Zwei hau’n auf den Putz
• Zwei sind nicht zu bremsen
• Das Krokodil und sein Nilpferd
• Der Supercop
• Zwei bärenstarke Typen
• Vier Fäuste gegen Rio
• Die Miami-Cops
• Renegade
• Die Troublemaker

Herzlichen Dank an KOCH MEDIA für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Bei Amazon zuschlagen: Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1