Schoolgirl Apocalypse

Schoolgirl Apocalypse
Schoolgirl Apocalypse

Originaltitel: Sêrâ-fuku mokushiroku

Japan 2011

Buch und Regie: John Cairns

Darsteller: Higarino (Rino Higa), Mai Tsujimoto, Max MacKenzie, Kaoru Nishida, Asami Miyakawa

Laufzeit: 86 Minuten (DVD)
Bildformat: 1,78:1

Veröffentlichung: DVD von Midori Impuls (bereits erschienen)

Sakura führt ein beschauliches Dasein als Schülerin irgendwo im ländlichen Japan. Die Idylle findet ein jähes Ende, als ein schrilles Tonsignal unbekannten Ursprungs die männlichen Bewohner zu willenlosen Zombies werden lässt. Das seltsam-apathische Verhalten ihrer Lehrer und Mitschüler nimmt Sakura dabei zunächst nur irritiert zur Kenntnis. Doch spätestens als ihr Vater des Abends zähnefletschend über die Familie herfällt und ihre Mutter tötet, wird ihr bewusst, dass irgendetwas in ihrer Umgebung ganz fürchterlich schief läuft. Nur mit ihrem Sportbogen bewaffnet versucht sie sich in Sicherheit zu bringen.

Auf ihrer Flucht muß Sakura feststellen, dass das unheimliche Phänomen keineswegs lokal begrenzt ist, sondern die Männer flächendeckend der Zombiefizierung anheim gefallen sind. Als noch unberechenbarer als die Männer erweisen sich jedoch die Frauen, denen sie begegnet. Diese gehen jeweils auf ihre ganz eigene Weise mit der Apokalypse um und reagieren auf das Auftauchen des verwirrten Schulmädchens mal hilfsbereit, mal feindselig.

In ruhigen Minuten versucht Sakura, mit Hilfe in ihres Englisch-Schulbuchs den sie umgebenden Wahnsinn zu vergessen. Doch dann erscheint ihr der hübsche blonde Junge aus den naiven Illustrationen ihres Lehrbuchs im Traum und fleht sie eindringlich um ihre Hilfe an. Sakura wird klar, dass sie selbst aktiv werden und den Kampf gegen die Quelle der unheimliche Bedrohung aufnehmen muß.

Der knackig-prägnante Titel lässt eher ein grelles Exploitation-Spektakel vermuten. Tatsächlich ist Schoolgirl Apocalypse aber weit entfernt von Fun-Splatter und Schulmädchen-Fetisch. Dass es durchaus blutig wird, versteht sich bei der Kombination Heldin mit Bogen gegen untote Angreifer natürlich von selbst. Doch linst die Kamera dem Mädchen auch im wilden Gefechtsgetümmel nie unter den Rock. Vielmehr nimmt der Film seine Hauptfigur bei aller Naivität ernst und baut eine beunruhigende Atmosphäre auf, die sich immer weiter steigert, je näher Sakura der finalen Konfrontation kommt.

In seiner unkonventionellen Machart ist Schoolgirl Apocalypse aber auch ein Film, auf den man sich als Zuschauer einlassen muss. So sind die animierten Traumsequenzen, in denen Sakura dem Jungen aus ihrem Englischbuch begegnet, schon ziemlich schräg und sicherlich nicht jedermanns Sache, ebenso wie das bizarre Finale. Auch verzichtet der Film darauf, alles zu erklären oder dem Zuseher seine Botschaft aufs Auge zu drücken. Wie die verunsicherte Hauptdarstellerin selbst wird man über das „Warum“ hinter den Ereignissen im Dunkeln gelassen und kann sich selbst seinen Reim auf das Geschehen machen. Das notwendige Maß an Offenheit vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse somit als stimmungsvoller und interessanter kleiner Independent-Film, der nicht schon fünf Minuten nach dem Ende vergessen ist.

Interessanterweise steht hinter diesem durch und durch japanisch wirkenden Film mit John Cairns ein amerikanischer Regisseur. Cairns ist mit einer Japanerin verheiratet und lebt bereits seit über 15 Jahren in Japan. Dort verbrachte er einige Jahre auf dem Land, wo er als Englischlehrer arbeitete. Die japanischen Schülerinnen machte auf ihn einen unheimlich naiven Eindruck, was ihn zur Grundidee des Films veranlasste: wie würden sich diese unselbstständigen Mädchen wohl im Angesicht der Apokalypse verhalten? Auch die Traumsequenzen wurde von der Realität inspiriert, sie basieren auf den kitschigen Illustrationen der japanischen Lehrbücher für Mädchen.

Bei den Arbeiten am Skript zog Comic-Fan Cairnes auch den Horror-Manga-Altmeister Kazuo Umezu zu Rate. Umezu hatte bereits Anfang der 70er-Jahre in dem populären Manga Hyōryū Kyōshitsu die Abenteuer eine Gruppe Schüler in einer endzeitlichen Zukunftswelt geschildert und gab Cairnes Tipps für die Erzählung seiner Geschichte. Der Film entstand schließlich innerhalb von nur knapp zwei Wochen mit einem überschaubaren Budget. Cairns hat dies recht gut kaschieren können, indem er sein Skript entschlackte und viel Mühe darauf verwendete, stimmige Locations (ländliche Idylle, verfallene Gebäude und Japan-typisch natürlich das Meer) und überzeugende Schauspieler zu finden. Unter den Darstellern sticht besonders die Hauptdarstellerin hervor: Sakura wird von Rino Higa (Higarino) gespielt, die als sogenanntes Gravure-Model zum Drehzeitpunkt zwar kein unbeschriebenes Blatt mehr war, aber die Verkörperung des unbedarften Schulmädchens perfekt beherrscht. Die Zombie-Effekte sind gelungen, lediglich im Showdown stechen einige etwas simpel geratene CGI-Animationen hervor, die zum Glück aber ziemlich kurz gehalten wurden.

Das notwendige Maß an Offenheit insbesondere für die schrägen Animationssequenzen vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse als stimmungsvoller kleiner Independent-Film, der dem Thema „Schulmädchen gegen Zombies“ ein interessantes Coming-Of-Age-Element hinzufügt. Die sympathische Darstellerriege und die Reduktion der Inszenierung auf das Wesentliche kaschieren geschickt das geringe Budget, so dass man dem Film seine kostengünstige Realisierung zwar ansieht, er aber nie im negativen Sinne billig wirkt. Der Verzicht auf allzu viel Erklärung sorgt zudem dafür, dass Schoolgirl Apocalypse nicht schon fünf Minuten nach seinem Ende vergessen ist.

Schoolgirl Apocalypse DVDs

Schoolgirl Apocalypse feierte seine europäische Premiere im Rahmen des 2012er Japan Film Festivals in Hamburg (JFFH) und wurde kürzlich vom jungen deutschen Label Midori Impuls auf DVD veröffentlicht. Bild und Ton sind tadellos, hinzu gesellen sich einige willkommene Bonusfeatures, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Film und den Menschen dahinter einladen. Ein besonderes Extra hat Regisseur John Cairns speziell für den deutschen Markt produziert: Begleitet von witzigen Animationen berichtet er von der Premiere in Hamburg und gibt zwei höchst amüsante Anekdoten aus dem Festivalkino zum Besten. Die Veröffentlichung ist in fünf limitierten Hartboxen erschienen, deren Cover zum einen das offizielle Kinoplakat, zum anderen eigens von verschiedene Künstlern entworfene Motive zieren.

