Schoolgirl Apocalypse

Schoolgirl Apocalypse
Schoolgirl Apocalypse

Originaltitel: Sêrâ-fuku mokushiroku

Japan 2011

Buch und Regie: John Cairns

Darsteller: Higarino (Rino Higa), Mai Tsujimoto, Max MacKenzie, Kaoru Nishida, Asami Miyakawa

Laufzeit: 86 Minuten (DVD)
Bildformat: 1,78:1

Veröffentlichung: DVD von Midori Impuls (bereits erschienen)

Sakura führt ein beschauliches Dasein als Schülerin irgendwo im ländlichen Japan. Die Idylle findet ein jähes Ende, als ein schrilles Tonsignal unbekannten Ursprungs die männlichen Bewohner zu willenlosen Zombies werden lässt. Das seltsam-apathische Verhalten ihrer Lehrer und Mitschüler nimmt Sakura dabei zunächst nur irritiert zur Kenntnis. Doch spätestens als ihr Vater des Abends zähnefletschend über die Familie herfällt und ihre Mutter tötet, wird ihr bewusst, dass irgendetwas in ihrer Umgebung ganz fürchterlich schief läuft. Nur mit ihrem Sportbogen bewaffnet versucht sie sich in Sicherheit zu bringen.

Auf ihrer Flucht muß Sakura feststellen, dass das unheimliche Phänomen keineswegs lokal begrenzt ist, sondern die Männer flächendeckend der Zombiefizierung anheim gefallen sind. Als noch unberechenbarer als die Männer erweisen sich jedoch die Frauen, denen sie begegnet. Diese gehen jeweils auf ihre ganz eigene Weise mit der Apokalypse um und reagieren auf das Auftauchen des verwirrten Schulmädchens mal hilfsbereit, mal feindselig.

In ruhigen Minuten versucht Sakura, mit Hilfe in ihres Englisch-Schulbuchs den sie umgebenden Wahnsinn zu vergessen. Doch dann erscheint ihr der hübsche blonde Junge aus den naiven Illustrationen ihres Lehrbuchs im Traum und fleht sie eindringlich um ihre Hilfe an. Sakura wird klar, dass sie selbst aktiv werden und den Kampf gegen die Quelle der unheimliche Bedrohung aufnehmen muß.

Der knackig-prägnante Titel lässt eher ein grelles Exploitation-Spektakel vermuten. Tatsächlich ist Schoolgirl Apocalypse aber weit entfernt von Fun-Splatter und Schulmädchen-Fetisch. Dass es durchaus blutig wird, versteht sich bei der Kombination Heldin mit Bogen gegen untote Angreifer natürlich von selbst. Doch linst die Kamera dem Mädchen auch im wilden Gefechtsgetümmel nie unter den Rock. Vielmehr nimmt der Film seine Hauptfigur bei aller Naivität ernst und baut eine beunruhigende Atmosphäre auf, die sich immer weiter steigert, je näher Sakura der finalen Konfrontation kommt.

In seiner unkonventionellen Machart ist Schoolgirl Apocalypse aber auch ein Film, auf den man sich als Zuschauer einlassen muss. So sind die animierten Traumsequenzen, in denen Sakura dem Jungen aus ihrem Englischbuch begegnet, schon ziemlich schräg und sicherlich nicht jedermanns Sache, ebenso wie das bizarre Finale. Auch verzichtet der Film darauf, alles zu erklären oder dem Zuseher seine Botschaft aufs Auge zu drücken. Wie die verunsicherte Hauptdarstellerin selbst wird man über das „Warum“ hinter den Ereignissen im Dunkeln gelassen und kann sich selbst seinen Reim auf das Geschehen machen. Das notwendige Maß an Offenheit vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse somit als stimmungsvoller und interessanter kleiner Independent-Film, der nicht schon fünf Minuten nach dem Ende vergessen ist.

Interessanterweise steht hinter diesem durch und durch japanisch wirkenden Film mit John Cairns ein amerikanischer Regisseur. Cairns ist mit einer Japanerin verheiratet und lebt bereits seit über 15 Jahren in Japan. Dort verbrachte er einige Jahre auf dem Land, wo er als Englischlehrer arbeitete. Die japanischen Schülerinnen machte auf ihn einen unheimlich naiven Eindruck, was ihn zur Grundidee des Films veranlasste: wie würden sich diese unselbstständigen Mädchen wohl im Angesicht der Apokalypse verhalten? Auch die Traumsequenzen wurde von der Realität inspiriert, sie basieren auf den kitschigen Illustrationen der japanischen Lehrbücher für Mädchen.

Bei den Arbeiten am Skript zog Comic-Fan Cairnes auch den Horror-Manga-Altmeister Kazuo Umezu zu Rate. Umezu hatte bereits Anfang der 70er-Jahre in dem populären Manga Hyōryū Kyōshitsu die Abenteuer eine Gruppe Schüler in einer endzeitlichen Zukunftswelt geschildert und gab Cairnes Tipps für die Erzählung seiner Geschichte. Der Film entstand schließlich innerhalb von nur knapp zwei Wochen mit einem überschaubaren Budget. Cairns hat dies recht gut kaschieren können, indem er sein Skript entschlackte und viel Mühe darauf verwendete, stimmige Locations (ländliche Idylle, verfallene Gebäude und Japan-typisch natürlich das Meer) und überzeugende Schauspieler zu finden. Unter den Darstellern sticht besonders die Hauptdarstellerin hervor: Sakura wird von Rino Higa (Higarino) gespielt, die als sogenanntes Gravure-Model zum Drehzeitpunkt zwar kein unbeschriebenes Blatt mehr war, aber die Verkörperung des unbedarften Schulmädchens perfekt beherrscht. Die Zombie-Effekte sind gelungen, lediglich im Showdown stechen einige etwas simpel geratene CGI-Animationen hervor, die zum Glück aber ziemlich kurz gehalten wurden.

Das notwendige Maß an Offenheit insbesondere für die schrägen Animationssequenzen vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse als stimmungsvoller kleiner Independent-Film, der dem Thema „Schulmädchen gegen Zombies“ ein interessantes Coming-Of-Age-Element hinzufügt. Die sympathische Darstellerriege und die Reduktion der Inszenierung auf das Wesentliche kaschieren geschickt das geringe Budget, so dass man dem Film seine kostengünstige Realisierung zwar ansieht, er aber nie im negativen Sinne billig wirkt. Der Verzicht auf allzu viel Erklärung sorgt zudem dafür, dass Schoolgirl Apocalypse nicht schon fünf Minuten nach seinem Ende vergessen ist.

Schoolgirl Apocalypse DVDs

Schoolgirl Apocalypse feierte seine europäische Premiere im Rahmen des 2012er Japan Film Festivals in Hamburg (JFFH) und wurde kürzlich vom jungen deutschen Label Midori Impuls auf DVD veröffentlicht. Bild und Ton sind tadellos, hinzu gesellen sich einige willkommene Bonusfeatures, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Film und den Menschen dahinter einladen. Ein besonderes Extra hat Regisseur John Cairns speziell für den deutschen Markt produziert: Begleitet von witzigen Animationen berichtet er von der Premiere in Hamburg und gibt zwei höchst amüsante Anekdoten aus dem Festivalkino zum Besten. Die Veröffentlichung ist in fünf limitierten Hartboxen erschienen, deren Cover zum einen das offizielle Kinoplakat, zum anderen eigens von verschiedene Künstlern entworfene Motive zieren.

