Schoolgirl Apocalypse

Schoolgirl Apocalypse
Schoolgirl Apocalypse

Originaltitel: Sêrâ-fuku mokushiroku

Japan 2011

Buch und Regie: John Cairns

Darsteller: Higarino (Rino Higa), Mai Tsujimoto, Max MacKenzie, Kaoru Nishida, Asami Miyakawa

Laufzeit: 86 Minuten (DVD)
Bildformat: 1,78:1

Veröffentlichung: DVD von Midori Impuls (bereits erschienen)

Sakura führt ein beschauliches Dasein als Schülerin irgendwo im ländlichen Japan. Die Idylle findet ein jähes Ende, als ein schrilles Tonsignal unbekannten Ursprungs die männlichen Bewohner zu willenlosen Zombies werden lässt. Das seltsam-apathische Verhalten ihrer Lehrer und Mitschüler nimmt Sakura dabei zunächst nur irritiert zur Kenntnis. Doch spätestens als ihr Vater des Abends zähnefletschend über die Familie herfällt und ihre Mutter tötet, wird ihr bewusst, dass irgendetwas in ihrer Umgebung ganz fürchterlich schief läuft. Nur mit ihrem Sportbogen bewaffnet versucht sie sich in Sicherheit zu bringen.

Auf ihrer Flucht muß Sakura feststellen, dass das unheimliche Phänomen keineswegs lokal begrenzt ist, sondern die Männer flächendeckend der Zombiefizierung anheim gefallen sind. Als noch unberechenbarer als die Männer erweisen sich jedoch die Frauen, denen sie begegnet. Diese gehen jeweils auf ihre ganz eigene Weise mit der Apokalypse um und reagieren auf das Auftauchen des verwirrten Schulmädchens mal hilfsbereit, mal feindselig.

In ruhigen Minuten versucht Sakura, mit Hilfe in ihres Englisch-Schulbuchs den sie umgebenden Wahnsinn zu vergessen. Doch dann erscheint ihr der hübsche blonde Junge aus den naiven Illustrationen ihres Lehrbuchs im Traum und fleht sie eindringlich um ihre Hilfe an. Sakura wird klar, dass sie selbst aktiv werden und den Kampf gegen die Quelle der unheimliche Bedrohung aufnehmen muß.

Der knackig-prägnante Titel lässt eher ein grelles Exploitation-Spektakel vermuten. Tatsächlich ist Schoolgirl Apocalypse aber weit entfernt von Fun-Splatter und Schulmädchen-Fetisch. Dass es durchaus blutig wird, versteht sich bei der Kombination Heldin mit Bogen gegen untote Angreifer natürlich von selbst. Doch linst die Kamera dem Mädchen auch im wilden Gefechtsgetümmel nie unter den Rock. Vielmehr nimmt der Film seine Hauptfigur bei aller Naivität ernst und baut eine beunruhigende Atmosphäre auf, die sich immer weiter steigert, je näher Sakura der finalen Konfrontation kommt.

In seiner unkonventionellen Machart ist Schoolgirl Apocalypse aber auch ein Film, auf den man sich als Zuschauer einlassen muss. So sind die animierten Traumsequenzen, in denen Sakura dem Jungen aus ihrem Englischbuch begegnet, schon ziemlich schräg und sicherlich nicht jedermanns Sache, ebenso wie das bizarre Finale. Auch verzichtet der Film darauf, alles zu erklären oder dem Zuseher seine Botschaft aufs Auge zu drücken. Wie die verunsicherte Hauptdarstellerin selbst wird man über das „Warum“ hinter den Ereignissen im Dunkeln gelassen und kann sich selbst seinen Reim auf das Geschehen machen. Das notwendige Maß an Offenheit vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse somit als stimmungsvoller und interessanter kleiner Independent-Film, der nicht schon fünf Minuten nach dem Ende vergessen ist.

Interessanterweise steht hinter diesem durch und durch japanisch wirkenden Film mit John Cairns ein amerikanischer Regisseur. Cairns ist mit einer Japanerin verheiratet und lebt bereits seit über 15 Jahren in Japan. Dort verbrachte er einige Jahre auf dem Land, wo er als Englischlehrer arbeitete. Die japanischen Schülerinnen machte auf ihn einen unheimlich naiven Eindruck, was ihn zur Grundidee des Films veranlasste: wie würden sich diese unselbstständigen Mädchen wohl im Angesicht der Apokalypse verhalten? Auch die Traumsequenzen wurde von der Realität inspiriert, sie basieren auf den kitschigen Illustrationen der japanischen Lehrbücher für Mädchen.

Bei den Arbeiten am Skript zog Comic-Fan Cairnes auch den Horror-Manga-Altmeister Kazuo Umezu zu Rate. Umezu hatte bereits Anfang der 70er-Jahre in dem populären Manga Hyōryū Kyōshitsu die Abenteuer eine Gruppe Schüler in einer endzeitlichen Zukunftswelt geschildert und gab Cairnes Tipps für die Erzählung seiner Geschichte. Der Film entstand schließlich innerhalb von nur knapp zwei Wochen mit einem überschaubaren Budget. Cairns hat dies recht gut kaschieren können, indem er sein Skript entschlackte und viel Mühe darauf verwendete, stimmige Locations (ländliche Idylle, verfallene Gebäude und Japan-typisch natürlich das Meer) und überzeugende Schauspieler zu finden. Unter den Darstellern sticht besonders die Hauptdarstellerin hervor: Sakura wird von Rino Higa (Higarino) gespielt, die als sogenanntes Gravure-Model zum Drehzeitpunkt zwar kein unbeschriebenes Blatt mehr war, aber die Verkörperung des unbedarften Schulmädchens perfekt beherrscht. Die Zombie-Effekte sind gelungen, lediglich im Showdown stechen einige etwas simpel geratene CGI-Animationen hervor, die zum Glück aber ziemlich kurz gehalten wurden.

Das notwendige Maß an Offenheit insbesondere für die schrägen Animationssequenzen vorausgesetzt, erweist sich Schoolgirl Apocalypse als stimmungsvoller kleiner Independent-Film, der dem Thema „Schulmädchen gegen Zombies“ ein interessantes Coming-Of-Age-Element hinzufügt. Die sympathische Darstellerriege und die Reduktion der Inszenierung auf das Wesentliche kaschieren geschickt das geringe Budget, so dass man dem Film seine kostengünstige Realisierung zwar ansieht, er aber nie im negativen Sinne billig wirkt. Der Verzicht auf allzu viel Erklärung sorgt zudem dafür, dass Schoolgirl Apocalypse nicht schon fünf Minuten nach seinem Ende vergessen ist.