Ausstattung der DVD:
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Sprache: Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial mit dt. Untertiteln:
• Vierteiliges Making Of: Location Hunting Horrors, Found Footage, Kyudo Training, Monsters & Idols
• Interview mit John Cairns (Buch & Regie)
• Interview mit Higarino (Hauptdarstellerin)
• Special Report: Japan Film Festival Hamburg
• 2 Trailer
• Trailershow des Anbieters

Zu kaufen in diversen Online-Shops, die Hartboxen im Programm haben, z.B.:
OFDB Shop
Medienversand.at

oder direkt bei Midori Impuls in Hamburg:
midori.impuls@gmail.com

Herzlichen Dank an MIDORI IMPULS für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

The Raid

The Raid
The Raid

Originaltitel: Serbuan maut

Indonesien 2011

Regie, Buch und Schnitt: Gareth Evans

Darsteller: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah, Yayan Ruhian, Pierre Gruno, Tegar Setrya, Ray Sahetapy

Laufzeit: 101 Minuten (Kino)
Bildformat: 1:1,78

Kinostart: 12.07.2012

Mit THE RAID melden sich zwei alte Bekannte zurück: Der walisische Regisseur Gareth Evans und sein indonesischer Hauptdarsteller Iko Uwais. Mit ihrem zwar nicht wirklich bahnbrechenden, aber immerhin knochenbrechenden Erstlingswerk MERANTAU (Review) schufen sie einen Film, der einiges an Potential erkennen ließ und Neugier weckte auf weitere Filme aus Indonesien. Lange Zeit war es still, und dann plötzlich war THE RAID in aller Munde. Mit immer neuen, spektakulären Ausschnitten und Teasern wurde ein riesiger Internet-Hype angefacht, und Filmfans in aller Welt fieberten dem sich ankündigenden Spektakel entgegen. Derzeit läuft THE RAID in den deutschen Kinos.

In einem heruntergekommenen Viertel Jakartas liegt ein riesiger Wohnkomplex, in dem der skrupellose Gangsterboss Tama Riyadi seine Machtzentrale eingerichtet hat. Die übrigen Bewohner setzen sich zusammen aus seinen Handlangern und diversen zwielichtigen, von der Gesellschaft ausgestoßenen Gestalten auf der Flucht vor dem Gesetz. Weder der Staatsmacht noch den verfeindeten Syndikaten ist es bislang gelungen, das Gebäude einzunehmen und zu Tama Riyadi vorzudringen.

Das soll sich nun ändern. Eine Spezialeinheit der Polizei erhält den konspirativ vorbereiteten Auftrag zur Erstürmung des Hochhauses. Einer von ihnen ist Rama (Iko Uwais), ein junger Polizist und angehender Vater. Nachdem er und seine Kollegen in einem knappen Briefing mit den wenigen bekannten Fakten über die Drahtzieher und ihre Machenschaften versorgt wurden, beginnen sie im Morgengrauen unter der Führung von Sergeant Jaka und dem erfahrenen Lieutenant Wahyu den Sturm auf das Gebäude.

Zunächst läuft alles nach Plan und die schwerbewaffnete Truppe arbeitet sich Zimmer für Zimmer und Stockwerk um Stockwerk nach oben. Doch als Späher auftauchen und der erste Schuss fällt, bricht die Hölle über die Männer herein. Sie sitzen in dem unübersichtlichen und durch Kameras überwachten Haus in der Falle und werden von allen Seiten gnadenlos von den Schergen Tamas angegriffen und dezimiert. Dabei kommt von Schusswaffen und Macheten bis hin zu Fäusten und Knien alles zum Einsatz, was die Gesetzlosen an Waffen aufbieten können.

Soweit die überschaubare Ausgangssituation für die großangelegte Actionorgie, die den überwiegenden Teil der Laufzeit von THE RAID in Beschlag nimmt. Natürlich ist die Kommandoaktion von offizieller Seite her nicht autorisiert und gibt es keine Verstärkung. Natürlich verfolgt der befehlshabende Lieutenant eigene Ziele. Und natürlich hat auch Protagonist Rama noch etwas in privater Sache in dem Gebäude zu erledigen.

Actionfilme aus Asien haben wir im Fahrwasser von ONG BAK in den letzten Jahren so einige gesehen. Was THE RAID vor allem auszeichnet ist, dass sich der Film ernst nimmt und völlig auf grellen Humor und dick aufgetragenen Kitsch verzichtet. Zwei für asiatische Filme geradezu typische Komponenten die dazu führten, dass zahlreiche Streifen trotz vorhandener filmischer Finesse stets ein stückweit in die Trash-Ecke gedrängt und vom breiten Publikum nicht wirklich für voll genommen wurden. Die Macher von THE RAID machen stattdessen aus der aufs Wesentliche reduzierten Handlung eine Tugend: dadurch, dass der Zuschauer kaum mehr weiß als die Mitglieder der Spezialeinheit, ist der Film von der ersten Minute an ungemein packend und schafft es durch den Verzicht auf unnötigen Ballast, seine Spannung über die gesamte Laufzeit konsequent aufrecht zu erhalten.

Herzstück des Films sind die zahlreichen Kampfszenen, die sich in den klaustrophobischen Räumlichkeiten des abgewrackten Gebäudekomplexes entspinnen. Hier beweisen die indonesischen Kampfsport-Akrobaten eindrucksvoll, dass sie keine Vergleiche scheuen müssen. Die Fights sind knüppelhart, rasant und ausschweifend inszeniert. Gekämpft wird mit allem, was das Arsenal der Gesetzlosen hergibt oder was gerade zur Hand ist. Die Akrobatik wirkt dabei nicht aufgesetzt nach dem Motto “wir haben zwar Schusswaffen, aber erstmal wird geprügelt”, sondern ist glaubwürdig in die Kämpfe integriert.

Die Schauspieler machen ihr Sache gut, werden aber über die Action hinaus auch nicht wirklich gefordert. Hauptdarsteller Iko Uwas ist ein sympathischer Typ, und auch wenn ihm etwas das Charisma eines Jet Li oder Tony Jaa abgeht, würde ich ihn gerne wiedersehen. Auch vom Rest der Action-Crew werden wir zukünftig hoffentlich noch einiges hören und sehen. Der Soundtrack wurde auf bestreben von Sony Pictures für die internationale Auswertung von Mike Shinoda (Linkin Park) and Joseph Trapanese überarbeitet. Dieser Schachzug sorgte im Vorfeld für einige Kritik, letztendlich fügt sich der moderne und treibende Score aber passend in den Film ein und wirkt keineswegs deplatziert. Trotzdem ist zu hoffen, dass der originale Soundtrack zumindest auf den Heimkinoveröffentlichungen mitenthalten sein wird.

Wer auf atemberaubende, handgemachte Action steht, sollte sich THE RAID keinesfalls entgehen lassen. Und da es der Film dank Koch Media in die deutschen Kinos geschafft hat, kann man ihn hierzulande derzeit sogar auf der großen Leinwand genießen.