Ausstattung der DVD:
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Sprache: Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial mit dt. Untertiteln:
• Vierteiliges Making Of: Location Hunting Horrors, Found Footage, Kyudo Training, Monsters & Idols
• Interview mit John Cairns (Buch & Regie)
• Interview mit Higarino (Hauptdarstellerin)
• Special Report: Japan Film Festival Hamburg
• 2 Trailer
• Trailershow des Anbieters

Zu kaufen in diversen Online-Shops, die Hartboxen im Programm haben, z.B.:
OFDB Shop
Medienversand.at

oder direkt bei Midori Impuls in Hamburg:
midori.impuls@gmail.com

Herzlichen Dank an MIDORI IMPULS für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

The Zero Hour

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The Zero Hour

Original: La Hora Cero
Venezuela 2010
101 Minuten, 1,85:1
Regie: Diego Velasco
Buch: Diego Velasco, Carolina Paiz
Kamera: Luis Otero
Musik: Freddy Sheinfeld, Gabriel Velasco

Darsteller: Zapata 666, Amanda Key, Erich Wildpret, Laureano Olivares, Marisa Román, Albi De Abreu, Alejandro Furth, Steve Wilcox


Venezuela. Parca (Zapata 666) ist ein knallharter Auftragskiller. Während eines Auftrags begegnet er seiner hochschwangeren Jugendliebe Ladydi (Amanda Key) – und die wurde auch noch angeschossen. Kurzentschlossen schnappt er sich die junge Frau, um sie von einem Arzt behandeln zu lassen. Doch zu allem Überfluss befindet sich das Land gerade in einem großen Ärztestreik und im nächstgelegenen staatlichen Krankenhaus ist man nicht in der Lage, die schwerverletzte Frau medizinisch zu versorgen. Zusammen mit seiner schwerbewaffneten Gang stürmt Parca daraufhin eine noble Privatklinik und nimmt Patienten und Ärzte als Geiseln, um Ladydis und das Leben ihres Kindes zu retten. Um seine Interessen durchzusetzen ist ihm jedes Mittel Recht: Parca arbeitet mit der Presse zusammen und inszeniert sich als eine Art Robin Hood, indem er allen Mitmenschen ärztliche Versorgung zusagt. Mit einer Pistole am Schädel vergessen die Ärzte sehr schnell, dass sie sich gerade im Streik befinden. Währenddessen soll ein Sondereinsatzkommando der Polizei die Lage unter Kontrolle bringen. Mit einem Austausch von Geiseln sollen heimlich bewaffnete Polizisten eingeschleust werden.

Als einer der erfolgreichsten Filme Venezuelas punktet Diego Velascos Spielfilm-Regiedebüt mit einer Prise Exotenbonus. Von Beginn an wird klar, dass man es hier nicht mit einem typischen Direct-to-Video-Klopper zu tun hat, sondern ein Filmemacher mit Anspruch am Werke ist. Leider ist genau das auch das Problem des Films: Velasco will einfach zu viel. Die Handlung springt munter zwischen Action-Thriller, Ghetto-Film und Krankenhaus-Melodrama, und weckt Erinnerungen an JOHN Q (2002) mit Denzel Washington. Leider fehlt THE ZERO HOUR aber eine die Hauptfigur, die ähnlich facettenreich dargestellt wird. Der Hip-Hop-Künstler Zapata 666 gibt sich hier jede Mühe den Film zu tragen, seine Figur jedoch stößt durch die immer wieder aufkommenden Gewaltausbrüche mehr ab, als dass sie zum Mitfiebern einlädt. Auch fehlen dem Film ein paar interessante Plot-Twists, die die Laufzeit von 101 Minuten versüßen. Lediglich das Finale bietet noch eine kleine Überraschung. Schade, denn gerade der Anfang macht Richtig Laune und die Optik erinnert bisweilen an CITY OF GOD (2002). Vielleicht ist ja der nächste Film von Diego Velasco etwas besser ausbalanciert, ich würde es ihm zutrauen.

Die Blu-ray Disc von Senator Home Entertainment gibt den Film in ordentlicher technischer Qualität wieder. Das Bild ist scharf und bringt den Film mit überzeugenden Farbwerten auf die Mattscheibe. Lediglich bei einigen Actionszenen zeigen sich Unschärfen, was aber wohl durch die Zeitraffer-Effekte der Post-Production bedingt sein dürfte und keinen Fehler der Disc darstellt. Der Ton liegt in Deutsch und Spanisch vor, jedoch gibt es leider keine Untertitel. Man muss also schon des lateinamerikanischen Spanisch mächtig sein, um dem Geschehen im O-Ton folgen zu können, da viele Slang-Ausdrücke verwendet werden. Die Synchro gibt sich redlich Mühe, den Ghetto-Slang entsprechend rüberzubringen, klingt aber reichlich steril und liegt topfig auf. Wirklich schade, dass es keine Untertitel zum Film gibt. In Sachen Extras herrscht leider ebenfalls Fehlanzeige.

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Wer sich ein eigenes Bild machen möchte, hat bei TLS die Gelegenheit: In Zusammenarbeit mit Senator Home Entertainment verlosen wir 2 Blu-ray Discs von „The Zero Hour“. Die Gewinnfrage: Wie lautet der Name des Schauspielers, der als John Quincy Archibald durch eine Geiselnahme im Krankenhaus die Operation seines herzkranken Sohns erzwingen will? Antwort bis zum 25.07. per Mail an: gewinnspiel[AT]thelongestsite.de
Der Rechtsweg ist wie immer ausgeschlossen.

Shaw Brothers Box No. 1

Shaw Brothers Box No. 1

Koch Media, 5-DVD-Set mit Buch

Das Todesduell der Tigerkralle (1977)

Der Shaolin-Gigant (1980)

Der Todesgriff des Shaolin (1978)

Das Grabmal des Shaolin (1980)

Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus (1965)

Lange war es ruhig, was deutschsprachige Veröffentlichungen der Shaw-Brothers-Filme anbelangte. Dabei gibt es im Fundus des legendären Studios noch eine Menge zu entdecken: dessen Filmografie umfasst mehr als 800 Filme, die in der Blütezeit zwischen 1959 und 1985 entstanden sind. International besonders erfolgreich waren die aufwendig ausgestatteten Kung-Fu-Epen, mit denen die Shaws vor allem in den 70er-Jahren Kinogänger in aller Welt begeisterten. Auch in Deutschland waren viele dieser Filme zu sehen. Leider schafften es die zeitgenössischen Synchronfassungen mit den markanten Sprechern der Ära aber nicht auf die bislang erschienenen DVDs, was für viele Fans ein Ärgernis darstellte.

Mit der vorliegenden Shaw Brothers Box hat nun das Label Koch Media einen ersten Schritt getan, einigen Filme eine angemessene würdevollere Präsentation zu gewähren. Die vier Filme aus der Box, die seinerzeit in Deutschland aufgeführt wurden, liegen in den originalen Synchronfassungen vor. Passagen, die einstmals in der deutschen Fassung fehlten, wurden neu synchronisiert, ebenso wie die deutsche Erstveröffentlichung von Tempel des Roten Lotus. Zusätzlich gibt es zahlreiches interessantes Bonusmaterial, in dem Schauspieler und Filmschaffende zu Wort kommen und über die Shaw Brothers und die Filmindustrie Hongkongs im Allgemeinen berichten.

Die fünf DVDs befinden sich in einem schicken Digipak, das sich in einem geprägten Schuber mit ablösbarem FSK-Sticker befindet. Als ganz besonderes Extra enthält die auf 2000 numerierte Exemplare limitierte Box zudem Das Buch des Gelben Tigers – ein richtiges kleines Taschenbuch, in dem auf 122 farbigen Seiten sämtliche Plakate der in Deutschland aufgeführten Shaw Brothers Filme abgebildet sind!

Das Todesduell der Tigerkralle (Death Duel, 1977)
Regie: Chor Yuen, mit Derek Yee, Ling Yun, Ku Feng

Der Dritte Meister (Derek Yee) gilt als der beste lebende Schwertkämpfer. Da er jedoch der ständigen Herausforderungen auf Leben und Tod überdrüssig ist, täuscht er seinen Tod vor und beginnt ein Leben als einfacher Arbeiter. Doch natürlich holt ihn seine Vergangenheit in Form des ehrgeizigen Herausforderers Yen Shi-Kwan (Ling Yun) ein. Da der Dritte Meister den Kampf ablehnt, soll er mit Intrigen dazu provoziert werden, sein Schwert wieder zu erheben …

Das Todesduell der Tigerkralle ist einer von fast 20 Filmen, die Regisseur Chor Yuen nach den Büchern von Gu Long drehte, deren Geschichten sich in einer sagenumwobenen Fantasiewelt voller edler Schwerkämpfer und vertrackter Intrigen abspielen. Zum Glück verfügt das Todesduell über eine recht geradlinige Handlung und funktioniert dadurch gut für sich alleine. Allerdings tritt tatsächlich eine Vielzahl von unterschiedlichsten Charakteren auf, die teilweise kleinste Gastauftritte absolvieren, und deren Geschichten dann in anderen Filmen dieses Zyklus erzählt werden. Dieses Schicksal trifft im vorliegenden Film u.a. Lo Lieh, Ti Lung und David Chiang – sie alle haben prägnante aber äußerst kurze Auftritte. Frecherweise hielt das den deutschen Kinoverleih nicht davon ab, das Todesduell als neuesten Film des Duos Ti Lung und David Chiang zu vermarkten!