Schoolgirl Apocalypse DVDs

Schoolgirl Apocalypse feierte seine europäische Premiere im Rahmen des 2012er Japan Film Festivals in Hamburg (JFFH) und wurde kürzlich vom jungen deutschen Label Midori Impuls auf DVD veröffentlicht. Bild und Ton sind tadellos, hinzu gesellen sich einige willkommene Bonusfeatures, die zur weiteren Beschäftigung mit dem Film und den Menschen dahinter einladen. Ein besonderes Extra hat Regisseur John Cairns speziell für den deutschen Markt produziert: Begleitet von witzigen Animationen berichtet er von der Premiere in Hamburg und gibt zwei höchst amüsante Anekdoten aus dem Festivalkino zum Besten. Die Veröffentlichung ist in fünf limitierten Hartboxen erschienen, deren Cover zum einen das offizielle Kinoplakat, zum anderen eigens von verschiedene Künstlern entworfene Motive zieren.

Ausstattung der DVD:
Bildformat: 1,78:1 (anamorph)
Sprache: Japanisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial mit dt. Untertiteln:
• Vierteiliges Making Of: Location Hunting Horrors, Found Footage, Kyudo Training, Monsters & Idols
• Interview mit John Cairns (Buch & Regie)
• Interview mit Higarino (Hauptdarstellerin)
• Special Report: Japan Film Festival Hamburg
• 2 Trailer
• Trailershow des Anbieters

Zu kaufen in diversen Online-Shops, die Hartboxen im Programm haben, z.B.:
OFDB Shop
Medienversand.at

oder direkt bei Midori Impuls in Hamburg:
midori.impuls@gmail.com

Herzlichen Dank an MIDORI IMPULS für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars.

The Raid

The Raid
The Raid

Originaltitel: Serbuan maut

Indonesien 2011

Regie, Buch und Schnitt: Gareth Evans

Darsteller: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah, Yayan Ruhian, Pierre Gruno, Tegar Setrya, Ray Sahetapy

Laufzeit: 101 Minuten (Kino)
Bildformat: 1:1,78

Kinostart: 12.07.2012

Mit THE RAID melden sich zwei alte Bekannte zurück: Der walisische Regisseur Gareth Evans und sein indonesischer Hauptdarsteller Iko Uwais. Mit ihrem zwar nicht wirklich bahnbrechenden, aber immerhin knochenbrechenden Erstlingswerk MERANTAU (Review) schufen sie einen Film, der einiges an Potential erkennen ließ und Neugier weckte auf weitere Filme aus Indonesien. Lange Zeit war es still, und dann plötzlich war THE RAID in aller Munde. Mit immer neuen, spektakulären Ausschnitten und Teasern wurde ein riesiger Internet-Hype angefacht, und Filmfans in aller Welt fieberten dem sich ankündigenden Spektakel entgegen. Derzeit läuft THE RAID in den deutschen Kinos.

In einem heruntergekommenen Viertel Jakartas liegt ein riesiger Wohnkomplex, in dem der skrupellose Gangsterboss Tama Riyadi seine Machtzentrale eingerichtet hat. Die übrigen Bewohner setzen sich zusammen aus seinen Handlangern und diversen zwielichtigen, von der Gesellschaft ausgestoßenen Gestalten auf der Flucht vor dem Gesetz. Weder der Staatsmacht noch den verfeindeten Syndikaten ist es bislang gelungen, das Gebäude einzunehmen und zu Tama Riyadi vorzudringen.

Das soll sich nun ändern. Eine Spezialeinheit der Polizei erhält den konspirativ vorbereiteten Auftrag zur Erstürmung des Hochhauses. Einer von ihnen ist Rama (Iko Uwais), ein junger Polizist und angehender Vater. Nachdem er und seine Kollegen in einem knappen Briefing mit den wenigen bekannten Fakten über die Drahtzieher und ihre Machenschaften versorgt wurden, beginnen sie im Morgengrauen unter der Führung von Sergeant Jaka und dem erfahrenen Lieutenant Wahyu den Sturm auf das Gebäude.

Zunächst läuft alles nach Plan und die schwerbewaffnete Truppe arbeitet sich Zimmer für Zimmer und Stockwerk um Stockwerk nach oben. Doch als Späher auftauchen und der erste Schuss fällt, bricht die Hölle über die Männer herein. Sie sitzen in dem unübersichtlichen und durch Kameras überwachten Haus in der Falle und werden von allen Seiten gnadenlos von den Schergen Tamas angegriffen und dezimiert. Dabei kommt von Schusswaffen und Macheten bis hin zu Fäusten und Knien alles zum Einsatz, was die Gesetzlosen an Waffen aufbieten können.

Soweit die überschaubare Ausgangssituation für die großangelegte Actionorgie, die den überwiegenden Teil der Laufzeit von THE RAID in Beschlag nimmt. Natürlich ist die Kommandoaktion von offizieller Seite her nicht autorisiert und gibt es keine Verstärkung. Natürlich verfolgt der befehlshabende Lieutenant eigene Ziele. Und natürlich hat auch Protagonist Rama noch etwas in privater Sache in dem Gebäude zu erledigen.

Actionfilme aus Asien haben wir im Fahrwasser von ONG BAK in den letzten Jahren so einige gesehen. Was THE RAID vor allem auszeichnet ist, dass sich der Film ernst nimmt und völlig auf grellen Humor und dick aufgetragenen Kitsch verzichtet. Zwei für asiatische Filme geradezu typische Komponenten die dazu führten, dass zahlreiche Streifen trotz vorhandener filmischer Finesse stets ein stückweit in die Trash-Ecke gedrängt und vom breiten Publikum nicht wirklich für voll genommen wurden. Die Macher von THE RAID machen stattdessen aus der aufs Wesentliche reduzierten Handlung eine Tugend: dadurch, dass der Zuschauer kaum mehr weiß als die Mitglieder der Spezialeinheit, ist der Film von der ersten Minute an ungemein packend und schafft es durch den Verzicht auf unnötigen Ballast, seine Spannung über die gesamte Laufzeit konsequent aufrecht zu erhalten.

Herzstück des Films sind die zahlreichen Kampfszenen, die sich in den klaustrophobischen Räumlichkeiten des abgewrackten Gebäudekomplexes entspinnen. Hier beweisen die indonesischen Kampfsport-Akrobaten eindrucksvoll, dass sie keine Vergleiche scheuen müssen. Die Fights sind knüppelhart, rasant und ausschweifend inszeniert. Gekämpft wird mit allem, was das Arsenal der Gesetzlosen hergibt oder was gerade zur Hand ist. Die Akrobatik wirkt dabei nicht aufgesetzt nach dem Motto “wir haben zwar Schusswaffen, aber erstmal wird geprügelt”, sondern ist glaubwürdig in die Kämpfe integriert.