The Zero Hour

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The Zero Hour

Original: La Hora Cero
Venezuela 2010
101 Minuten, 1,85:1
Regie: Diego Velasco
Buch: Diego Velasco, Carolina Paiz
Kamera: Luis Otero
Musik: Freddy Sheinfeld, Gabriel Velasco

Darsteller: Zapata 666, Amanda Key, Erich Wildpret, Laureano Olivares, Marisa Román, Albi De Abreu, Alejandro Furth, Steve Wilcox


Venezuela. Parca (Zapata 666) ist ein knallharter Auftragskiller. Während eines Auftrags begegnet er seiner hochschwangeren Jugendliebe Ladydi (Amanda Key) – und die wurde auch noch angeschossen. Kurzentschlossen schnappt er sich die junge Frau, um sie von einem Arzt behandeln zu lassen. Doch zu allem Überfluss befindet sich das Land gerade in einem großen Ärztestreik und im nächstgelegenen staatlichen Krankenhaus ist man nicht in der Lage, die schwerverletzte Frau medizinisch zu versorgen. Zusammen mit seiner schwerbewaffneten Gang stürmt Parca daraufhin eine noble Privatklinik und nimmt Patienten und Ärzte als Geiseln, um Ladydis und das Leben ihres Kindes zu retten. Um seine Interessen durchzusetzen ist ihm jedes Mittel Recht: Parca arbeitet mit der Presse zusammen und inszeniert sich als eine Art Robin Hood, indem er allen Mitmenschen ärztliche Versorgung zusagt. Mit einer Pistole am Schädel vergessen die Ärzte sehr schnell, dass sie sich gerade im Streik befinden. Währenddessen soll ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Lage unter Kontrolle bringen. Mit einem Austausch von Geiseln sollen heimlich bewaffnete Polizisten eingeschleust werden.

Als einer der erfolgreichsten Filme Venezuelas punktet Diego Velascos Spielfilm-Regiedebüt mit einer Prise Exotenbonus. Von Beginn an wird klar, dass man es hier nicht mit einem typischen Direct-to-Video-Klopper zu tun hat, sondern ein Filmemacher mit Anspruch am Werke ist. Leider ist genau das auch das Problem des Films: Velasco will einfach zu viel. Die Handlung springt munter zwischen Action-Thriller, Ghetto-Film und Krankenhaus-Melodrama, und weckt Erinnerungen an JOHN Q (2002) mit Denzel Washington. Leider fehlt THE ZERO HOUR aber eine die Hauptfigur, die ähnlich facettenreich dargestellt wird. Der Hip-Hop-Künstler Zapata 666 gibt sich hier jede Mühe den Film zu tragen, seine Figur jedoch stößt durch die immer wieder aufkommenden Gewaltausbrüche mehr ab, als dass sie zum Mitfiebern einlädt. Auch fehlen dem Film ein paar interessante Plot-Twists, die die Laufzeit von 101 Minuten versüßen. Lediglich das Finale bietet noch eine kleine Überraschung. Schade, denn gerade der Anfang macht Richtig Laune und die Optik erinnert bisweilen an CITY OF GOD (2002). Vielleicht ist ja der nächste Film von Diego Velasco etwas besser ausbalanciert, ich würde es ihm zutrauen.

Die Blu-ray Disc von Senator Home Entertainment gibt den Film in ordentlicher technischer Qualität wieder. Das Bild ist scharf und bringt den Film mit überzeugenden Farbwerten auf die Mattscheibe. Lediglich bei einigen Actionszenen zeigen sich Unschärfen, was aber wohl durch die Zeitraffer-Effekte der Post-Production bedingt sein dürfte und keinen Fehler der Disc darstellt. Der Ton liegt in Deutsch und Spanisch vor, jedoch gibt es leider keine Untertitel. Man muss also schon des lateinamerikanischen Spanisch mächtig sein, um dem Geschehen im O-Ton folgen zu können, da viele Slang-Ausdrücke verwendet werden. Die Synchro gibt sich redlich Mühe, den Ghetto-Slang entsprechend rüberzubringen, klingt aber reichlich steril und liegt topfig auf. Wirklich schade, dass es keine Untertitel zum Film gibt. In Sachen Extras herrscht leider ebenfalls Fehlanzeige.

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Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat bei TLS die Gelegenheit: In Zusammenarbeit mit Senator Home Entertainment verlosen wir 2 Blu-ray Discs von „The Zero Hour“. Die Gewinnfrage: Wie lautet der Name des Schauspielers, der als John Quincy Archibald durch eine Geiselnahme im Krankenhaus die Operation seines herzkranken Sohns erzwingen will? Antwort bis zum 25.07. per Mail an: gewinnspiel[AT]thelongestsite.de
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Fighting Beat 2

Merantau-2009

Fighting Beat 2

Originaltitel: Du Suay Dua
aka. Raging Phoenix

Thailand 2009
112 Minuten (Kino/24 fps), 109 Min. (PAL), 1,78:1
Regie: Rashane Limtrakul
Produzenten: Panna Rittikrai & Prachya Pinkaew
Action-Choreographie: Panna Rittikrai

Darsteller: Jeeja Yanin, Kazu Patrick Tang, Nui Saendaeng, Sompong Lertwimonkaisom, Boonprasayrit Salangam, David Bueno, Marc Hoang, Roongtawan Jindasing

Es ist wieder Thai-Action angesagt. Zwar ließen nach dem riesigen Erfolg von Ong Bak verschiedenste asiatische Länder von Vietnam bis Indonesien bisweilen beeindruckende Kampfsport-Spektakel auf die Martial-Arts-Fangemeinde los, doch das Gros des Knochenbrecher-Outputs ist nach wie vor fest in thailändischer Hand.

Und man lässt sich was einfallen: Eine knallige Mischung aus Kampfsport und Streetdance verspricht man dem Zuschauer diesmal. Das klingt erstmal seltsam, Actionfilme sind Männerfilme und Tanzfilme so ziemlich das genaue Gegenteil, oder? Allerdings, die Faszination der fernöstlichen Actionkost liegt seit jeher in der perfekten Choreographie, seien es die Kapriolen von Jackie Chan oder das John Woo’sche – da haben wir’s – Kugelballett. Also unbefangen ran ans Werk …

Die junge Musikerin Dew (Jeeja Yanin aus Chocolate), einsam und voller Trauer nach dem Tod ihres Vaters, gerät in die Fänge von Kidnappern, wird jedoch von einem Kämpfer namens Sanim (Kazu Patrick Tang) spektakulär befreit und in dessen Gang aufgenommen. Diese haben einen eigenen Kampfstil namens Meyraiyuth entwickelt, der nur von wenigen verbitterten Außenseitern erfolgreich erlernt werden kann, da er seine durchschlagende Kraft sich aus exzessivem Alkoholkonsum sowie einer gehörigen Portion Weltschmerz entwickelt.

Dew erfährt, dass hinter dem mysteriösen Kidnapping-Versuch ein skrupelloser Menschenhändlerring unter der Führung von Jaguar (Roongtawan Jindasing) steckt. Dieser hat es gezielt auf junge Mädchen mit einer genetischen Besonderheit abgesehen hat, aus deren Tränen ein besonders anregendes Pafüm extrahiert wird, das einem zahlungkräftigen Klientel zum Lustgewinn dient. Einmal in der hohen Kunst des Knochebrechens geschult, macht sie sich daran, diesem schändlichen Treiben schlagkräftig Einhalt zu gebieten.