Nichtsdestotrotz ist das Todesduell ein toller Film, der mit opulenter Ausstattung und durchstilisierten, stimmungsvoll ausgeleuchteten Studiosets eine geradezu märchenhafte Atmosphäre erzeugt. Auch die Kampfszenen fügen sich perfekt ins Ambiente ein, sind hervorragend choreographiert und bei aller Leichtfüßigkeit geht auch einiges zu Bruch. Für mich ein Highlight in dieser Box!

Der Shaolin-Gigant (The Master, 1980)
Regie: Tony Liu, mit Yuen Tak, Chen Kuan-Tai, Johnny Wang

Kao Chien (Yuen Tak) ist Schüler einer Kung-Fu-Schule. Eines Tages nimmt er sich des verwundeten Chin Tien Yun (Chen Kuan-Tai) an, der ihn dafür im Schutz der Nacht heimlich in seiner Kampfkunst unterrichtet. Als Kao Chiens Meister davon erfährt, verbannt er seinen Schüler. Kurz darauf halten die Drei Bösen Meister Einzug ins Dorf. Sie erklären die Schule zu ihrem neuen Domizil, unterjochen den Meister und seine Schüler und terrorisieren die Bewohner. Nun ist die Zeit ist gekommen für Kao Chien, mit seinen neu erlernten Fähigkeiten seine ehemalige Schule zu befreien und die Schurken zur Rechenschaft zu ziehen.

Der Shaolin-Gigant ist ein interessantes, wenn auch leider etwas verunglücktes Kuriosum im Filmschaffen der Shaw-Studios. Beflügelt von den Kassenerfolgen Jackie Chans wollte man sich ein Stück vom Kung-Fu-Comedy-Kuchen sichern. Dazu verhalf man Jackies Opernschulen-Bruder Yuen Tak zu seiner ersten und einzigen Hauptrolle und versetzte die Handlung mit humorigen Szenen. Doch obwohl Yuen Tak seine Sache ganz gut macht, ging der Schuß dann doch eher nach hinten los. Der Shaolin-Gigant zeigt, dass die Macher der traditionellen Martial-Arts-Filme, die Jackie Chan parodierte, dessen Erfolgsrezept nicht verstanden haben: Die Holzhammer-Komik ist eher peinlich und wirkt wie ein Fremdkörper in der ansonsten höchst konventionellen Handlung.

Die Action hat es dann aber wiederum in sich! Yuen Tak erweist sich als großartiger Athlet, der mit Chen Kuan-Tai und den übrigen Darstellern eine ganze Reihe hervorragender Martial-Arts-Szenen bestreitet. Die abschließende Beurteilung fällt somit schwer. Zwar sind die akrobatischen Kämpfe eine Augenweide und unbedingt sehenswert, doch unterm Strich ist das angesichts des wenig erquicklichen Drumherums etwas zu wenig und somit vermag Der Shaolin-Gigant leider nur mäßig zu unterhalten.

Der Todesgriff des Shaolin (Shaolin Hand-Lock, 1978)
Regie: Ho Meng-Hua, mit David Chiang, Lo Lieh, Michael Chan

Cheng Ying (David Chiang) hat von seinem Vater Li Bai (Dick Wei) den Todesgriff des Shaolin erlernt. Die einzige weitere Person, die diese geheime Technik beherrscht, ist Lin Hao (Lo Lieh), ein Freund des Vaters. Als Li Bai einem Verrat durch seinen Freund zum Opfer fällt und von einem Killer getötet wird, schwört Cheng Ying Rache. Er folgt der Spur nach Thailand, tötet den Mörder seines Vaters und schleicht sich in den Clan von Lin Hao ein. Dieser ahnt nichts von den Plänen seines neuen Handlangers, doch sein Sohn Li Kun Shi (Michael Chan Wai-Man) schöpft Verdacht. Bevor es zum Showdown kommt, macht Cheng Ying im Haus von Lin Hao eine schreckliche Entdeckung…

Der Todesgriff des Shaolin ist ein schriller Actionstreifen, leicht trashig, dafür aber umso unterhaltsamer. Er unterscheidet sich merklich von den gängigen Martial-Arts-Epen der Shaw Brothers, da er in einem modernen Setting angesiedelt ist und mit vielen exotischen Außenaufnahmen aufwartet. Diese wurden in Thailand gedreht und haben ein völlig anderes Flair als die Shaw-üblichen Studioaufnahmen. So düst David Chiang seinen Feinden schonmal mit einem Motorrad entgegen, liefert sich eine Verfolgungsjagd per Motorboot oder wird von einer in pink gewandeten jungen Dame mit einer riesigen Peitsche in einen Zweikampf verwickelt. Tatsächlich hätte der Film sicherlich auch gut mit Bruce Lee in der Hauptrolle funktioniert, der in seinem Hong-Kong-Debüt The Big Boss ja auch als Chinese in Thailand Rache üben durfte.

Wenn der Film einen Schwachpunkt hat, so ist dies die ziemlich simpel gestrickte Handlung. Dass David Chiang sich immer und immer weiter in Gefahr begibt statt Oberfiesling Lo Lieh bei Gelegenheit direkt auszuschalten, wirkt schon ziemlich schwachsinnig. Angesichts der charismatischen Hauptdarsteller, der abwechslungsreichen Actionszenen und der Shaw-typisch erlesenen Fotografie kann man über die Story-Defizite aber locker hinwegsehen und sich für anderthalb kurzweilige Stunden in den Todesgriff des Shaolin begeben.

Das Grabmal des Shaolin (Two Champions of Shaolin, 1980)
Regie: Chang Cheh, mit Lo Meng, Chin Siu-Ho, Chiang Sheng

Nach der Ermordung seiner Eltern durch Manchus verlässt Tung Chen Chin (Lo Meng) das Shaolin-Kloster. Er gerät mit dem Messer werfenden Li Te Tung (Yu Tai-Ping) aneinander, den er nach Erlernen einer neuen Technik besiegt. Dies ruft den Wudan-Orden auf den Plan, der loyal zum Manchu-Regime steht und unter dessen Schutz den Shaolin-Tempel angreift…

Das Grabmal der Shaolin ist ein später Film Chang Chehs für das Shaw-Studio. Für diesem Film trommelte er neben Chin Siu-Ho einmal mehr die komplette Five Venoms-Truppe zusammen, wobei Phillip Kwok Chun-Fung allerdings nur hinter der Kamera tätig war. Dementsprechend erstklassig ist dann auch die Action geraten, aus der einige geradezu bizarre Gewaltspitzen hervorstechen. Insbesondere der Endgegner hat einen recht bemerkenswerten Abgang spendiert bekommen.

Auffällig ist aber auch, dass die Schauspieler hier fast alle ziemlich doof aus der Wäsche schauen, was insbesondere an den grenzwertigen Frisuren liegt. Ein Vorbote auf die Fashion Crimes der 80ern Jahre? Kurius zumindest, da bei den Shaws normalerweise alles wie aus dem Ei gepellt aussieht. Die Geschichte des Films erzählt einmal mehr von der altbekannten Rivalität zwischen Shaolin und Wu-Tang, wartet zum Schluß aber mit einer gelungenen dramatischen Szene auf. Sicher nicht Chang Chehs bester, aber allemal ein unterhaltsamer Film mit herausragenden, dynamischen Actionszenen.

Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus (Temple of the Red Lotus, 1965)
Regie: Hsu Tseng-Hung, mit Jimmy Wang Yu, Chin Ping, Lo Lieh

Wu (Jimmy Wang Yu) ist auf dem zu seiner Jugendliebe Lianzhu (Chin Ping), als er auf eine Horde Banditen trifft und sich ein Gefecht mit ihnen liefert. Verletzt schleppt er zur Residenz der Jin-Familie, zu der Lianzhu gehört. Dort muss er sich aber nicht nur mit einem Nebenbuhler (Lo Lieh) rumplagen, sondern wird auch in die gewalttätigen Auseinandersetzungen der Familie mit dem Orden des Roten Lotus hineingezogen. Wu ahnt, dass es sich bei Lianzhus Familie womöglich um die Räuberbande handeln könnte, die auch seine Eltern auf dem Gewissen hat…

Red Lotus ist ein vergleichsweise alter Film aus dem Hause Shaw und wartet mit einem sehr jungen Jimmy Wang Yu in der Hauptrolle auf. In einer Nebenrolle ist zudem der spätere Vorzeigeschurke Lo Lieh zu sehen. Das Hauptaugenmerk der traditionellen, zuvor bereits mehrfach verfilmten Geschichte liegt allerdings eher auf Melodramatik als auf Action. So wartet der Film zwar mit einigen gelungenen Actionszenen auf, die zudem mit teilweise recht drastischer Gewaltdarstellung in Form abgetrennter Gliedmaßen überraschen, das Gros der Laufzeit wird aber mit familiären Problemen und herzerweichenden Liebesschwüren bestritten. Der Unterhaltungswert hält sich trotz der vorhandenen Schauwerte dementsprechend leider in Grenzen.