Die Schauspieler machen ihr Sache gut, werden aber über die Action hinaus auch nicht wirklich gefordert. Hauptdarsteller Iko Uwas ist ein sympathischer Typ, und auch wenn ihm etwas das Charisma eines Jet Li oder Tony Jaa abgeht, würde ich ihn gerne wiedersehen. Auch vom Rest der Action-Crew werden wir zukünftig hoffentlich noch einiges hören und sehen. Der Soundtrack wurde auf bestreben von Sony Pictures für die internationale Auswertung von Mike Shinoda (Linkin Park) and Joseph Trapanese überarbeitet. Dieser Schachzug sorgte im Vorfeld für einige Kritik, letztendlich fügt sich der moderne und treibende Score aber passend in den Film ein und wirkt keineswegs deplatziert. Trotzdem ist zu hoffen, dass der originale Soundtrack zumindest auf den Heimkinoveröffentlichungen mitenthalten sein wird.

Wer auf atemberaubende, handgemachte Action steht, sollte sich THE RAID keinesfalls entgehen lassen. Und da es der Film dank Koch Media in die deutschen Kinos geschafft hat, kann man ihn hierzulande derzeit sogar auf der großen Leinwand genießen.

Fighting Beat 2

Merantau-2009

Fighting Beat 2

Originaltitel: Du Suay Dua
aka. Raging Phoenix

Thailand 2009
112 Minuten (Kino/24 fps), 109 Min. (PAL), 1,78:1
Regie: Rashane Limtrakul
Produzenten: Panna Rittikrai & Prachya Pinkaew
Action-Choreographie: Panna Rittikrai

Darsteller: Jeeja Yanin, Kazu Patrick Tang, Nui Saendaeng, Sompong Lertwimonkaisom, Boonprasayrit Salangam, David Bueno, Marc Hoang, Roongtawan Jindasing

Es ist wieder Thai-Action angesagt. Zwar ließen nach dem riesigen Erfolg von Ong Bak verschiedenste asiatische Länder von Vietnam bis Indonesien bisweilen beeindruckende Kampfsport-Spektakel auf die Martial-Arts-Fangemeinde los, doch das Gros des Knochenbrecher-Outputs ist nach wie vor fest in thailändischer Hand.

Und man lässt sich was einfallen: Eine knallige Mischung aus Kampfsport und Streetdance verspricht man dem Zuschauer diesmal. Das klingt erstmal seltsam, Actionfilme sind Männerfilme und Tanzfilme so ziemlich das genaue Gegenteil, oder? Allerdings, die Faszination der fernöstlichen Actionkost liegt seit jeher in der perfekten Choreographie, seien es die Kapriolen von Jackie Chan oder das John Woo’sche – da haben wir’s – Kugelballett. Also unbefangen ran ans Werk …

Die junge Musikerin Dew (Jeeja Yanin aus Chocolate), einsam und voller Trauer nach dem Tod ihres Vaters, gerät in die Fänge von Kidnappern, wird jedoch von einem Kämpfer namens Sanim (Kazu Patrick Tang) spektakulär befreit und in dessen Gang aufgenommen. Diese haben einen eigenen Kampfstil namens Meyraiyuth entwickelt, der nur von wenigen verbitterten Außenseitern erfolgreich erlernt werden kann, da er seine durchschlagende Kraft sich aus exzessivem Alkoholkonsum sowie einer gehörigen Portion Weltschmerz entwickelt.

Dew erfährt, dass hinter dem mysteriösen Kidnapping-Versuch ein skrupelloser Menschenhändlerring unter der Führung von Jaguar (Roongtawan Jindasing) steckt. Dieser hat es gezielt auf junge Mädchen mit einer genetischen Besonderheit abgesehen hat, aus deren Tränen ein besonders anregendes Pafüm extrahiert wird, das einem zahlungkräftigen Klientel zum Lustgewinn dient. Einmal in der hohen Kunst des Knochebrechens geschult, macht sie sich daran, diesem schändlichen Treiben schlagkräftig Einhalt zu gebieten.

Eines dürfte schon nach dieser knappen Inhaltsangabe klar sein: Story und Dramaturgie geben reichlich Anlaß zum Kopfschütteln bzw. zu dem, was im neumodischen Internet-Jargon knapp als Facepalm bezeichnet wird. Der Film beginnt zunächst komödiantisch, schlägt dann ernsthaftere Töne an, was aber von eingetreuten Slapstick-Einlagen und kruden Storyelementen erfolgreich untergraben wird. Dass ausufernder Alkoholkonsum bei seelischen Problemen Stärke verleiht, wissen wir ja schon seit Drunken Master. Mutig, das in Zeiten allgegenwärtiger Political Correctness heute noch zu bringen. Noch mutiger, das dann auch noch mit Süskinds Das Parfüm zu kreuzen.

Ich hatte meinen Spaß. Fighting Beat 2 ist ein wirklich unterhaltsamer und im wahrsten Sinne des Wortes sehenswerter Film. Man merkt ihm sein begrenztes Budget an, aber die Macher haben in diesem Fall aus der Not eine Tugend gemacht. Es wurde wirklich alles aus den Schauplätzen rausgeholt, indem man sie komplett durchgestylt, mit Unmengen knallbunter Dekoration ausstaffiert und aus verwegenen Kamerawinkeln fotografiert hat. Das wirkt bisweilen sicherlich etwas trashig, passt aber ganz hervorragend zu ohnehin nicht immer ganz ernstzunehmenden Story und den schillernden Charakteren.

Auch die Kampfszenen sind zahl- und abwechslungsreich und enttäuschen nicht. Natürlich ist auch hier Style statt Effizienz angesagt, erhalten Akrobatik und Wirework den Vorzug gegenüber bodenständiger Schlägerei. Jeeja Yanin ist nicht nur eine ganz Süße, sie versteht zudem ihr Hand(kanten)werk und auch ihre Partner in diesem Film wurden wohl hauptsächlich aufgrund ihrer sportlichen Fähigkeiten ausgewählt.

Ach so, war da nicht was mit Streetdance? Alles halb so wild. Tatsächlich gibt es zu Beginn einige Szenen mit Breakdance-Artigen Moves und Hip-Hop Musik. Dies entpuppt sich als wenig störend und es scheint, als wäre dieser Ansatz im Laufe des Drehs wieder verworfen worden. Der deutsche Titel suggeriert einen Zusammenhang mit dem Thai-Actioner Fighting Beat von 2007, tatsächlich besteht zwischen den Filmen keine Verbindung. Der Export-Titel, unter dem der Film international erschienen ist, lautet „Raging Phoenix“.