Eines dürfte schon nach dieser knappen Inhaltsangabe klar sein: Story und Dramaturgie geben reichlich Anlaß zum Kopfschütteln bzw. zu dem, was im neumodischen Internet-Jargon knapp als Facepalm bezeichnet wird. Der Film beginnt zunächst komödiantisch, schlägt dann ernsthaftere Töne an, was aber von eingetreuten Slapstick-Einlagen und kruden Storyelementen erfolgreich untergraben wird. Dass ausufernder Alkoholkonsum bei seelischen Problemen Stärke verleiht, wissen wir ja schon seit Drunken Master. Mutig, das in Zeiten allgegenwärtiger Political Correctness heute noch zu bringen. Noch mutiger, das dann auch noch mit Süskinds Das Parfüm zu kreuzen.

Ich hatte meinen Spaß. Fighting Beat 2 ist ein wirklich unterhaltsamer und im wahrsten Sinne des Wortes sehenswerter Film. Man merkt ihm sein begrenztes Budget an, aber die Macher haben in diesem Fall aus der Not eine Tugend gemacht. Es wurde wirklich alles aus den Schauplätzen rausgeholt, indem man sie komplett durchgestylt, mit Unmengen knallbunter Dekoration ausstaffiert und aus verwegenen Kamerawinkeln fotografiert hat. Das wirkt bisweilen sicherlich etwas trashig, passt aber ganz hervorragend zu ohnehin nicht immer ganz ernstzunehmenden Story und den schillernden Charakteren.

Auch die Kampfszenen sind zahl- und abwechslungsreich und enttäuschen nicht. Natürlich ist auch hier Style statt Effizienz angesagt, erhalten Akrobatik und Wirework den Vorzug gegenüber bodenständiger Schlägerei. Jeeja Yanin ist nicht nur eine ganz Süße, sie versteht zudem ihr Hand(kanten)werk und auch ihre Partner in diesem Film wurden wohl hauptsächlich aufgrund ihrer sportlichen Fähigkeiten ausgewählt.

Ach so, war da nicht was mit Streetdance? Alles halb so wild. Tatsächlich gibt es zu Beginn einige Szenen mit Breakdance-Artigen Moves und Hip-Hop Musik. Dies entpuppt sich als wenig störend und es scheint, als wäre dieser Ansatz im Laufe des Drehs wieder verworfen worden. Der deutsche Titel suggeriert einen Zusammenhang mit dem Thai-Actioner Fighting Beat von 2007, tatsächlich besteht zwischen den Filmen keine Verbindung. Der Export-Titel, unter dem der Film international erschienen ist, lautet „Raging Phoenix“.

Fighting Beat 2 Blu-Ray Disc CoverDie deutsche DVD und Blu-Ray Disc von Fighting Beat 2 sind ab dem 14. Januar 2011 im Handel erhältlich. Beide Medien enthalten die deutsche Synchronfassung sowie thailändischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Als Bonusmaterial sind B-Roll Footage, Interviews und Trailer aufgespielt.

Achtung: Laut Sunfilm wird der Film sowohl in zwei Fassungen erscheinen, einmal freigegeben ab 18 und zudem in einer rund 2 Minuten gekürzten Version mit dem blauen FSK 16 Siegel!

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Centurion

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Centurion

Original: Centurion

England 2010
93 Minuten (Int. Cut), 130 Min. (Dir.Cut Finland? laut IMDB), 2,35:1
Regie: Neil Marshall
Buch:Neil Marshall
Kamera: Sam Mc Curdy
Musik: Ilan Eshkeri
Kostüme:Keith Madden

Darsteller:Michael Fassbender, Olga Kurylenko, Dominic West, Noel Clarke, David Morrissey, J.J. Feild, Rizwan Ahmed, Liam Cunningham, Imogen Poots, Axelle Carolyn, Riz Ahmed, Dave Legeno


Im Jahr 117n.Chr kämpft der Römer Quintus Dias in Britannien gegen eine scheinbare Übermacht der Pikten. In einem bitteren Guerillakrieg mitten in den Nordischen Wäldern verliert er seine Schlacht und wird gefangen genommen als einziger Überlebender der Legion. Gefoltert und geschändet lassen ihm seine Peiniger eine Chance, sie lassen ihn laufen um Jagd auf ihn zu machen, durch einen Zufall kann sein Leben gerettet werden. Fortan marschiert er mit General Virilus nordwärts um diesen Stamm, samt seines Führers niederzumetzeln. Aber es kommt anders als geplant. Bevor sich Quintus versieht ist er wieder auf der flucht, aber diesmal steht er nicht alleine im Wald. Eine bittere Verfolgungsjagd durch die Wälder beginnt.

Sagen wir es mal so, Neil Marshall bleibt sich treu, wer seine Filme kennt wird sich nach DOOMSDAY nicht wundern das er mit CENTURION ein Monumentalfilm abliefert der jetzt komplett in der Vergangenheit spielt, und nicht wie in DOOMSDAY eine Art Stilbruch hervor ruft. Mit CENTURION hat er sich seinen Wunsch einen Sandalenfilm zu machen anscheinend erfüllt. Wirkte es in DOOMSDAY noch arg aufgesetzt und passte nicht wirklich ins Konzept, kann sich Marshall bei CENTURION auf das Genre konzentrieren.

Ein bemerkenswerter Cast. Absolut vorbildlich spielt hier Michael Fassbender (EDEN LAKE), der als Quintus Dias seinen Mann steht und seinem Job als tapferer Soldat alle Ehre macht. Olga Kurylenko, als betörende Amazone, zeigt den Männern mal wo der Hammer hängt und mischt die Bande ganz schön auf. Nie waren Frauen kompromissloser und zeigten soviel Desinteresse an den üblichen Klischees, weit entfernt von Model und Overstyle-Chicks wie sie aus vielen andern Hollywood Produktionen bekannt sind. In CENTURION wird gekämpft, und zwar ohne CGI-Hintergrund oder Orange-Braune Bildfilter. Hier geht’s in den Wald und der ist dreckig und real, Neil Marshall zeigt eine Wunderschöne Landschaft die ihres gleichen sucht, keine verpfuschten oder beschönigten Landschaften wo man auf den ersten Blick sieht das es per Computer erweitert oder Verschlimmbessert wurde. Der Zuschauer bekommt buchstäblich den Eindruck mitten im Wald zu sein, mitreißende Helikopter aufnahmen über den Wäldern ,Klippen und Wasserfällen. Wir befinden uns auf der Flucht mit unseren Römischen Helden, Neil Marshall nimmt einem mit auf die wilde Verfolgungsjagd quer durch die Wälder des Nordens, und fesselt über die gesamte Länge des Films an den Kinosessel .

Bei Marshalls CENTURION geht es nicht um Gut und Böse, und auch nicht darum Hassfiguren zu kreieren. Hier geht es um den bitteren Überlebenskampf. Marshall lässt Schwerter schwingen, Köpfe spalten, Pfeile durch Kehlen fliegen und macht das auf eine ganz besonders „natürliche“ Art, nie übertrieben so dass das ganze zu einer Gorebauern-Party ausarten könnte. Aber so ganz auf CGI wird dann leider doch nicht verzichtet, denn hier und da gibt es CGI- Blut Spritzer zu sehen, die im Eifer des Gefechts Gott sei Dank  nicht besonders störend auffallen. Die Dosierung ist gut gelungen und das Gleichgewicht zwischen Make-up und den CGI Effekten kann überzeugen -schöner wäre es zwar gewesen komplett auf Make-up Effekte zusetzten, aber man kann ja nun nicht alles haben.