Filmhistorisch betrachtet ist Der Tempel des Roten Lotus allerdings durchaus bedeutsam: Es war der erste Film der Shaw Brothers, der eine traditionelle Wuxia-Geschichte mit deutlichem Action-Einschlag erzählte. Die Initiative dazu kam von Raymond Chow und Chang Cheh, der auch die Produktion überwachte. Das Ziel dieser neuen Marschrichtung war es, internationale Märkte für chinesische Filme zu erschließen. Allerdings blieb Red Lotus selbst in Hongkong kommerziell hinter den Erwartungen zurück. Da man in schneller Abfolge drehte, wurde der zweite von vier geplanten Teilen dennoch planmäßig ins Kino gebracht. Teil drei wurde mit einiger Verzögerung veröffentlich, Teil vier letztendlich ganz gestrichen. Dass Chow und Cheh dennoch den richtigen Riecher hatten bezüglich der neuen Ausrichtung des Studios, zeigte sich mit dem gigantischen Erfolg von One-Armed Boxer. Durch diesen kam die Martial-Arts-Welle dann richtig ins Rollen kam und hunderte Kampfsport-Epen aus dem Hause Shaw folgten.

Fazit:

Die vorliegende Box bietet einen interessanten Querschnitt durch das Actionfilm-Spektrum der Shaw Brothers. Während der älteste Film im Bunde, Der Tempel des Roten Lotus, trotz einiger Kampfszenen noch etwas gemächlich daherkommt, können die übrigen vier Filme was die Action anbelangt überzeugen. Ob man dabei dem klassischen Kung-Fu-Spektakel von Regie-Ikone Chang Cheh mehr abgewinnen kann oder dem im zwanzigsten Jahrhundert angesiedelten Todesgriff, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks. Manch einer soll ja sogar die Comedyszenen im Shaolin-Gigant mögen. Mir persönlich hat besonders das Todesduell mit seiner märchenhaften Atmosphäre gefallen.

Die Bildqualität der Filme ist jedenfalls durchgehend hervorragend, wie man es von den remasterten Shaw-Filmen gewohnt ist. Die Tonspuren sind allesamt klar verständlich und teilweise haben die deutschen Sprachfassungen sogar einen besseren Klang als der chinesische Originalton. Überhaupt sind die alten deutschen Synchronisationen eine tolle Sache, da sie mit vielen bekannten Sprechern wie Norbert „Homer Simpson“ Gastell und Wolfgang „Bud Spencer“ Hess besetzt sind. Da lacht das Herz des Genrefilm-Liebhabers. Die neu synchronisierten Passagen fallen natürlich auf, sind aber handwerklich ordentlich gemacht.

Es besonderes Lob verdient das umfangreiche Bonusmaterial auf den Discs, denn das war immer auch ein Schwachpunkt bisheriger Veröffentlichungen. Koch Media hat einen ganzen Schwung an Interviews und Featurettes zusammengetragen, darunter eine Hommage an Chang Cheh, in der zahlreiche Personen zu Wort kommen, sowie Impressionen von einer Feier des Shaw Brothers Fan Club, bei der sich viele alte Stars die Ehre geben.

Unterm Strich also eine überaus ansprechend präsentierte Box, die Lust auf weitere Volumes macht und allein schon aufgrund des tollen Begleitbuches ein schönes Sammlerstück ist. Bleibt zu hoffen, dass die Box auf dem hart umkämpften DVD-Markt auch ausreichend Käufer findet, um die Veröffentlichung weitere Boxen zu ermöglichen.

Technische Ausstattung:

Disc 1: Das Todesduell der Tigerkralle
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 90:21
Bonus:
• Interview: Derek Yee – Acting before Directing (20:21)
• Interview: Regisseur Chor Yuen (12:25)
• Interview: Simon Loui (10:41)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (4:02)
• Bildergalerie

Disc 2: Der Shaolin-Gigant
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Kantonesisch (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 92:09
Bonus:
• Featurette: Shaw Brothers Party (19:53)
• Deutscher Original-Kinotrailer (2:40)
• Chinesischer DVD-Trailer (1:05)
• Bildergalerie

Disc 3: Der Todesgriff des Shaolin
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 88:41
Bonus:
• Featurette: David Chiang – Elegant Trails (7:44)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (3:15)
• Bildergalerie

Disc 4: Das Grabmal des Shaolin
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 101:22
Bonus:
• Featurette: Chang Cheh – The Master (17:30)
• Interview: Chin Siu-Ho – The Baby Venom (19:59)
• Deutscher Original-Kinotrailer (2:41)
• Chinesischer DVD-Trailer (1:06)
• Bildergalerie

Disc 5: Wang Yu – Der Tempel des Roten Lotus
Bild: 2.35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Madarin (DD 2.0)
Untertitel: Deusch
Laufzeit: 90:14
Bonus:
• Interview: Anthony Carpio (9:56)
• Interview: Danny Lau (13:57)
• Chinesischer Original-Kinotrailer (3:53)
• Bildergalerie

Begleitbuch: Das Buch des Gelben Tigers
Softcover, 122 Seiten, durchgehend farbig

Herzlichen Dank an KOCH MEDIA für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

Bei Amazon zuschlagen: Shaw Brothers Box No. 1

Bizarre Cinema – März Programm 2012

Lieber Mathias Döpfner, Christian Hellmann, Mitglieder der „Hörzu“-Redaktion, Bonzen des Axel Springer Verlags und Fans der Goldenen Kamera in aller Welt,

danke!

Danke für einen weiteren schönen Abend voller Tränen, Emotionen und bewegender Momente. Und dafür, dass mit Mario Adorf endlich einer der wahren Giganten des deutschen Kinos für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde. Zwar nur in der Sparte „national“, aber wer kann von der Jury schon erwarten, dass sie neben dem „Großen Bellheim“ all die italienischen Polizeifilme der 70er gesehen hat, in denen Mario Adorf wirklich groß ist. Bizarre Cinema erklärt den März zum Monat der Goldenen Kamera und zeigt neben dem ultimativen Adorf-Klassiker drei weitere Gewinner-Filme.

Alle Filmen laufen im Metropolis Kino Hamburg.

Spezialpreis der metallverarbeitenden Industrie:
Sonntag, 4. März, 14.30 Uhr: ROBOT JOX
USA 1990, R: Stuart Gordon, 85 min., DF, mit Gary Graham, Anne-Marie Johnson, Paul Koslo
Nach der Apokalypse konkurrieren Ost und West um die Bodenschätze in Alaska. Doch die Supermächte lassen ihre Konflikte mittlerweile von bemannten riesigen Kampfrobotern austragen. Lange vor „Transformers“ schickt Gordon in diesem fast vergessenen Kinder-Erwachsenenfilm-Hybrid hier Mechas und deren Jockeys („Jox“) in Stop-Motion-Kämpfe, die SF-Freunde jeden Alters erfreuen dürften. „Die Schlacht der Stahlgiganten“ ist laut, grell und trash as trash can. Politische Subtexte und Bezüge zu antiker Mythologie auf Wunsch inklusive.
Text & Einführung: Jan Minck

1. Preis „Bestes Genre-, Ideen- und Szenen-Recycling“:
Sonntag 11. März, 14.30 Uhr: ATLANTIS DER VERLORENE KONTINENT
USA 1961 R: George Pal, mit: Anthony Hall, Joyce Taylor, John Dall

atlantis„Die letzten Tage von Pompeji“ gekreuzt mit „Die Insel des Dr. Moreau“, so in etwa sieht der Film aus, den der legendäre Regisseur und Produzent George Pal („Krieg der Welten“, 1954) gleich nach seinem Oscar-Gewinner „Die Zeitmaschine“ (1960) drehte und der von Kritikern gehasst wird. Der Plot: Ein Fischerjunge der griechischen Antike rettet die Prinzessin von Atlantis, wird dort zum Dank aber nur versklavt und muss in der Arena gegen Feuer, Wasser und einen Oger kämpfen, ehe er selbst zum Tiermenschen transformiert werden soll. Ein schräger Schurke (John Dall, 1949 mit „Gun Crazy“ zur Noir-Ikone geworden) und sein böser Magier setzen dem Eiland so zu, dass schließlich der Vulkan eruptiert und die ganze verderbte Hochkultur ins Meer rauscht – wobei einige Katastrophenszenen aus „Quo Vadis“ (1951) recycelt wurden … U-Boote, die wie Walfische aussehen, perverse Experimente im Folterkeller, Sklavenaufstände, Todesstrahlen aus dem Riesenkristall und ein wunderschönes, handgemachtes Zertrümmerungsfinale: Ein wahrer Funkelstein des monumentalen Trashkinos!
Text & Einführung: Peter Clasen