Fighting Beat 2 Blu-Ray Disc CoverDie deutsche DVD und Blu-Ray Disc von Fighting Beat 2 sind ab dem 14. Januar 2011 im Handel erhältlich. Beide Medien enthalten die deutsche Synchronfassung sowie thailändischen Originalton mit deutschen Untertiteln. Als Bonusmaterial sind B-Roll Footage, Interviews und Trailer aufgespielt.

Achtung: Laut Sunfilm wird der Film sowohl in zwei Fassungen erscheinen, einmal freigegeben ab 18 und zudem in einer rund 2 Minuten gekürzten Version mit dem blauen FSK 16 Siegel!

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Merantau – Meister des Silat

Merantau-2009

Merantau – Meister des Silat

Original: Merantau

Indonesien 2009
107 Minuten (Int. Cut, PAL), 134 Min. (Dir. Cut, PAL), 1,78:1
Regie: Gareth Evans
Buch: Gareth Evans, Daiwanne Ralie
Kamera: Matt Flannery
Musik: Fajar Yuskemal Tamin, Aria prayogi
Action-Choreographie: Edwel Datuk rajo gampo alam & Team Silat Harimau

Darsteller: Iko Uwais, Sisca Jessica, Christine Hakim, Donny Alamsyah, Yusuf Aulia, Laurent Buson, Alex, Abbad, Mads Koudal, Ratna Galih, Yayan Ruhian

MERANTAU soll der neuste Nonstop Actioner aus Asien sein, genauer gesagt diesmal aus Indonesien. Moment mal, zählen wir mal zusammen was wir da auf der Liste schon hätten: Südkorea, Hongkong Kong, Japan, Philippinen, Vietnam, China und natürlich Thailand. Alle diese Länder hatten schon ihren mehr oder weniger Non-Stop-Actioner, logisch das jetzt jedes andere Land auch was von dem leckeren und viel versprechenden Kuchen haben möchte. Denn richtige Handkanten Action ist im Mainstream-Kino schließlich Mangelware geworden. Beworben wird MERANTAU, der ganz frisch auf UK-DVD erschienen ist, mit folgenden Spruch auf dem dem Cover: ALL NEW STAR, ALL NEW MOVES, ALL NEW ACTION – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen…

Kommen wir an dieser stelle erst mal zu Story von MERANTAU. Minangkabau bei West Sumatra, Yuda (Iko Uwais) beim täglichen Training, bereitet sich in seinem Dorf auf sein MERANTAU vor, eine Tradition die seit vielen Jahren von den männlichen Dorfbewohnern vollzogen wird. Sie werden losgeschickt um eine eigene Existenz zu Gründen und so zum Mann zu werden. Vielleicht vergleichbar mit folgender Weisheit im Westen: ein Mann muss einen Baum Pflanzen, ein Haus bauen, und ein Kind zeugen – erst dann ist er ein Mann. Yuda packt also seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg nach Jakarta, wo er eine Kampfschule eröffnen möchte. Doch alles kommt anders als geplant, er trifft auf Astri, die in den Fängen von einem Mädchenschmugglerring geraten ist. Klar das Yuda da nicht einfach zusehen wird und Astri sofort unter die Arme greift.

MERANTAU bemüht sich anfangs noch, seine Story zu erzählen und die Charaktere einzuführen. Was aber nach einer guten halben Stunde schnell vergessen scheint, dreimal dürft ihr raten: die Story! -Wen wundert’s aber auch? Auf der UK-DVD befindet sich der Internationale Cut, der fast 30 Minuten kürzer läuft als der ursprüngliche indonesische Cut. Dieser ist mir nicht bekannt, aber da ich nicht unbedingt davon ausgehe, dass 30 Minuten Action heraus genommen wurden, ist es vielleicht die richtige Entscheidung gewesen, die Lauflänge auf 107 Min. einzudampfen.Die Geschichte um Yuda und Astri gibt einfach nicht mehr her. MERANTAU will ein Actionfilm sein, und die Action bekommt man im internationalen Cut auch genug zusehen. Wenn nach einer halben Stunde die erste Klopperei über den Bildschirm flimmert atmet der Fan auf und wird ab dann auch nicht mehr losgelassen. Kommen wir zu dem Covertext: „ALL NEW STAR“, Iko Uwais also, der neue Mann am Martial Arts Himmel? Nachdem Tony Jaa sich nach ONG BAK 3 laut Presseberichten (mal wieder) auf einen Selbstfindungstrip ins Kloster gemacht hat, könnte dieser Slogan sogar zutreffen. Das nötige Aussehen und die Kunst sich zu bewegen und zu Kämpfen bringt Iko Uwais sicherlich mit. Was seine schauspielerische Leistung anbelangt, diese geht von traurig bis grimmig und wieder zurück, die weiß genau so zu überzeugen, wie bei seinen Kollegen Tony Jaa und Konsorten. Also zu vernachlässigen, wir wollen auch Action sehen, nicht wahr?

„ALL NEW MOVES“, das ist schwierig – wer Tony Jaas Karriere verfolgt hat, und auch gerne mal Martial-Arts Filme aus Asien schaut, hat schon einen breiten Horizont in diesem Bereich und wird sich nicht automatisch bei gelungen Aktionen von Yuda vor Freude in die Hose lullern. MERANTAU bittet nicht viele neue Moves, aber einige tolle Aktionen sind schon dabei. Ob diese aber im Langzeitgedächtnis hängen bleiben, hängt wahrscheinlich vom Betrachter und dessen Martial-Arts Konsum ab. Mich hat Iko Uwais in seiner Performance zwar überzeugt, aber neue Tricks konnte er mir nicht zeigen.

„ALL NEW ACTION“, die Choreographie der einzelnen Szenen kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Die eine mehr innovativ als die andere. Hier und da mit ‚Wire-Technik‘ und in der nächsten Szene mal ohne. Eine tolle Szene ohne Cut, wie wir sie aus TOM YUM GOONG kennen, gibt es natürlich auch zu bewundern. Ansonsten sind die üblichen Stürze von Gebäuden, die uns zusammen zucken lassen, und ein wenig Blut, dass durch die Gegend spritzt mit von der Partie. Alles im Allem ein gelungener Cocktail, der zwar nicht viel anders schmeckt als seine Mitstreiter aber durchaus eine eigene Nuance durchblitzen lässt.

Bleibt hinzuzufügen, „ALL NEW BUT NOTHING DIFFERENT“.

merantau-dvd-art-3dNachtrag (19. Oktober 2010):

Am 3. Dezember 2010 erscheint der Film als „Merantau – Meister des Silat“ in Deutschland über Sunfilm auf DVD und Blu Ray Disc. Diese enthalten die internationale Schnittfassung, die von der FSK ungekürzt ab 18 freigegeben wurde.
Neben der deutschen Synchronfassung werden sich die indonesische Originaltonspur mit deutschen Untertiteln, eine Making-Of- Featurette sowie Deleted Scenes auf den Discs befinden.