CENTURION überrascht nicht mit einer komplexen Geschichte, diese ist schnell erzählt und gerät dann auch schnell zur Nebensächlichkeit. Neil Marshall setzt hier gekonnt weiter auf den Entertainment Faktor: “Blut, Action, Verfolgungsjagden und tolle Landschaftsaufnahmen“. Lässt sich zeit für seine Charaktere und zeigt uns eine wilde Jagd die leider schon nach 93 Minuten ihr Ende findet. “Back to Nature” und “Fight or Die” ist der Slogan von CENTURION, dieser Film gehört auf die große Leinwand – wer die Chance hat sollte diese nutzen und ins Kino gehen.

Merantau – Meister des Silat

Merantau-2009

Merantau – Meister des Silat

Original: Merantau

Indonesien 2009
107 Minuten (Int. Cut, PAL), 134 Min. (Dir. Cut, PAL), 1,78:1
Regie: Gareth Evans
Buch: Gareth Evans, Daiwanne Ralie
Kamera: Matt Flannery
Musik: Fajar Yuskemal Tamin, Aria prayogi
Action-Choreographie: Edwel Datuk rajo gampo alam & Team Silat Harimau

Darsteller: Iko Uwais, Sisca Jessica, Christine Hakim, Donny Alamsyah, Yusuf Aulia, Laurent Buson, Alex, Abbad, Mads Koudal, Ratna Galih, Yayan Ruhian

MERANTAU soll der neuste Nonstop Actioner aus Asien sein, genauer gesagt diesmal aus Indonesien. Moment mal, zählen wir mal zusammen was wir da auf der Liste schon hätten: Südkorea, Hongkong Kong, Japan, Philippinen, Vietnam, China und natürlich Thailand. Alle diese Länder hatten schon ihren mehr oder weniger Non-Stop-Actioner, logisch das jetzt jedes andere Land auch was von dem leckeren und viel versprechenden Kuchen haben möchte. Denn richtige Handkanten Action ist im Mainstream-Kino schließlich Mangelware geworden. Beworben wird MERANTAU, der ganz frisch auf UK-DVD erschienen ist, mit folgenden Spruch auf dem dem Cover: ALL NEW STAR, ALL NEW MOVES, ALL NEW ACTION – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen…

Kommen wir an dieser stelle erst mal zu Story von MERANTAU. Minangkabau bei West Sumatra, Yuda (Iko Uwais) beim täglichen Training, bereitet sich in seinem Dorf auf sein MERANTAU vor, eine Tradition die seit vielen Jahren von den männlichen Dorfbewohnern vollzogen wird. Sie werden losgeschickt um eine eigene Existenz zu Gründen und so zum Mann zu werden. Vielleicht vergleichbar mit folgender Weisheit im Westen: ein Mann muss einen Baum Pflanzen, ein Haus bauen, und ein Kind zeugen – erst dann ist er ein Mann. Yuda packt also seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg nach Jakarta, wo er eine Kampfschule eröffnen möchte. Doch alles kommt anders als geplant, er trifft auf Astri, die in den Fängen von einem Mädchenschmugglerring geraten ist. Klar das Yuda da nicht einfach zusehen wird und Astri sofort unter die Arme greift.

MERANTAU bemüht sich anfangs noch, seine Story zu erzählen und die Charaktere einzuführen. Was aber nach einer guten halben Stunde schnell vergessen scheint, dreimal dürft ihr raten: die Story! -Wen wundert’s aber auch? Auf der UK-DVD befindet sich der Internationale Cut, der fast 30 Minuten kürzer läuft als der ursprüngliche indonesische Cut. Dieser ist mir nicht bekannt, aber da ich nicht unbedingt davon ausgehe, dass 30 Minuten Action heraus genommen wurden, ist es vielleicht die richtige Entscheidung gewesen, die Lauflänge auf 107 Min. einzudampfen.Die Geschichte um Yuda und Astri gibt einfach nicht mehr her. MERANTAU will ein Actionfilm sein, und die Action bekommt man im internationalen Cut auch genug zusehen. Wenn nach einer halben Stunde die erste Klopperei über den Bildschirm flimmert atmet der Fan auf und wird ab dann auch nicht mehr losgelassen. Kommen wir zu dem Covertext: „ALL NEW STAR“, Iko Uwais also, der neue Mann am Martial Arts Himmel? Nachdem Tony Jaa sich nach ONG BAK 3 laut Presseberichten (mal wieder) auf einen Selbstfindungstrip ins Kloster gemacht hat, könnte dieser Slogan sogar zutreffen. Das nötige Aussehen und die Kunst sich zu bewegen und zu Kämpfen bringt Iko Uwais sicherlich mit. Was seine schauspielerische Leistung anbelangt, diese geht von traurig bis grimmig und wieder zurück, die weiß genau so zu überzeugen, wie bei seinen Kollegen Tony Jaa und Konsorten. Also zu vernachlässigen, wir wollen auch Action sehen, nicht wahr?

„ALL NEW MOVES“, das ist schwierig – wer Tony Jaas Karriere verfolgt hat, und auch gerne mal Martial-Arts Filme aus Asien schaut, hat schon einen breiten Horizont in diesem Bereich und wird sich nicht automatisch bei gelungen Aktionen von Yuda vor Freude in die Hose lullern. MERANTAU bittet nicht viele neue Moves, aber einige tolle Aktionen sind schon dabei. Ob diese aber im Langzeitgedächtnis hängen bleiben, hängt wahrscheinlich vom Betrachter und dessen Martial-Arts Konsum ab. Mich hat Iko Uwais in seiner Performance zwar überzeugt, aber neue Tricks konnte er mir nicht zeigen.

„ALL NEW ACTION“, die Choreographie der einzelnen Szenen kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Die eine mehr innovativ als die andere. Hier und da mit ‚Wire-Technik‘ und in der nächsten Szene mal ohne. Eine tolle Szene ohne Cut, wie wir sie aus TOM YUM GOONG kennen, gibt es natürlich auch zu bewundern. Ansonsten sind die üblichen Stürze von Gebäuden, die uns zusammen zucken lassen, und ein wenig Blut, dass durch die Gegend spritzt mit von der Partie. Alles im Allem ein gelungener Cocktail, der zwar nicht viel anders schmeckt als seine Mitstreiter aber durchaus eine eigene Nuance durchblitzen lässt.

Bleibt hinzuzufügen, „ALL NEW BUT NOTHING DIFFERENT“.

merantau-dvd-art-3dNachtrag (19. Oktober 2010):

Am 3. Dezember 2010 erscheint der Film als „Merantau – Meister des Silat“ in Deutschland über Sunfilm auf DVD und Blu Ray Disc. Diese enthalten die internationale Schnittfassung, die von der FSK ungekürzt ab 18 freigegeben wurde.
Neben der deutschen Synchronfassung werden sich die indonesische Originaltonspur mit deutschen Untertiteln, eine Making-Of- Featurette sowie Deleted Scenes auf den Discs befinden.

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Zwei tolle Hunde in Hongkong

tollehunde_plakatZwei tolle Hunde in Hongkong

Originaltitel: Ming, Ragazzi!