Terres-des-Hommes-Spezialpreis für Toleranz und Völkerverständigung:
Sonntag, 18. März, 14.30 Uhr: THE HILLS HAVE EYES
USA 1977, R: Wes Craven, 89 Min., Englische OV, mit John Steadman, Janus Blythe, Peter Locke, Dee Wallace

TheHillsHaveEyes_Poster_spanishEine typisch amerikanische Familie ist auf dem Weg in den Sommerurlaub nach Kalifornien. Ein kleiner Abstecher in die Mojave-Wüste hat jedoch fatale Folgen: Wegen einer Autopanne sitzt man plötzlich in einer menschenleeren Gegend fest, die von der Air Force als Testgelände für nukleare Waffen genutzt wird. Über Funk ist niemand zu erreichen, und so machen sich Vater Bob und Schweigersohn Doug auf die Suche nach Hilfe, während Mutter und Kinder im Wohnwagen warten. Die sind – im wahrsten Sinne des Wortes – ein gefundenes Fressen für eine degenerierte Familie, die in den nahe gelegenen Bergen haust.

– Rape’n’Revenge-Klassiker von Horror-Altmeister Wes Craven. „We’re gonna be french fries! Human french fries.“

Text & Einführung: Jochen Oppermann

Mario Adorf!
Sonntag, 25. März, 14.30 Uhr: MILANO KALIBER 9
Italien 1971, R: Fernando di Leo, 88 Min., 35mm, DF, mit: Gastone Moschin, Mario Adorf, Barbara Bouchet, Phillippe Leroy, Lionel Stander, Frank Wolff

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Endlich gibt es vom unangefochtenen Meisterwerk des italienischen Rasanzkinos der 70er eine verfügbare Filmkopie, gesegnet seien die Archivare. Ugo Piazza (Gastone Moschin), einst Handlanger des „Amerikaners“, eines Mailänder Mafiabosses, kommt aus dem Gefängnis frei und wird prompt von ehemaligen Kollegen aus der Gewaltbranche abgepasst, die mit ihm den Verbleib von 300.000 Dollar klären sollen. Da ihm nicht geglaubt wird, mit dem Verschwinden des Geldes nichts zu tun zu haben, hat er fortan die Mobster regelmäßig zu Besuch. Vorneweg Rocco (Mario Adorf), eine unberechenbare Mischung aus ölig gegelter Eitelkeit und ungebremster, körperlicher Gewalt. Zudem muss Ugo noch die Erniedrigungen eines reaktionären Polizeikommissars ertragen, bei dem er milano3sich in seiner Bewährungsphase zu melden hat. Ein rasanter und schöner Film mit einer grandiosen Besetzung, der zwischen Lakonie und Gewaltausbrüchen in bester Tradition des Film Noir eine pessimistische Geschichte erzählt. Oder, wie ihn der damalige Verleih bewarb: ein moderner Gangster-Thriller, knochenhart und höllisch heiß.
Text & Einführung: Thorsten Wagner

Auf bald im Metropolis.
euer BC-Team

UPDATE:

Bizarre Cinema – Beruf: Stuntmanstuntman3

Ihr Gewerbe ist so alt wie das Kino selbst. Sie springen von Dächern, aus fahrenden Autos und durch Glaswände. Ohne sie bestünden Filme nur aus Kaffeekränzchen und Butterfahrten. Ihr Lohn ist scheiße. Ihren Namen kennt niemand. Sie sind einfach die geilsten. „Lieber zehn Minuten Angst als einen Monat arbeiten.“ (Arnim Dahl) Bizarre Cinema feiert einen Abend lang die stuntwahren Helden der Leinwand und kommentiert Karambolagen und Knochenbrüche. Unter anderem mit: Buster Keaton, Dar Robinson, Cüneyt Arkin, Jackie Chan

Samstag, 24. März, 20:00 Uhr, B-Movie

Bizarre Cinema – Der lange Tod des Stuntman Cameron
USA, 1980, 129 min, 35mm, DF

Regie: Richard Rush
Darsteller: Peter O’Toole, Steve Railsback, Barbara Hershey

stuntman2Ein Vietnamveteran gerät auf der Flucht vor der Polizei auf das Filmset eines Kriegsfilms. Damit er sich dort verstecken kann, übernimmt er den Job eines verstorbenen Stuntman und gerät in die Fänge des größenwahnsinnigen Regisseurs, der die Kunst über das Leben stellt. Oder ist alles ganz anders? Ode an den Stuntman, surreale Actionkomödie, postmoderner Paranoia-Thriller: Bizarre Entertainment vom Feinsten.

Samstag, 24. März, 22:30 Uhr

Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

4 DVDs im Digipack, Koch Media

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Mr. Billion (1977)
Regie: Jonathan Kaplan

Auch die Engel essen Bohnen (1973)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Darsteller: Terence Hill, Bud Spencer, Giuliano Gemma, Ricardo Pizzuti, Jackie Gleason

Kult ist inzwischen zwar ein ziemlich abgegriffenes Prädikat, aber zu Bud Spencer und Terence Hill passt es nach wie vor wie Buddys Faust auf die Birne seiner Widersacher. Die ungebrochene Popularität spiegelt sich auch wider in einer schier unüberschaubare Menge an DVD-Veröffentlichungen, die aber leider nur allzu oft von bestenfalls durchwachsener Qualität ist.

Dies ist bei der vorliegenden Box aus dem Hause Koch Media zum Glück nicht der Fall. Das Label hat sich mit der hervorragenden technischen Umsetzung von Genrefilmen auf DVD und Blu-ray einen sehr guten Ruf verdient. Das hübsch gestaltete Digipack, mit ablösbarem FSK-Aufkleber, enthält zum einen die beiden bereits einzeln erschienenen Terence-Hill-Filme Verflucht, verdammt und Halleluja sowie Mr. Billion. Dazu gibt es exklusiv in dieser Box eine restaurierte Neuauflage des Bud-Spencer-Streifens Auch die Engel essen Bohnen, der zuvor bereits mehrfach von anderen Labels gekürzt und in grausiger Bildqualität erschienen ist. Eine weitere exklusive Zugabe ist eine Bonus-DVD mit insgesamt 30 deutschen Kinotrailern.

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)

Diese Westernkomödie bekam in der DDR den etwas aussagekräftigeren Titel Ein Gentleman im Wilden Westen. Joseph „Joe“ Moore (Hill) ist ein britisches Greenhorn aus gutem Hause – studiert, kultiviert, ein echter Waschlappen eben. Und das, obwohl sein Vater ein markiger Revolverheld im Wilden Westen war. Als dieser das Zeitliche segnet, lautet sein letzter Wille, seine Kameraden mögen endlich mal einen richtigen Kerl aus dem versnobten Sohnemann machen. Und so findet sich Joseph bei Antritt seiner Erbschaft in Gesellschaft von drei schießwütigen Gaunern wieder. Ihre Bemühungen, aus Joe einen anständigen Cowboy zu machen, scheinen zunächst zum Scheitern verurteilt. Bis sich Joe Hals über Kopf in die hübsche Candida (Yanti Somer) verliebt und schmerzhaft zu der Erkenntnis gelangt, dass er seinen zu allem entschlossenen Nebenbuhler Morten (Riccardo Pizzuti) nur mit schlagkräftigen Argumenten ausstechen kann.

Verflucht, verdammt und Halleluja ist ein großartiger Film, in dem Regisseur Enzo Barboni komödiantische auch einige melancholische Aspekte auf stimmige Weise vereint. Denn zu den witzigen Szenen, die sich aus dem Aufeinanderprallen der komplett unterschiedlichen Lebensweisen der Cowboys und des Briten ergeben, gesellt sich auch eine Prise Wehmut über die ihrem Ende zugehende Wildwest-Ära, wunderbar auf den Punkt gebracht in der letzten Einstellung des Films. Obwohl weniger bekannt als Mein Name ist Nobody, ist dies der deutlich stimmigere Film und einen echter Höhepunkt in Hills Filmografie.