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Bangkok Adrenalin

Bangkok Adrenaline Poster
Bangkok Adrenalin

Original: Bangkok Adrenalin
Thailand 2009
84 Minuten, 1,85:1
Regie: Raimund Huber
Buch: Raimund Huber, Conan Stevens
Kamera: Teerawat Rujintham
Musik: Wouter Smit
Stunts: Daniel O’Neill, Gwion Jacob Miles

Darsteller: Daniel O’Neill, Priya Suandokemai, Gwion Jacob Miles, Raimund Huber, Conan Stevens, Geoffrey Giuliano, Gregory T. Eismin, Dom Hetrakul, Suthat Jak-Klom


BANGKOK ADRENALIN handelt von vier Rucksacktouristen, die bei ihrem Trip in Thailand beim Kartenspielen ihr ganzes Geld verlieren. Der Gangsterboss, gar nicht begeistert, will Köpfe rollen sehen, wenn die vier nicht innerhalb einer Woche das Geld wieder beschaffen. Flugs schmieden die vier blauäugigen Touristen einen Plan, um das Geld aufzutreiben: sie wollen die Tochter eines Millionärs kidnappen, was sich allerdings als nicht ganz einfach herausstellt.

Raimund Huber gibt mit BANGKOK ADRENALIN sein Regiedebüt. Leider vergisst er neben der ganzen Action die Story und die Charakterentwicklung, und erzählt nur somit eine 08/15-Geschichte mit teilweise spektakulären Actionszenen. Conan Stevens, der ebenfalls im Film zu sehen ist, hat das Drehbuch geschrieben und beweist mit BANGKOK ADRENALIN eindeutig, dass das nicht gerade seine Stärke ist. Er sollte sich lieber auf seine anatomischen Fähigkeiten verlassen und seinen gestählten Körper in die Kamera halten. Der dritte im Bunde, Daniel O’Neill (GEN-Y-COPS), ist in Asien kein unbeschriebenes Blatt, denn zunächst arbeitete er für Jackie Chan und sein Stunt-Team, was ihn aber nicht lange befriedigte. Dann wechselte er von Hongkong nach Thailand, wo er als Martial-Arts Experte durchstarten wollte – der Erfolg als Schauspieler blieb jedoch auch dort aus; auch hier sollte er weiterhin nur als Stuntman arbeiten. Der vierte Haudegen, Gwion Jacob Miles, ist bislang nicht in Erscheinung getreten und zeigt in BANGKOK ADREANLIN zum ersten Mal, was er so drauf hat. Seine Performance geht auch weitestgehend in Ordnung, er bleibt aber neben seinen Kollegen blass und agiert oft nur im Hintergrund oder im Doppelpack mit Daniel O‘Neill.

Auch der restliche Cast fällt einfach nur sehr bescheiden aus und wirkt teils unfreiwillig komisch. Dazu kommen die belanglosen und selten dämliche Dialoge, die dem Ganzen dann den Rest an Ernsthaftigkeit nehmen.
Das wären also die Personen, die ihre Karriere in Schwung bringen wollen und dafür ihre Knochen aufs Spiel setzen. Die Fights und die Verfolgungsjagden in BANGOKOK ADRENALIN sind vom Feinsten und beweisen auf eindrucksvolle Weise das Können ihrer Stars. Nicht jede Aktion bietet neue Kampftechniken oder endet in einem „WOW-Effekt“ auf dem Sofa – das macht aber nix. Die Qualität ist allgemein immer auf mittleren bis hohem Niveau, was bei dem Team selbstverständlich sein sollte.

Die etlichen Comedy-Einlagen hätten auch gerne etwas weniger albern ausfallen dürfen. Euch sollte klar sein, dass BANGKOK ADRENALIN sich selbst nicht ernst nimmt und eher eine Action-Komödie als einen todernsten Film darstellt – eine ernste Variante hätte ich persönlich bevorzugt. Nicht alle Gags funktionieren, aber einige sind ganz gut; ein Toilettenwitz lies mich dann doch schmunzeln. Raimund Huber, im Film die „Rasta-Locke John“ , hat mich am meisten irritiert mit seinem leichten Overacting und komischen Grimassen. Aber zu seiner Verteidigung sei gesagt, dass wie erwähnt auch die restlichen Schauspieler nicht gerade vor der Kamera glänzen. Diese Männer können eben kämpfen und das ist es, was sie tun sollten; die finale Verfolgungsjagd zeigt auf imposante Weise, was das Team drauf hat, und auch die Kämpfe steigern sich zum Ende weiter. Dazu erklingt fetzige Musik von Peter Scott Mossmann, und unterm Strich können die knapp 80 Minuten doch überzeugen und vor der Leinwand fesseln.

BANGKOK ADRENALIN könnte ein Anfang für die Karriere Raimund Hubers sein, der schon seinen nächsten Film FREERUNNER in Vorbereitung hat. Dann aber bitte etwas ernster bei der Sache bleiben, einen Joint weniger rauchen und die Story vielleicht noch mal überdenken, einen besseren Cast zusammen trommeln und schon könnte man bei den Top-Titeln des Genres mitmischen. Ein zweites Mal wird er es bei nur gleichbleibender Qualität bei den Action-Fans vermutlich schwerer haben.

BANGKOK ADRENALIN ist bereits in England auf DVD erschienen, bei uns erscheint der Film im Herbst über Sunfilm.

Hard Revenge Milly : Bloody Battle

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HARD REVENGE MILLY : Bloody Battle

Original: Hado Ribenji Miri
Japan: 2009
72 Minuten, 1:85.1
FSK: Keine Jugendfreigabe
Regie: Takanori Tsujimoto
Buch: Takanori Tsujimoto
Kamera: Hajime Ishida
Musik: Hikaru Yoshida
Make Up: Yoshihiro Nishimura
Stunts: Kensuke Sonomura


Darsteller:
Miki Mizuno, Rei Fujita, Mitsuki Koga, Masahiro Komoto, Nao Nagasawa, Kazuki Tsujimotoe

HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE ist bereits der zweite Teil der Japan-Trash-Apokalypse. Teil 1, HARD REVENGE MILLY, ist ein 40 minütiger Kurzfilm, den es leider nur auf der US- und UK-DVD zu begutachten gibt – allein deswegen lohnt sich bereits der Kauf. Kurz ein paar Worte zu HARD REVENGE MILLY: Die Story ist eher nebensächlich und kommt über eine simple Rachestory nicht hinaus. Was allerdings in nur 40 Minuten an Ideen, Action und absurden Splatter-Einlagen über den Bildschirm flimmert kann sich wirklich sehen lassen. Mit einem so geringen Budget – wow! Es wurden viel Zeit und Details in die tollen Actionszenen investiert, und genau davon lebt dann auch HARD REVENGE MILLY. Story links liegen lassen und einfach 40 Minuten Spaß haben, nie verging Zeit schneller! Wenn nach 40 Minuten schließlich der Abspann über den Bildschirm flimmert, möchte man sofort mehr – nur gut das Teil 2 eben auch auf der DVD enthalten ist. Die Erwartungen an HARD REVENGE MILLY : BLOODY BATTLE sind dann natürlich groß – was soll es denn auch anderes sein, als eine weitere post-apokalyptische Splatter-Achterbahnfahrt? Los geht’s…