Italien 1973
104 Minuten (Kino), 2.35:1
Kinostart: 31. Januar 1974 (Deutschland)

Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Darsteller: Fred Harris, Tom Scott, Jolina Mitchell, George Wang, Luciano Pigozzi (als Alan Collins), Chai Lee, Sue Chang

Percival (Fred Harris) und Dino (Tom Scott) sind ein ungleiches Duo, das sich regelmäßig in den haarsträubendsten Situationen wiederfindet. Schuld daran ist neben der Respektlosigkeit des schlitzohrigen Dino meist die ungestüme Art des bulligen Percy, der seine Kräfte einfach nicht unter Kontrolle hat. Nachdem er trotz guter Absichten die Baustelle in Schutt und Asche gelegt hat, auf der die beiden in Sidney ihre Brötchen verdienen, stehen sie auf der Straße und geraten prompt in die nächste Konfrontation: In einem Lokal nehmen sie ein randalierendes Football-Team auseinander.

Damit erregen sie die Aufmerksamkeit des chinesischen Inhabers, der das schlagkräftige Duo bittet, in Hongkong seinen Sohn aus den Händen seiner Ex-Frau und ihres neuen Gatten Hung Lo rauszuhauen. Dino und Percy lehnen zunächst ab, doch angesichts eines Angebotes über 100.000 Dollar lösen sie schließlich doch das Flugticket nach Asien. Dort werden sie nicht nur von einer Vielzahl mehr oder minder fähiger Häscher Hung Los in Empfang genommen, sondern lassen sich die Köpfe auch noch von zwei hübschen Chinesinnen verdrehen.

An einen Film wie diesen kann man eigentlich nur mit den niedrigsten Erwartungen herantreten. Denn eine dreiste Bud Spencer und Terence Hill Kopie, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Natürlich ist dies auch im vorliegenden Fall bei den Abenteuern der „tollen Hunde“ der Fall, und doch ist er in mindestens zweierlei Hinsicht durchaus interessant. Denn zum einen sagt der Film so einiges über das Phänomen Spencer/Hill aus, und zum anderen überrascht der bemerkenswerte Aufwand, den die Macher hier an den Tag legten.

„Zwei tolle Hunde in Hongkong“ entstand 1973 relativ am Beginn der großen Erfolgsära des Prügelduos, im Fahrwasser des Kassenschlagers „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, der Spencer und Hill erstmals außerhalb des Western Settings etablierte. Doch obwohl der Film ganz augenscheinlich ein schnell produzierter Abklatsch ist, wartet er mit bemerkenswert abwechslungsreichen Schauplätzen in Australien, Hong Kong und Südostasien auf. Auch rein handwerklich hat Routinier Antonio Margheriti nichts anbrennen lassen und verzichtet auch diesmal nicht auf die spektakuläre Zerstörung einiger Minatur-Konstruktionen und nette Tricks mit Miniatur-Flugzeugen im Finale. Da auch die Kameraarbeit zu gefallen weiß, muss man eigentlich schon anerkennen, dass dieser Film über Qualitäten verfügt, die manch einem der später bisweilen lieblos heruntergekurbelten Streifen mit Bud und/oder Terence gut zu Gesicht gestanden hätten.

Dass die Mission der „tollen Hunde“, den Originalen zumindest annähernd das Wasser zu reichen, trotz dieser Ambitioniertheit misslingt, hat mehrere Gründe. Das fehlen eines schmissigen Ohrwurms à la Oliver Onions ist dabei noch das geringste Problem. Die Bemühungen, Spencer und Hill mit zwei den Originalen nicht wirklich ähnlich sehenden Doubles bis hin zu den exakt kopierten charakteristischen Kampftechniken (und in Deutschland auch der Synchronisation) zu plagiieren, wirken in ihrer Krampfhaftigkeit geradezu grotesk. Zudem, und das ist sogar noch schlimmer, haben die Macher überhaupt nicht verstanden, was die Erfolgsformel Spencer/Hill ausmacht: sympathische und menschliche Hauptfiguren, mit denen man sich gerne identifiziert. Während Bud Spencers Charaktere für gewöhnlich auf liebenswerte Weise naiv und von bärbeißigem Charme sind, wird bei den „tollen Hunden“ ohne Timing und Feingefühl die gefürchtete Kelle des italienischen Deppenhumors geschwungen, wodurch sein Gegenstück Percy im vorliegenden Film einfach nur grobschlächtig ist, und vor allem so dumm, dass es schon nervt.

Für eingefleischte Fans ist dieses filmische Kuriosum trotz aller Kritik einen Blick wert. Allein schon deswegen, weil er so effektiv vor Augen führt, worin letztendlich die Magie von Spencer und Hill begründet liegt: die Chemie zwischen den beiden Schauspielern, die sich nicht einfach kopieren lässt, soviel Mühe man sich auch geben mag. Übrigens war das Einspielergebnis scheinbar trotzdem groß genug, um mit „Whisky and Ghosts“ einen 1974 gestartete Nachfolger zu rechtfertigen, wiederum von Margheriti und mit den selben Hauptdarstellern. Dieser war allerdings im Wilden Westen angesiedelt und schaffte es in Deutschland entgegen der ursprünglichen Planung erst gar nicht mehr in die Lichtspielhäuser.

Abschließend noch ein Wort zur deutschen Fassung, denn eine Klasse für sich ist auch bei diesem Film die launige Synchro aus dem Hause Rainer Brandt, der hier an der Seite des großartigen Wolfgang „Buddy“ Hess übrigens höchstselbst den Terence Hill spricht. Die Sprüche sind hier sogar noch ein Stückchen derber ausgefallen als sonst, und sollten damit bei einem gepflegten Herrenabend sicherlich für den einen oder anderen Lacher gut sein.

Bangkok Adrenalin

Bangkok Adrenaline Poster
Bangkok Adrenalin

Original: Bangkok Adrenalin
Thailand 2009
84 Minuten, 1,85:1
Regie: Raimund Huber
Buch: Raimund Huber, Conan Stevens
Kamera: Teerawat Rujintham
Musik: Wouter Smit
Stunts: Daniel O’Neill, Gwion Jacob Miles

Darsteller: Daniel O’Neill, Priya Suandokemai, Gwion Jacob Miles, Raimund Huber, Conan Stevens, Geoffrey Giuliano, Gregory T. Eismin, Dom Hetrakul, Suthat Jak-Klom


BANGKOK ADRENALIN handelt von vier Rucksacktouristen, die bei ihrem Trip in Thailand beim Kartenspielen ihr ganzes Geld verlieren. Der Gangsterboss, gar nicht begeistert, will Köpfe rollen sehen, wenn die vier nicht innerhalb einer Woche das Geld wieder beschaffen. Flugs schmieden die vier blauäugigen Touristen einen Plan, um das Geld aufzutreiben: sie wollen die Tochter eines Millionärs kidnappen, was sich allerdings als nicht ganz einfach herausstellt.

Raimund Huber gibt mit BANGKOK ADRENALIN sein Regiedebüt. Leider vergisst er neben der ganzen Action die Story und die Charakterentwicklung, und erzählt nur somit eine 08/15-Geschichte mit teilweise spektakulären Actionszenen. Conan Stevens, der ebenfalls im Film zu sehen ist, hat das Drehbuch geschrieben und beweist mit BANGKOK ADRENALIN eindeutig, dass das nicht gerade seine Stärke ist. Er sollte sich lieber auf seine anatomischen Fähigkeiten verlassen und seinen gestählten Körper in die Kamera halten. Der dritte im Bunde, Daniel O’Neill (GEN-Y-COPS), ist in Asien kein unbeschriebenes Blatt, denn zunächst arbeitete er für Jackie Chan und sein Stunt-Team, was ihn aber nicht lange befriedigte. Dann wechselte er von Hongkong nach Thailand, wo er als Martial-Arts Experte durchstarten wollte – der Erfolg als Schauspieler blieb jedoch auch dort aus; auch hier sollte er weiterhin nur als Stuntman arbeiten. Der vierte Haudegen, Gwion Jacob Miles, ist bislang nicht in Erscheinung getreten und zeigt in BANGKOK ADREANLIN zum ersten Mal, was er so drauf hat. Seine Performance geht auch weitestgehend in Ordnung, er bleibt aber neben seinen Kollegen blass und agiert oft nur im Hintergrund oder im Doppelpack mit Daniel O‘Neill.