Dieser schöne Film hat zum Glück eine würdige DVD-Umsetzung bekommen. Das etwas weiche, aber sehr klare Bild lässt die idyllischen Schauplätze des in Jugoslawien gedrehten Western gut zur Geltung kommen. Zum Ton in deutscher, englischer und italienischer Sprache gibt es deutsche Untertiteln. Im Bonusmaterial findet sich eine recht interessante Analyse des Filmhistorikers Antonio Bruschini. Das Herzstück ist aber das ausführliche Interview mit Ricardo Pizzuti, der markante Nebenrollen als Schurke in diversen Spencer/Hill-Filmen innehatte. Pizzuti erzählt extrem von sich selbst eingenommen bereitwillig über sich und seine Karriere. Allerdings ist er wohl auch sehr verbittert, denn er lässt kein gutes Haar an Bud und Terence, für deren Erfolg er sich maßgeblich verantwortlich sieht. Es mutet zwar etwas seltsam an, dass eine solche Abrechnung unwidersprochen auf einer Hill-DVD verewigt wurde. Aber es ist doch eine hochinteressante Zugabe, die zeigt, dass nicht alles im Spencer/Hill-Kosmos nur Spaß und heile Welt ist. Zwei Trailer und eine Bildergalerie runden das Paket ab.

Mr. Billion (1977)

Guido Falcone (Hill) ist ein bescheidener Automechaniker und Tagträumer mit einem Faible für klassische Hollywoodfilme. Als sein Onkel, ein schwerreicher Unternehmer, verstirbt, vermacht dieser ihm sein gesamtes Vermögen – eine Billion Dollar! Die einzige Bedingung: Guido muss rechtzeitig beim Firmensitz in San Francisco sein. Dem Aufsichtsrat der Firma schmeckt das Ganze natürlich gar nicht, und er setzt alles daran, den Italiener am Antritt seines Erbes zu hindern. Für Guido wird die unverhoffte Reise in sein Traumland USA damit zur turbulenten Hatz von Ost- zu Westküste.

Mit Mr. Billion wollte man den europäischen Superstar Terence Hill mittels einer Variation des Kassenschlagers Ein ausgekochtes Schlitzohr auf dem US-amerikanischen Markt etablieren. Und dieses Vorhaben ließ sich die 20th Century Fox auch durchaus etwas kosten, denn neben Hills charmantem Mimenspiel fährt der Film auch einiges an Schauwerten auf. Abgesehen von den zahlreichen Drehorten und den Zerstörungen, die zu einem Film dieser Art gehören, gefällt vor allem der dramatisch gefilmte Showdown in den Rocky Mountains. Was dem Film allerdings fehlt, ist die erforderliche Spritzigkeit, wodurch Mr. Billion dann leider doch ein über weite Strecken etwas zäher Streifen geworden ist.

Die DVD enthält den Film im originalen Kinoformat und bietet neben der deutschen Synchronfassung auch den englischen Originalton, zu dem es aber leider keine Untertitel gibt. Ein paar Extras gibt es auch noch, wobei neben zwei Trailern und einer Bildergalerie insbesondere die alte deutsche Super-8-Fassung ein Kuriosum darstellt, die den kompletten Film in einer Vierteilstunde zusammenfasst!

Auch die Engel essen Bohnen (1972)

New York in den 1930ern: Charlie Smith (Spencer) verdingt sich äußerst erfolgreich als maskierter Wrestler, während der verträumte Sonny (Guliano Gemma) als Tunichtgut in den Tag hinein lebt. Durch Zufall belauscht Sonny ein Gespräch zwischen der örtlichen Mafia und Charlie. Dieser soll auf Geheiß des Paten (Robert Middleton) seinen nächsten Kampf verlieren. Sonny wittert seine Chance und verwettet sein letztes Geld. Doch Charlie denkt nicht daran, seinen Kampf zu verlieren, und somit sind am Ende beide gemeinsam auf der Flucht. Um an Geld zu kommen beschließen sie, selbst bei der Mafia anzuheuern. Da niemand das Gesicht des Maskenmannes kennt, funktioniert dies sogar und kurze Zeit später streifen Charlie und Sonny als Schutzgeldeintreiber durchs Viertel. Dabei plagt sie jedoch schnell das Gewissen und sie zetteln stattdessen einen Bandenkrieg zwischen den Familien an …

Auch die Engel essen Bohnen gilt zu Recht als einer der besten Solofilme Spencers. Das Gangsterfilm-Setting ist stimmig, die Darstellerriege bestens aufgelegt und das Drehbuch vollbringt auch hier den Spagat zwischen dem typischen Humor und einigen nachdenklichen Szenen. Diese sind zwar teilweise etwas zu dick aufgetragen, heben den Film aber effektiv über schlichtes Klamauk-Niveau. Das offensichtlichste Manko des Films ist, dass es ein Spencer/Hill-Film ohne Hill ist. Allerdings ist Giuliano Gemma ein absolut sympathischer Schauspieler ist, der seine Sache ganz hervorragend macht, ohne dabei wie ein bemühter Terence-Klon zu wirken.

Die Veröffentlichungsgeschichte von Auch die Engel essen Bohnen ist eine ziemlich verwegene. Zur Erstaufführung straffte der deutsche Verleih die gut zweistündige italienische Originalfassung leicht um etwa drei Minuten. Richtig rabiat wurde man dann anlässlich der Wiederaufführung, wo der Film dann Der Dicke in Amerika hieß und um eine weitere halbe Stunde (!) gekürzt wurde. Eine alternative Filmfassung bekamen hingegen die Spanier, die den Film mitproduzierten: auch diese Version ist kürzer als die Originalfassung, enthält dafür aber einige zusätzliche Szenen der mitwirkenden spanischen Schauspieler.

Koch Media haben das einzig richtige gemacht und präsentieren den Film in der ungekürzten und restaurierten italienischen Originalfassung, wobei die Dialoge in den einstmals gekürzten drei Minuten untertitelt wurden. Die für die Handlung unwichtigen, aber für den Fan sicherlich interessanten Zusatzszenen der spanischen Fassung finden sich untertitelt im Bonusmaterial. Ebenso mit an Bord ist der gut zwanzigminütige erste Teil der vierteiligen Super-8-Fassung als Relikt aus der Heimkino-Steinzeit. Ebenfalls von Super 8 stammt der Trailer zur gekürzten Der Dicke in Amerika-Fassung, der schon beinahe bizarr ist, da er Giuliano Gemma komplett unterschlägt und ein völlig falsches Bild vom Film vermittelt. Eine Bildergalerie und den Vorspann in verschiedenen Sprachen gibt es zu guter Letzt auch noch.

Bonus-Disc: Terence Hill Trailer-DVD

Als besonderes Extra spendierte Koch der Box noch eine Bonus-DVD mit 30 deutschen Original-Kinotrailern zu Terence Hills Solofilmen und zu den Duo-Filmen mit Bud Spencer. Da kommt dann nochmal richtig Freude auf und der heimische Fernseher wird zum Bahnhofskino, wenn grelle Montagen und markige Sprüche von den neusten Spencer/Hill-Krachern künden, die es „demnächst in diesem Theater“ zu bestaunen gibt! Manche der Trailer sind hier zum ersten Mal auf DVD verewigt und es gibt die eine oder andere Kuriosität zu entdecken: So wird Terence Hill im Trailer zu Der Supercop von Colt Seavers‘ deutscher Stimme Hans Werner Bussinger gesprochen (im Film selbst tat das wie gehabt Thomas Danneberg), während in der Vorschau zu Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle zwar die vertrauten Stimmen von Hess und Danneberg zu hören sind, diese aber andere Sprüche bringen als im Film.