Jetzt sogar in Spielfilmlänge erzählt der zweite Teil ebenfalls keine aufregend neue oder innovative Geschichte. Nachdem Milly die Jack-Brothers im ersten Teil ins Jenseits befördert und sich danach auf einem einsamen Fabrikgelände zurückgezogen hat ist das ruhige Leben schnell vorbei. Eines Tages taucht die junge Haru bei ihr auf und bittet um Hilfe. Sie braucht Milly zur Unterstützung für ihren Rachefeldzug: Eine fiese Gang hat nämlich ihren Freund umgebracht. Milly, erst wenig begeistert von dieser Idee, willigt später aber doch ein. Nur die beiden haben die Rechnung ohne das Brüdergespann Ikki und Hyuma gemacht, die den Tod der Jack Brothers rächen wollen.  (Wir erinnern uns an den gerösteten Gulasch-Haufen aus Teil 1.)  Es gibt doch nichts Schöneres als einen Rachefilm, in dem gleich doppelt Rache genommen wird.

Regisseur Tsujimoto schert sich nicht sonderlich darum, eine umfangreiche Story zu erzählen. Die Schwerpunkte setzt er wie auch beim Vorgänger auf die Action und Splatter-Effekte. Und die haben es auch in sich! Für die Action ist Kensuke Sonomura (THE MACHINE GIRL) verantwortlich, der auch hier wieder beweist, dass er einiges auf dem Kasten hat. Voller Elan inszeniert er die Fights, ohne dass es zu hektisch wird und der Zuschauer den Überblick verliert. Das i-Tüpfelchen beschert uns dann noch der Meister seines Faches Yoshihiro Nishimura (TOKYO GORE POLICE, LOVE EXPOSURE), der den Actionszenen mit seinen kuriosen Splatter-Effekten noch den letzten Kick gibt. Blutfontänen bis an die Decke und abgetrennte Körperteile gehören hier in jeder Krawallszene dazu und lassen die schwachen und belanglosen Story-Abschnitte schnell vergessen machen. Nicht, dass das Drumherum schlecht wäre, aber man hatte hier längst nicht soviel Budget zur Verfügung wie z.B. bei TOKYO GORE POLICE, in dem etliche Rüstungen und sogar Polizeiwagen zum Einsatz kamen und hunderte Liter Kunstblut regelrecht vergeudet wurden.

Dennoch nimmt man MILLY 2 das Zukunft-Setting durchaus ab: Hier und da mal eine Außenstation, Männern mit Gasmasken, riesige Sci-Fi-Jets, die durch den Himmel kreuzen. Man hat sich redlich Mühe gegeben und es funktioniert auch, was noch viel wichtiger ist.
Auch die beiden Hauptdarstellerinnen verstehen etwas von sexy Unterhaltung. Haru (Nao Nagasawa aus GEISHA VS. NINJA) spielt gekonnt verführerisch und kann auch in den Action Szenen mit Milly (Miki Mizuno aus Kill) überzeugen. Die Musik dagegen macht Ausflüge in Japan-Pop und Elektro-Gefilde, bleibt dabei aber größtenteils im Hintergrund und wirkt wenig imposant.
Regisseur Takanori Tsijimoto hat mit HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE eine weitere Japan-Trash-Granate erschaffen und entführt in ein post-apokalyptisches Setting, das beweist, dass er das Zeug hat, eine  Endzeitvariante für den neuen Genre-Hype der femininen Splatterei auf Spielfilmlänge aufzublasen. Wenn die Action dann mal wieder auf sich warten lässt kann der gelangweilte Zuschauer sich entweder mit einem Toilettengang die Zeit vertreiben oder man beleibt (an-)gespannt sitzen und sieht sich an der sexy Hauptdarstellerin im Lack und Leder Outfit satt oder wundert sich über den homosexuellen Gang Boss, der als bester nicht homosexueller Bösewicht in die Filmgeschichte eingehen könnte.
HARD REVENGE MILLY: BLOODY BATTLE bietet uns also reichlich: eine ernste Rache Geschichte, eine gekonnte Inszenierung, die das geringe Budget verschleiert und viel Platz für Schauspieler und Kämpfe mit ihren blutigen ‚Finish-Him-Moves‘ lässt. Der Streifen verliert sich bei allem Unfug aber nicht in den Over-the-Top-Gedanken seiner Vorgänger und Vorbilder wie MACHINE GIRL oder SAMURAI PRINCESS. Wer mit Japan-Trash etwas anfangen kann und sich nicht an billigen Effekten stört sollte hier unbedingt einen Blick riskieren. Allerdings empfehle ich die US-DVD oder die am 05.04.10 erscheinende UK-DVD. Diese enthalten nämlich zusätzlich den ersten Teil und sind im Gegensatz zur deutschen Veröffentlichung auch komplett ungeschnitten. Viel Spaß!

Power Kids

powerkids_posterPOWER KIDS

Thailand 2009
Regie: Krissanapong Rachata
Produzenten: Prachya Pinkaew, Sukanya Vongsthapat, Panna Rittikrai
Action Supervisor: Panna Rittikrai
Drehbuch: Nonont Kontaweesook, Nepalee, Piyaros Thongdee

Darsteller:
Nantawooti Boonrapsap, Sasisa Jindamanee, Paytaai Wongkamlao,
Narawan Techaratanaprasert, Johnny Nguyen

Erinnert sich noch jemand an die Lucky Seven? Oder an die Lucky Kids? Nachdem die Thailänder, angefangen mit ONG BAK (2003), der internationalen Fangemeinde,die spätestens seit der Abwanderung aller nennenswerten Talente von Hong Kong in die die USA unwiederbringlich verloren geglaubten Martial Arts Klopper wieder gegeben haben, schicken sie sich nun an, das längst in der Versenkung verwundene Kung Fu Kids Genre wiederzubeleben. Obwohl es in diesem Falle genau genommen natürlich Muay Thai Kids sind, aber wer auf solche Nebensächlichkeiten wie Logik Wert legt, war beim thailändischen Action-Kino ja ohnehin noch nie gut aufgehoben. Besonders, wenn in den Credits die Namen Prachya Pinkaew und Panna Rittikrai prangen, wenn auch diesmal nur als Produzenten. Wofür diese Namen aber vor allem stehen, ist sinnbefreite und krachende Action bis der Arzt kommt (und zwar wortwörtlich). Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine adäquate Neuauflage des Genres rund um schlagkräftige Kinder.