Auch der restliche Cast fällt einfach nur sehr bescheiden aus und wirkt teils unfreiwillig komisch. Dazu kommen die belanglosen und selten dämliche Dialoge, die dem Ganzen dann den Rest an Ernsthaftigkeit nehmen.
Das wären also die Personen, die ihre Karriere in Schwung bringen wollen und dafür ihre Knochen aufs Spiel setzen. Die Fights und die Verfolgungsjagden in BANGOKOK ADRENALIN sind vom Feinsten und beweisen auf eindrucksvolle Weise das Können ihrer Stars. Nicht jede Aktion bietet neue Kampftechniken oder endet in einem „WOW-Effekt“ auf dem Sofa – das macht aber nix. Die Qualität ist allgemein immer auf mittleren bis hohem Niveau, was bei dem Team selbstverständlich sein sollte.

Die etlichen Comedy-Einlagen hätten auch gerne etwas weniger albern ausfallen dürfen. Euch sollte klar sein, dass BANGKOK ADRENALIN sich selbst nicht ernst nimmt und eher eine Action-Komödie als einen todernsten Film darstellt – eine ernste Variante hätte ich persönlich bevorzugt. Nicht alle Gags funktionieren, aber einige sind ganz gut; ein Toilettenwitz lies mich dann doch schmunzeln. Raimund Huber, im Film die „Rasta-Locke John“ , hat mich am meisten irritiert mit seinem leichten Overacting und komischen Grimassen. Aber zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass wie erwähnt auch die restlichen Schauspieler nicht gerade vor der Kamera glänzen. Diese Männer können eben kämpfen und das ist es, was sie tun sollten; die finale Verfolgungsjagd zeigt auf imposante Weise, was das Team drauf hat, und auch die Kämpfe steigern sich zum Ende weiter. Dazu erklingt fetzige Musik von Peter Scott Mossmann, und unterm Strich können die knapp 80 Minuten doch überzeugen und vor der Leinwand fesseln.

BANGKOK ADRENALIN könnte ein Anfang für die Karriere Raimund Hubers sein, der schon seinen nächsten Film FREERUNNER in Vorbereitung hat. Dann aber bitte etwas ernster bei der Sache bleiben, einen Joint weniger rauchen und die Story vielleicht noch mal überdenken, einen besseren Cast zusammen trommeln und schon könnte man bei den Top-Titeln des Genres mitmischen. Ein zweites Mal wird er es bei nur gleichbleibender Qualität bei den Action-Fans vermutlich schwerer haben.

BANGKOK ADRENALIN ist bereits in England auf DVD erschienen, bei uns erscheint der Film im Herbst über Sunfilm.

Hard Revenge Milly : Bloody Battle

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HARD REVENGE MILLY : Bloody Battle

Original: Hado Ribenji Miri
Japan: 2009
72 Minuten, 1:85.1
FSK: Keine Jugendfreigabe
Regie: Takanori Tsujimoto
Buch: Takanori Tsujimoto
Kamera: Hajime Ishida
Musik: Hikaru Yoshida
Make Up: Yoshihiro Nishimura
Stunts: Kensuke Sonomura


Darsteller:
Miki Mizuno, Rei Fujita, Mitsuki Koga, Masahiro Komoto, Nao Nagasawa, Kazuki Tsujimotoe

HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE ist bereits der zweite Teil der Japan-Trash-Apokalypse. Teil 1, HARD REVENGE MILLY, ist ein 40 minütiger Kurzfilm, den es leider nur auf der US- und UK-DVD zu begutachten gibt – allein deswegen lohnt sich bereits der Kauf. Kurz ein paar Worte zu HARD REVENGE MILLY: Die Story ist eher nebensächlich und kommt über eine simple Rachestory nicht hinaus. Was allerdings in nur 40 Minuten an Ideen, Action und absurden Splatter-Einlagen über den Bildschirm flimmert kann sich wirklich sehen lassen. Mit einem so geringen Budget – wow! Es wurden viel Zeit und Details in die tollen Actionszenen investiert, und genau davon lebt dann auch HARD REVENGE MILLY. Story links liegen lassen und einfach 40 Minuten Spaß haben, nie verging Zeit schneller! Wenn nach 40 Minuten schließlich der Abspann über den Bildschirm flimmert, möchte man sofort mehr – nur gut das Teil 2 eben auch auf der DVD enthalten ist. Die Erwartungen an HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE sind dann natürlich groß – was soll es denn auch anderes sein, als eine weitere post-apokalyptische Splatter-Achterbahnfahrt? Los geht’s…

Jetzt sogar in Spielfilmlänge erzählt der zweite Teil ebenfalls keine aufregend neue oder innovative Geschichte. Nachdem Milly die Jack-Brothers im ersten Teil ins Jenseits befördert und sich danach auf einem einsamen Fabrikgelände zurückgezogen hat ist das ruhige Leben schnell vorbei. Eines Tages taucht die junge Haru bei ihr auf und bittet um Hilfe. Sie braucht Milly zur Unterstützung für ihren Rachefeldzug: Eine fiese Gang hat nämlich ihren Freund umgebracht. Milly, erst wenig begeistert von dieser Idee, willigt später aber doch ein. Nur die beiden haben die Rechnung ohne das Brüdergespann Ikki und Hyuma gemacht, die den Tod der Jack Brothers rächen wollen.  (Wir erinnern uns an den gerösteten Gulasch-Haufen aus Teil 1.)  Es gibt doch nichts Schöneres als einen Rachefilm, in dem gleich doppelt Rache genommen wird.

Regisseur Tsujimoto schert sich nicht sonderlich darum, eine umfangreiche Story zu erzählen. Die Schwerpunkte setzt er wie auch beim Vorgänger auf die Action und Splatter-Effekte. Und die haben es auch in sich! Für die Action ist Kensuke Sonomura (THE MACHINE GIRL) verantwortlich, der auch hier wieder beweist, dass er einiges auf dem Kasten hat. Voller Elan inszeniert er die Fights, ohne dass es zu hektisch wird und der Zuschauer den Überblick verliert. Das i-Tüpfelchen beschert uns dann noch der Meister seines Faches Yoshihiro Nishimura (TOKYO GORE POLICE, LOVE EXPOSURE), der den Actionszenen mit seinen kuriosen Splatter-Effekten noch den letzten Kick gibt. Blutfontänen bis an die Decke und abgetrennte Körperteile gehören hier in jeder Krawallszene dazu und lassen die schwachen und belanglosen Story-Abschnitte schnell vergessen machen. Nicht, dass das Drumherum schlecht wäre, aber man hatte hier längst nicht soviel Budget zur Verfügung wie z.B. bei TOKYO GORE POLICE, in dem etliche Rüstungen und sogar Polizeiwagen zum Einsatz kamen und hunderte Liter Kunstblut regelrecht vergeudet wurden.