Fazit

Ein schönes Paket, das man hier mit dieser Box geboten bekommt. Alle drei DVDs wissen technisch zu überzeugen und die Trailer-DVD ist eine schöne Beigabe mit Ablach-Garantie. Das macht Lust auf mehr. Bleibt also zu hoffen, dass auf Box No. 1 auch eine No. 2 folgen wird. Dann wäre es schön, wenn auch mal ein Duo-Film von Koch aufpoliert würde. Und vielleicht erblicken ja tatsächlich mal die schon vor einem knappen Jahrzehnt von Rainer Brandt mit Thomas Danneberg synchronisierten Testfolgen von Don Matteo das Licht der DVD-Welt? Bisher sind diese ja lediglich im iTunes Store erschienen. Ich bin gespannt…

Technische Ausstattung:

DVD 1: Verflucht, verdammt und Halleluja
Bildformat: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial:
• Profession: Acrobat – Interview mit Ricardo Pizzuti (35:14)
• E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico – Filmanalyse von Filmhistoriker Antonio Bruschini (14:13)
• Deutscher Trailer (2:17)
• Amerikanischer Trailer (2:03)
• Bildergalerie

DVD 2: Mr. Billion
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen. Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: keine
Bonusmaterial:
• Super-8-Fassung (16:03)
• Deutscher Trailer (2:00)
• Amerikanischer Trailer (2:04)
• Bildergalerie

DVD 3: Auch die Engel essen Bohnen
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deusch (nur für die unsynchronisierten Stellen)
Bonusmaterial:
• Vorwort von Bud Spencer (1:10)
• Zusätzliche Szenen aus der spanischen Fassung (spanisch mit dt. Untertiteln 4:54)
• Teil 1 der Super-8-Fassung (20:58)
• Deutscher Trailer Auch die Engel essen Bohnen (3:27)
• Deutscher Trailer Der Dicke in Amerika (2:58)
• Alternative Vorspänne: Deutsch, englisch, spanisch, französisch
• Bildergalerie

DVD 4: Terence Hill Trailer-DVD
30 deutsche Original-Kinotrailer:
• Winnetou 2
• Unter Geiern
• Der Ölprinz
• Old Surehand
• Django und die Bande der Gehenkten
• Gott vergibt, Django nie (2 Trailer: ernste Fassung & Comedy-Fassung Zwei vom Affen gebissen)
• Die rechte und die linke Hand des Teufels
• Freibeuter der Meere
• Vier Fäuste für ein Halleluja (2 Trailer)
• Verflucht, verdammt und Halleluja
• Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle
• Mein Name ist Nobody
• Zwei wie Pech und Schwefel
• Zwei Missionare
• Nobody ist der Größte
• Zwei außer Rand und Band (2 Trailer)
• Marschier oder stirb
• Mr. Billion
• Zwei hau’n auf den Putz
• Zwei sind nicht zu bremsen
• Das Krokodil und sein Nilpferd
• Der Supercop
• Zwei bärenstarke Typen
• Vier Fäuste gegen Rio
• Die Miami-Cops
• Renegade
• Die Troublemaker

Herzlichen Dank an KOCH MEDIA für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

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Merantau – Deutsche DVD / Blu-ray

,Meister des Silat‘ bald bei uns auf DVD / Blu-ray

merantau-dvd-art-3d.jpgMit „Merantau“ konnte Indonesien erstmals eindrucksvoll sein Potential unter Beweis stellen, beeindruckende Martial-Arts-Action auf inter-nationalem Niveau abzuliefern. Mit dem sympathischen und (natürlich genauso wichtig) kampfsportlerisch extrem talentierten Hauptdarsteller Iko Uwais wandelt der Film auf den Pfaden von Ong Bak. Dass der Film dabei eine sehr gute Figur und Lust auf mehr macht, haben wir bereits im Juni in unserem Review festgestellt.

In Deutschland hat sich nun die Firma Sunfilm des Films angenommen und veröffentlicht ihn als „Merantau – Meister des Silat“ auf DVD und Blu-ray Disc. Enthalten sein wird die internationale Schnittfassung, die von der FSK ungekürzt ab 18 freigegeben wurde. Verkaufsstart ist am 3. Dezember 2010, bereits am 5. November wird der Film in den Verleih kommen.

DVD:
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Tonspuren: Deutsch DD 5.1 / DTS, Indonesisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making of Featurette, Deleted Scenes, Trailer

Merantau – Meister des Silat (DVD) bei Amazon.de bestellen

Blu-ray:
Bild: 1,78:1, 1080p/24
Tonspuren: Deutsch DTS-HD 7.1, Indonesisch DTS Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making of Featurette, Deleted Scenes, Trailer

Merantau – Meister des Silat (Blu-ray) bei Amazon.de bestellen

Zwei tolle Hunde in Hongkong

tollehunde_plakatZwei tolle Hunde in Hongkong

Originaltitel: Ming, Ragazzi!

Italien 1973
104 Minuten (Kino), 2.35:1
Kinostart: 31. Januar 1974 (Deutschland)

Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Darsteller: Fred Harris, Tom Scott, Jolina Mitchell, George Wang, Luciano Pigozzi (als Alan Collins), Chai Lee, Sue Chang

Percival (Fred Harris) und Dino (Tom Scott) sind ein ungleiches Duo, das sich regelmäßig in den haarsträubendsten Situationen wiederfindet. Schuld daran ist neben der Respektlosigkeit des schlitzohrigen Dino meist die ungestüme Art des bulligen Percy, der seine Kräfte einfach nicht unter Kontrolle hat. Nachdem er trotz guter Absichten die Baustelle in Schutt und Asche gelegt hat, auf der die beiden in Sidney ihre Brötchen verdienen, stehen sie auf der Straße und geraten prompt in die nächste Konfrontation: In einem Lokal nehmen sie ein randalierendes Football-Team auseinander.

Damit erregen sie die Aufmerksamkeit des chinesischen Inhabers, der das schlagkräftige Duo bittet, in Hongkong seinen Sohn aus den Händen seiner Ex-Frau und ihres neuen Gatten Hung Lo rauszuhauen. Dino und Percy lehnen zunächst ab, doch angesichts eines Angebotes über 100.000 Dollar lösen sie schließlich doch das Flugticket nach Asien. Dort werden sie nicht nur von einer Vielzahl mehr oder minder fähiger Häscher Hung Los in Empfang genommen, sondern lassen sich die Köpfe auch noch von zwei hübschen Chinesinnen verdrehen.

An einen Film wie diesen kann man eigentlich nur mit den niedrigsten Erwartungen herantreten. Denn eine dreiste Bud Spencer und Terence Hill Kopie, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Natürlich ist dies auch im vorliegenden Fall bei den Abenteuern der „tollen Hunde“ der Fall, und doch ist er in mindestens zweierlei Hinsicht durchaus interessant. Denn zum einen sagt der Film so einiges über das Phänomen Spencer/Hill aus, und zum anderen überrascht der bemerkenswerte Aufwand, den die Macher hier an den Tag legten.

„Zwei tolle Hunde in Hongkong“ entstand 1973 relativ am Beginn der großen Erfolgsära des Prügelduos, im Fahrwasser des Kassenschlagers „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, der Spencer und Hill erstmals außerhalb des Western Settings etablierte. Doch obwohl der Film ganz augenscheinlich ein schnell produzierter Abklatsch ist, wartet er mit bemerkenswert abwechslungsreichen Schauplätzen in Australien, Hong Kong und Südostasien auf. Auch rein handwerklich hat Routinier Antonio Margheriti nichts anbrennen lassen und verzichtet auch diesmal nicht auf die spektakuläre Zerstörung einiger Minatur-Konstruktionen und nette Tricks mit Miniatur-Flugzeugen im Finale. Da auch die Kameraarbeit zu gefallen weiß, muss man eigentlich schon anerkennen, dass dieser Film über Qualitäten verfügt, die manch einem der später bisweilen lieblos heruntergekurbelten Streifen mit Bud und/oder Terence gut zu Gesicht gestanden hätten.

Dass die Mission der „tollen Hunde“, den Originalen zumindest annähernd das Wasser zu reichen, trotz dieser Ambitioniertheit misslingt, hat mehrere Gründe. Das fehlen eines schmissigen Ohrwurms à la Oliver Onions ist dabei noch das geringste Problem. Die Bemühungen, Spencer und Hill mit zwei den Originalen nicht wirklich ähnlich sehenden Doubles bis hin zu den exakt kopierten charakteristischen Kampftechniken (und in Deutschland auch der Synchronisation) zu plagiieren, wirken in ihrer Krampfhaftigkeit geradezu grotesk. Zudem, und das ist sogar noch schlimmer, haben die Macher überhaupt nicht verstanden, was die Erfolgsformel Spencer/Hill ausmacht: sympathische und menschliche Hauptfiguren, mit denen man sich gerne identifiziert. Während Bud Spencers Charaktere für gewöhnlich auf liebenswerte Weise naiv und von bärbeißigem Charme sind, wird bei den „tollen Hunden“ ohne Timing und Feingefühl die gefürchtete Kelle des italienischen Deppenhumors geschwungen, wodurch sein Gegenstück Percy im vorliegenden Film einfach nur grobschlächtig ist, und vor allem so dumm, dass es schon nervt.