POWER KIDS, dessen thailändische Originaltitel soviel bedeutet wie „Fünf Krieger für das Herz“, erzählt also die Geschichte einer Gruppe von Kindern, die in der kleinen Muay Thai Schule ihres väterlichen Meisters Lek (Arunya Pawilai) in den traditionellen thailändischen Kampfkünsten unterwiesen werden. Zu ihnen zählen der coole Wut (Nantawooti Boonrapsap), das toughe Mädchen Kat (Sasisa Jindamanee aus Born to Fight) und der großschnäuzige Pong (Paytaai Wongkamlao). Auch Wuts kleiner Bruder Wun (Darun Tantiwichitwech) gehört dazu, aufgrund eines angeborenen Herzfehlers ist es ihm jedoch untersagt, am Unterricht teilzunehmen, obwohl genau dies sein größter Wunsch ist. Somit kann er aber nur wehmütig zusehen, wenn die anderen das Kämpfen üben oder vom Meister für ihre Streiche mit der Rute gezüchtigt werden. Das fünfte Power Kid im Bunde ist das Mädchen Jib (Narawan Techaratanaprasert). Sie trainiert keinen Kampfsport, sondern jobbt an einem Rennparcours für ferngesteuerte Autos und ist hin- und hergerissen zwischen ihren Freunden von der Kampfsport-Schule und den coolen jungen Schnöseln, die mit ihren Mofas an der Rennpiste abhängen.

Power Kids Power Kids Power Kids

Als Wuns Geburtstag ansteht, beschließen seine Freunde dem bemitleidenswerten Kleinen ein professionelles ferngesteuertes Rennauto zu schenken. Um das nötige Kleingeld zusammenzukratzen, ist jedoch Phantasie gefragt. So geben sie unter anderem einem unterbelichteten japanischen Touristen heimlichen Kampfsport-Unterricht. Hierbei werden sie von einem versoffenen amerikanischen Vollproleten (Richard William Lord) gestört, den die Power Kids in der ersten großen Actionszene des Films nach allen Regeln der Kunst zusammenfalten.

Letztendlich gelingt es den Kindern, das Rennauto zu erwerben und ihrem kleinen Freund damit eine große Freude zu machen. Die Freude währt jedoch nur kurz, da Wun mit seinem Auto schnurstracks zur Rennbahn stolziert und dabei mit den coolen Halbwüchsigen aneinander gerät, die ihn schikanieren. Modellautos gehen zu Bruch, und Wun wird Opfer einer Hetzjagd durch die Straßen der Stadt, in deren Verlauf sein schwaches Herz kollabiert.

Die gute Nachricht: Ein Spenderherz haben Wuns Eltern bereits bereits gefunden, es lagert im Krankenhaus einer benachbarten Stadt und muss nun kurzfristig herbeigeschafft werden. Die schlechte Nachricht: In besagtem Krankenhaus hält sich ein amerikanischer Diplomat auf, was eine von einem jungen Mädchen (Pimchanok Leuwisetpaiboon) befehligte separatistische Terrorgruppe dazu veranlasst, das Hospital zur Durchsetzung ihrer Forderungen zu besetzen. Da die Zeit drängt und auf Spezial-Einsatzkommandos wie immer kein Verlass ist, bleibt den Power Kids nichts anderes übrig, als sich selbst Zutritt zum belagerten Gebäude zu verschaffen und den Terroristen rund um Oberfiesling Pada (Johnny Nguyen) den Garaus zu machen.

Power Kids Power Kids Power Kids

Power Kids ist ein recht kurzweiliges Filmchen mit einer höchst überschaubaren Spielzeit von gerade mal 73 Minuten (inklusive Abspann). Es ist dabei durchaus von Vorteil, dass die Filmemacher hinsichtlich der inhaltlichen Tiefe keinen falschen Illusionen erlegen sind, und das ganze Geschehen stattdessen ziemlich kompakt auf den Punkt gebracht haben. Die Schauspieler kommen sympathisch rüber und die akrobatischen Martial Arts Szenen können sich sehen lassen. Da fliegen die Knie und die Ellenbogen, und es geht einiges zu Bruch, etwa wenn Johnny Nguyen durch Glasscheiben getreten oder ihm eine im Sprung aus der Lampe gerissene Leuchtstoffröhre auf dem Kopf zerdeppert wird.

Ein anderes Manko liegt darin, dass die Darsteller der Kids vergleichsweise alt wirken. Dies hat auch mit den Problemen zu tun, die die Produktion des Films belasteten. POWER KIDS wurde 2005 begonnen, dann wegen Verletzungen und anderer Projekte einiger Darsteller auf Eis gelegt und erst Jahre später fertiggestellt, bevor er im März 2009 in die thailändischen Kinos kam. Dieser Umstand erforderte zahlreiche Neu- und Nachdrehs, was den zerfahrenen Eindruck des Films weiter verstärkt. Es erklärt auch, warum Johnny Nguyen, zwischenzeitlich zum Hauptdarsteller im vietnamesischen Actioner THE REBEL (2008) avanciert, hier mehr oder weniger als Prügelknabe verheizt wird.

Was bleibt, ist ein dennoch unterhaltsames Filmchen für zwischendurch, das zwar schnell vergessen ist, aber auf jeden Fall neugierig macht auf das, was man von dieser jungen Generation noch hören (und vor allem sehen) wird.

PS: Erwähnt werden sollte noch, dass mit der kindlichen Anführerin der Terroristen ausgerechnet einer der scheinbar aberwitzigsten Aspekte des Drehbuchs auf einer wahren Begebenheit beruht: Tatsächlich besetzte im Januar 2000 eine von zwei 12-jährigen Zwillingsbrüdern angeführte Splittergruppe der im Thailändisch-Burmesischen Grenzgebiet ansässigen Karen-Rebellen ein thailändisches Krankenhaus (siehe Link).
Link: http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/616772.stm

Meatball Machine

Meatball Machine Cover

Meatball Machine

Japan, 2005, 90 Min., 1,78:1
Regie : Yudai Yamaguchi & Jun’ichi Yamamoto
Produzent : Yukihiko Yamaguchi
Drehbuch : Junya Kato
Kamera : Shinji Kugimiya & Shu G. Momose
Effekte : Yoshihiro Nishimura

Darsteller
Issei Takahashi, Aoba Kawai, Kenichi Kawasaki
Shôichirô Masumoto, Toru Tezuka, Ayano Yamamoto

Der frustrierte, junge Fabrikarbeiter Joji lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung. Auch in der Fabrik nimmt er seine Mahlzeiten stehts alleine ein. In der Pause sucht er sich immer das gleiche Plätzchen, um die schöne Sachiko aus sicherer Entfernung beim Wäsche aufhängen zu beobachten. Den Mut sie anzusprechen hat er nicht.