Dennoch nimmt man MILLY 2 das Zukunft-Setting durchaus ab: Hier und da mal eine Außenstation, Männern mit Gasmasken, riesige Sci-Fi-Jets, die durch den Himmel kreuzen. Man hat sich redlich Mühe gegeben und es funktioniert auch, was noch viel wichtiger ist.
Auch die beiden Hauptdarstellerinnen verstehen etwas von sexy Unterhaltung. Haru (Nao Nagasawa aus GEISHA VS. NINJA) spielt gekonnt verführerisch und kann auch in den Action Szenen mit Milly (Miki Mizuno aus Kill) überzeugen. Die Musik dagegen macht Ausflüge in Japan-Pop und Elektro-Gefilde, bleibt dabei aber größtenteils im Hintergrund und wirkt wenig imposant.
Regisseur Takanori Tsijimoto hat mit HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE eine weitere Japan-Trash-Granate erschaffen und entführt in ein post-apokalyptisches Setting, das beweist, dass er das Zeug hat, eine  Endzeitvariante für den neuen Genre-Hype der femininen Splatterei auf Spielfilmlänge aufzublasen. Wenn die Action dann mal wieder auf sich warten lässt kann der gelangweilte Zuschauer sich entweder mit einem Toilettengang die Zeit vertreiben oder man beleibt (an-)gespannt sitzen und sieht sich an der sexy Hauptdarstellerin im Lack und Leder Outfit satt oder wundert sich über den homosexuellen Gang Boss, der als bester nicht homosexueller Bösewicht in die Filmgeschichte eingehen könnte.
HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE bietet uns also reichlich: eine ernste Rache Geschichte, eine gekonnte Inszenierung, die das geringe Budget verschleiert und viel Platz für Schauspieler und Kämpfe mit ihren blutigen ‚Finish-Him-Moves‘ lässt. Der Streifen verliert sich bei allem Unfug aber nicht in den Over-the-Top-Gedanken seiner Vorgänger und Vorbilder wie MACHINE GIRL oder SAMURAI PRINCESS. Wer mit Japan-Trash etwas anfangen kann und sich nicht an billigen Effekten stört sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. Allerdings empfehle ich die US-DVD oder die am 05.04.10 erscheinende UK-DVD. Diese enthalten nämlich zusätzlich den ersten Teil und sind im Gegensatz zur deutschen Veröffentlichung auch komplett ungeschnitten. Viel Spaß!

Sorority Row – Schön bis in den Tod

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Schön bis in den Tod

Original: Sorority Row
USA 2009
101 Minuten, 2,35:1
Kinostart: 01.07.2010 (Deutschland)
FSK: Keine Jugendfreigabe
Regie: Stewart Hendler
Buch: Josh Stolberg, Pete Goldfinger, Mark Rosman
Kamera: Ken Seng
Musik: Lucian Piane
Schnitt: Elliot Greenberg


Darsteller:

Briana Evigan, Leah Pipes, Rumer Willis, Jamie Chung, Margo Harshman, Audrina Patridge,  Carrie Fisher

Was als lustiger Partystreich beginnt, endet für eine Studentin tödlich. Das ganze wird vertuscht und alle beteiligten Studentinnen versuchen, ihrem normalen Leben nachzugehen. 8 Monaten später bekommen sie jedoch eine MMS mit dem Mordwerkzeug geschickt, und das lustige Morden kann beginnen – soviel zur ideenarmen Geschichte. Der zusammengeschusterte SCHÖN BIS IN DEN TOD bedient sich dabei fleißig bei bekannten Filmen des Genres (ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST, DÜSTERE LEGENDEN) und, was viele vielleicht nicht wissen, dass SCHÖN BIS IN DEN TOD (SORORITY ROW) ein Remake des 1983 entstandenen HOUSE OF SORORITY ROW ist. Lange Zeit war keine DVD des Originals erhältlich, und so wurde der Film bei Fans schnell zum begehrten Objekt. Der Slasherfilm wurde gar als Kult-Klassiker gehandelt. Eine im Jahr 2000 erschienene US-DVD war schnell vergriffen und erzielte hohe Stückpreise. Seit dem 12. Januar 2010 gibt es nun wieder eine DVD des Originals, diese Veröffentlichung ist bestimmt dem Remake zu verdanken. Was also hat die Neuauflage zu bieten, wenn der Plot nur aufgewärmt ist?

Beginnen wir mit der sehr schönen Kamerafahrt, die gleich zum Anfang während der Credits zu bestaunen ist. Die Kamera fährt ohne Schnitt durch eine wilde Party der Studentinnen. Alles wirkt chic und auf Hochglanz poliert, auch die Musik dreht richtig auf und gibt dem Zuschauer ordentlich was auf die Ohren. So kann es weiter gehen denkt sich der geneigte Fan, öffnet schon mal das erste Bier und lässt sich in sein Sofa fallen. Nackte Haut, Alkohol und Drogen – jetzt noch ein wenig Blut und der dazugehörige Killer, schon wäre der anspruchslose Filmabend perfekt.

Schön anzusehen sind sie ja, die vielen Studentinnen. Dass sie dann auch des Öfteren Blank ziehen und die Glocken des Glücks in die Kamera halten dürfen stimmt die Fans umso positiver –  bei den Castings wäre ich gern dabei gewesen. Augen auf, sogar die Tochter von Bruce Willis, Rumer Willis, übernimmt eine Rolle als Studentin. Sie bleibt aber größtenteils etwas blass und wirkt etwas mollig zwischen den andern Schönheiten. Eine Grazie aus vergangen Jahren, Carrie Fisher aus KRIEG DER STERNE, übernimmt hier sogar eine kleine Gastrolle und darf am Ende beweisen, dass sie noch auf Zack ist. Sie zeigt den kleinen verwöhnten Gören wo der Haken hängt.

Nach dem zackigen Anfang und dem Ableben der Studentin verfällt SCHÖN BIS IN DEN TOD erst mal in den Schönheitsschlaf. Eine Phase, in der sich Dialogszenen und einige für die dramatische Komponente konstruierte Szenen, wie üblich für das Genre, in einem Wechselspiel zwischen „Wer verhält sich jetzt verdächtig“, „Wer könnte der Killer sein“ usw. aneinanderreihen. Dürfte jedem bekannt sein und selbst Genre unerfahrene Zuschauer nicht mehr aus dem Sofa schießen. *Gähn* – Spannung sieht anders aus. Also das zweite Bier in den Kopf gezwirbelt und alle Erwartungen auf die Todesszenen gezappt. Diese sind dann auch teils innovativ gemacht, aber genügen insgesamt den heutigen Ansprüchen lange nicht. Und das Schlimmste: Sie können die Langeweile auch nicht ausgleichen. Zu viel hat man bereits in unzähligen Slasher-Klonen gesehen. Leider kommt SCHÖN BIS IN DEN TOD auch bei den Kills nicht über Standardkost hinaus. Allein das Finale und die dazu gehörige Schaumparty können am Ende das Ruder noch ein wenig rumreißen und sorgen für bestes Entertainment. Den Mittelteil mal außer Acht gelassen, kann der Film durchaus an der einen oder anderen Stelle überzeugen. Für einen weiteren Genre-Hit fehlt es ihm aber an Innovationen oder einer herausragenden Umsetzung. Ein wenig mehr Splatter, hätte dem Ganzen letztendlich auch gut getan. Nun ja, wenigstens das Bier war wieder lecker…

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