Für eingefleischte Fans ist dieses filmische Kuriosum trotz aller Kritik einen Blick wert. Allein schon deswegen, weil er so effektiv vor Augen führt, worin letztendlich die Magie von Spencer und Hill begründet liegt: die Chemie zwischen den beiden Schauspielern, die sich nicht einfach kopieren lässt, soviel Mühe man sich auch geben mag. Übrigens war das Einspielergebnis scheinbar trotzdem groß genug, um mit „Whisky and Ghosts“ einen 1974 gestartete Nachfolger zu rechtfertigen, wiederum von Margheriti und mit den selben Hauptdarstellern. Dieser war allerdings im Wilden Westen angesiedelt und schaffte es in Deutschland entgegen der ursprünglichen Planung erst gar nicht mehr in die Lichtspielhäuser.

Abschließend noch ein Wort zur deutschen Fassung, denn eine Klasse für sich ist auch bei diesem Film die launige Synchro aus dem Hause Rainer Brandt, der hier an der Seite des großartigen Wolfgang „Buddy“ Hess übrigens höchstselbst den Terence Hill spricht. Die Sprüche sind hier sogar noch ein Stückchen derber ausgefallen als sonst, und sollten damit bei einem gepflegten Herrenabend sicherlich für den einen oder anderen Lacher gut sein.

Aliens VS Ninja – Trailer

Alien_Vs_Ninja_
Es gibt doch nichts Schöneres als ein langes Wochenende, das mit einer News Meldung aus dem Japan-Trash Himmel begeistert. Das neue Studio Sushi-Typhoon hat gleich mehrere solcher Schätze in Vorbereitung. Den Anfang macht ALIEN VS NINJA, der im Mai dieses Jahres in den japanischen Kinos anlaufen soll. Der Trailer beginnt recht lahm nimmt dann aber in der zweiten Hälfte ordentlich Fahrt auf:

Ob das jetzt alles heiße Luft ist oder zu einem weiterem Highlight am Genre-Himmel neben TOKYO GORE POLICE wird, das müssen uns Seiji Chiba und Yuji Shimomura erst noch beweisen. Aber die Anzeichen für einen kleinen Hit sind da – denn was kann attraktiver für die Fans sein als ALIENS VS NINJA – Kämpfe mit einer gehörige Portion Blut garniert mit anständigen Trash-Effekten?

Hard Revenge Milly : Bloody Battle

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HARD REVENGE MILLY : Bloody Battle

Original: Hado Ribenji Miri
Japan: 2009
72 Minuten, 1:85.1
FSK: Keine Jugendfreigabe
Regie: Takanori Tsujimoto
Buch: Takanori Tsujimoto
Kamera: Hajime Ishida
Musik: Hikaru Yoshida
Make Up: Yoshihiro Nishimura
Stunts: Kensuke Sonomura


Darsteller:
Miki Mizuno, Rei Fujita, Mitsuki Koga, Masahiro Komoto, Nao Nagasawa, Kazuki Tsujimotoe

HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE ist bereits der zweite Teil der Japan-Trash-Apokalypse. Teil 1, HARD REVENGE MILLY, ist ein 40 minütiger Kurzfilm, den es leider nur auf der US- und UK-DVD zu begutachten gibt – allein deswegen lohnt sich bereits der Kauf. Kurz ein paar Worte zu HARD REVENGE MILLY: Die Story ist eher nebensächlich und kommt über eine simple Rachestory nicht hinaus. Was allerdings in nur 40 Minuten an Ideen, Action und absurden Splatter-Einlagen über den Bildschirm flimmert kann sich wirklich sehen lassen. Mit einem so geringen Budget – wow! Es wurden viel Zeit und Details in die tollen Actionszenen investiert, und genau davon lebt dann auch HARD REVENGE MILLY. Story links liegen lassen und einfach 40 Minuten Spaß haben, nie verging Zeit schneller! Wenn nach 40 Minuten schließlich der Abspann über den Bildschirm flimmert, möchte man sofort mehr – nur gut das Teil 2 eben auch auf der DVD enthalten ist. Die Erwartungen an HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE sind dann natürlich groß – was soll es denn auch anderes sein, als eine weitere post-apokalyptische Splatter-Achterbahnfahrt? Los geht’s…

Jetzt sogar in Spielfilmlänge erzählt der zweite Teil ebenfalls keine aufregend neue oder innovative Geschichte. Nachdem Milly die Jack-Brothers im ersten Teil ins Jenseits befördert und sich danach auf einem einsamen Fabrikgelände zurückgezogen hat ist das ruhige Leben schnell vorbei. Eines Tages taucht die junge Haru bei ihr auf und bittet um Hilfe. Sie braucht Milly zur Unterstützung für ihren Rachefeldzug: Eine fiese Gang hat nämlich ihren Freund umgebracht. Milly, erst wenig begeistert von dieser Idee, willigt später aber doch ein. Nur die beiden haben die Rechnung ohne das Brüdergespann Ikki und Hyuma gemacht, die den Tod der Jack Brothers rächen wollen.  (Wir erinnern uns an den gerösteten Gulasch-Haufen aus Teil 1.)  Es gibt doch nichts Schöneres als einen Rachefilm, in dem gleich doppelt Rache genommen wird.

Regisseur Tsujimoto schert sich nicht sonderlich darum, eine umfangreiche Story zu erzählen. Die Schwerpunkte setzt er wie auch beim Vorgänger auf die Action und Splatter-Effekte. Und die haben es auch in sich! Für die Action ist Kensuke Sonomura (THE MACHINE GIRL) verantwortlich, der auch hier wieder beweist, dass er einiges auf dem Kasten hat. Voller Elan inszeniert er die Fights, ohne dass es zu hektisch wird und der Zuschauer den Überblick verliert. Das i-Tüpfelchen beschert uns dann noch der Meister seines Faches Yoshihiro Nishimura (TOKYO GORE POLICE, LOVE EXPOSURE), der den Actionszenen mit seinen kuriosen Splatter-Effekten noch den letzten Kick gibt. Blutfontänen bis an die Decke und abgetrennte Körperteile gehören hier in jeder Krawallszene dazu und lassen die schwachen und belanglosen Story-Abschnitte schnell vergessen machen. Nicht, dass das Drumherum schlecht wäre, aber man hatte hier längst nicht soviel Budget zur Verfügung wie z.B. bei TOKYO GORE POLICE, in dem etliche Rüstungen und sogar Polizeiwagen zum Einsatz kamen und hunderte Liter Kunstblut regelrecht vergeudet wurden.

Dennoch nimmt man MILLY 2 das Zukunft-Setting durchaus ab: Hier und da mal eine Außenstation, Männern mit Gasmasken, riesige Sci-Fi-Jets, die durch den Himmel kreuzen. Man hat sich redlich Mühe gegeben und es funktioniert auch, was noch viel wichtiger ist.
Auch die beiden Hauptdarstellerinnen verstehen etwas von sexy Unterhaltung. Haru (Nao Nagasawa aus GEISHA VS. NINJA) spielt gekonnt verführerisch und kann auch in den Action Szenen mit Milly (Miki Mizuno aus Kill) überzeugen. Die Musik dagegen macht Ausflüge in Japan-Pop und Elektro-Gefilde, bleibt dabei aber größtenteils im Hintergrund und wirkt wenig imposant.
Regisseur Takanori Tsijimoto hat mit HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE eine weitere Japan-Trash-Granate erschaffen und entführt in ein post-apokalyptisches Setting, das beweist, dass er das Zeug hat, eine  Endzeitvariante für den neuen Genre-Hype der femininen Splatterei auf Spielfilmlänge aufzublasen. Wenn die Action dann mal wieder auf sich warten lässt kann der gelangweilte Zuschauer sich entweder mit einem Toilettengang die Zeit vertreiben oder man beleibt (an-)gespannt sitzen und sieht sich an der sexy Hauptdarstellerin im Lack und Leder Outfit satt oder wundert sich über den homosexuellen Gang Boss, der als bester nicht homosexueller Bösewicht in die Filmgeschichte eingehen könnte.
HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE bietet uns also reichlich: eine ernste Rache Geschichte, eine gekonnte Inszenierung, die das geringe Budget verschleiert und viel Platz für Schauspieler und Kämpfe mit ihren blutigen ‚Finish-Him-Moves‘ lässt. Der Streifen verliert sich bei allem Unfug aber nicht in den Over-the-Top-Gedanken seiner Vorgänger und Vorbilder wie MACHINE GIRL oder SAMURAI PRINCESS. Wer mit Japan-Trash etwas anfangen kann und sich nicht an billigen Effekten stört sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. Allerdings empfehle ich die US-DVD oder die am 05.04.10 erscheinende UK-DVD. Diese enthalten nämlich zusätzlich den ersten Teil und sind im Gegensatz zur deutschen Veröffentlichung auch komplett ungeschnitten. Viel Spaß!