Bis eines Tages die schüchterne Sachiko von Herrn Tanaka nach einem Betriebsessen sexuell belästigt wird. Joji kommt gerade durch Zufall die Straße entlang und wird Zeuge dieses Vorfalls. Nun nimmt Joji seinen ganzen Mut zusammen und geht dazwischen. Konsequenz: Er kassiert eine Tracht Prügel – aber Sachiko ist zumindest fürs Erste in Sicherheit. Schwer getroffen begleitet sie ihren Retter in seine Wohnung. Doch bevor die beiden sich in irgendeiner Weise näher kommen können, passiert das Unglaubliche…

Ahhhhhh….Meatball Machine tut gut, so richtig gut. In der heutigen Zeit, in der fast alles mit teuren CGI Effekten gemacht wird, ist MEATBALL MACHINE ein Ausnahmewerk das „back to the roots“ geht. Vor langer Zeit gab Tsukamoto mit TETSUO 1-2 den Ton an, der auch auf spektakuläre, handgemachte Make-Up-Effekte setzte. Bemerkenswert, daß uns YudaiYamaguchi und Jun’ichi Yamamoto auch im Jahre 2006 noch mit diesem alten aber nicht vergessenen Filmhandwerk so beeindrucken können. Schade, daß immer weniger Regisseure mit klassischen Make-Up Effekten arbeiten und den digitalen Budenzauber bevorzugen. Den Charme und die Wirkung beim Zuschauer konnte bisher kein Computer nachmachen.

Regisseur Yamaguchi sammelte seine ersten Erfahrungen bei Herrn Kitamaru als 2nd Unit Director bei VERSUS (2000), und drehte anschließend mit BATTLEFIELD BASEBALL (2003) eine typisch japanische Splatter-Komödie, in der er schon sein Talent für ausgefallene Charaktere und derbe Splatter-Einlagen zeigen durfte. Nun, mit Meatball Machine setzt er dem ganzen die Krone auf. Zusammen mit seinem Partner Juni’ichi Yamamoto, der bereits 1999 die Idee zu Meatball Machine verfilmte, ließen die beiden es 2005 mit höherem Budget noch mal so richtig krachen. Grandiose MakeUp- und Monster-Design-Arbeit wurde hier geleistet, ein absolutes Kompliment an die Macher dieser Old-School-Latex-Effekte. Jede Menge dickes Kunstblut und glibberige Körperflüssigkeiten begeistern die Fans. MEATBALL MACHINE 2005 – sehr lecker!

Joji aka Issei Takahashi, der auch schon in KILL BILL oder dem sehr schönen japanischen Drama CRYING OUT LOVE, IN THE CENTRE OF THE WORLD sein Talent beweisen durfte, spielt auch diese ausgefallene Rolle souverän. In Japan ist man also flexibel, denn in Hollywood wäre wohl kaum denkbar, nach größeren Produktionen in einer kleinen Horror-Trash-Produktion mitzuwirken. Auch die restliche Besetzung macht einen guten Eindruck, insbesondere die hübsche Aoba Kawai als Sachiko, die leider noch nicht allzu viel Leinwandpräsenz aufweisen kann. 2004 spielte sie in GIRLFRIEND: SOMEONE PLEASE STOP THE WORLD mit. Hoffen wir, daß wir demnächst mehr mit der guten bewundern dürfen. !

Was haben wir also: Eine durchgeknallte Japan-Shock-Story, die mich wirklich unterhalten hat, und nebenbei noch die blutigste Lovestory, die ich bis dato gesehen habe. Vielleicht mag der eine oder andere sagen, dass die Story nicht viel Neues bietet, alles schon mal da gewesen usw… Aber das stört bei MEATBALL MACHINE überhaupt nicht. Der Fleischklopps ist so vollgepackt mit „kranken“ Ideen, daß die Wände wackeln. Deshalb braucht er sich auch nicht hinter Tetsuo oder anderen Genre-Vertretern aus Japan verstecken, sondern kann auf eigenen Füßen stehen und sich sein Lob bei Mama selbst abholen.
Es tut gut, mal wieder alte Genrekost neu aufgearbeitet zu sehen. Eine willkommene Abwechslung zu den teuren und übermäßig beladenen CGI-Streifen der Neuzeit. Fazit: Ansehen und Spaß haben!

Deutsche uncut DVD von AFN / Splendid. Bild etwas unscharf und schwammig in einigen Szenen. Die Dolby Digital 2.0 Tracks (Deutsch und Japanisch) gehen in Ordnung. Die Synchro kann man sich antun, aber auf Japanisch mit UT kommt das ganze Spektakel mit noch mehr Atmosphäre daher! Leider, außer dem Trailer, keine Extras.

Joji aka Issei Takahashi, der auch schon in KILL BILL oder dem sehr schönen japanischen Drama CRYING OUT LOVE, IN THE CENTRE OF THE WORLD sein Talent beweisen durfte, spielt auch diese ausgefallene Rolle souverän. In Japan ist man also flexibel, denn in Hollywood wäre wohl kaum denkbar, nach größeren Produktionen in einer kleinen Horror-Trash-Produktion mitzuwirken. Auch die restliche Besetzung macht einen guten Eindruck, insbesondere die hübsche Aoba Kawai als Sachiko, die leider noch nicht allzu viel Leinwandpräsenz aufweisen kann. 2004 spielte sie in GIRLFRIEND: SOMEONE PLEASE STOP THE WORLD mit. Hoffen wir, daß wir demnächst mehr mit der guten bewundern dürfen.

Was haben wir also: Eine durchgeknallte Japan-Shock-Story, die mich wirklich unterhalten hat, und nebenbei noch die blutigste Lovestory, die ich bis dato gesehen habe. Vielleicht mag der eine oder andere sagen, dass die Story nicht viel Neues bietet, alles schon mal da gewesen usw… Aber das stört bei MEATBALL MACHINE überhaupt nicht. Der Fleischklopps ist so vollgepackt mit „kranken“ Ideen, daß die Wände wackeln. Deshalb braucht er sich auch nicht hinter Tetsuo oder anderen Genre-Vertretern aus Japan verstecken, sondern kann auf eigenen Füßen stehen und sich sein Lob bei Mama selbst abholen.
Es tut gut, mal wieder alte Genrekost neu aufgearbeitet zu sehen. Eine willkommene Abwechslung zu den teuren und übermäßig beladenen CGI-Streifen der Neuzeit. Fazit: Ansehen und Spaß haben!