Zwei tolle Hunde in Hongkong

Zwei tolle Hunde in Hongkong

tollehunde_plakatZwei tolle Hunde in Hongkong

Originaltitel: Ming, Ragazzi!

Italien 1973
104 Minuten (Kino), 2.35:1
Kinostart: 31. Januar 1974 (Deutschland)

Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Darsteller: Fred Harris, Tom Scott, Jolina Mitchell, George Wang, Luciano Pigozzi (als Alan Collins), Chai Lee, Sue Chang

Percival (Fred Harris) und Dino (Tom Scott) sind ein ungleiches Duo, das sich regelmäßig in den haarsträubendsten Situationen wiederfindet. Schuld daran ist neben der Respektlosigkeit des schlitzohrigen Dino meist die ungestüme Art des bulligen Percy, der seine Kräfte einfach nicht unter Kontrolle hat. Nachdem er trotz guter Absichten die Baustelle in Schutt und Asche gelegt hat, auf der die beiden in Sidney ihre Brötchen verdienen, stehen sie auf der Straße und geraten prompt in die nächste Konfrontation: In einem Lokal nehmen sie ein randalierendes Football-Team auseinander.

Damit erregen sie die Aufmerksamkeit des chinesischen Inhabers, der das schlagkräftige Duo bittet, in Hongkong seinen Sohn aus den Händen seiner Ex-Frau und ihres neuen Gatten Hung Lo rauszuhauen. Dino und Percy lehnen zunächst ab, doch angesichts eines Angebotes über 100.000 Dollar lösen sie schließlich doch das Flugticket nach Asien. Dort werden sie nicht nur von einer Vielzahl mehr oder minder fähiger Häscher Hung Los in Empfang genommen, sondern lassen sich die Köpfe auch noch von zwei hübschen Chinesinnen verdrehen.

An einen Film wie diesen kann man eigentlich nur mit den niedrigsten Erwartungen herantreten. Denn eine dreiste Bud Spencer und Terence Hill Kopie, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Natürlich ist dies auch im vorliegenden Fall bei den Abenteuern der „tollen Hunde“ der Fall, und doch ist er in mindestens zweierlei Hinsicht durchaus interessant. Denn zum einen sagt der Film so einiges über das Phänomen Spencer/Hill aus, und zum anderen überrascht der bemerkenswerte Aufwand, den die Macher hier an den Tag legten.

„Zwei tolle Hunde in Hongkong“ entstand 1973 relativ am Beginn der großen Erfolgsära des Prügelduos, im Fahrwasser des Kassenschlagers „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, der Spencer und Hill erstmals außerhalb des Western Settings etablierte. Doch obwohl der Film ganz augenscheinlich ein schnell produzierter Abklatsch ist, wartet er mit bemerkenswert abwechslungsreichen Schauplätzen in Australien, Hong Kong und Südostasien auf. Auch rein handwerklich hat Routinier Antonio Margheriti nichts anbrennen lassen und verzichtet auch diesmal nicht auf die spektakuläre Zerstörung einiger Minatur-Konstruktionen und nette Tricks mit Miniatur-Flugzeugen im Finale. Da auch die Kameraarbeit zu gefallen weiß, muss man eigentlich schon anerkennen, dass dieser Film über Qualitäten verfügt, die manch einem der später bisweilen lieblos heruntergekurbelten Streifen mit Bud und/oder Terence gut zu Gesicht gestanden hätten.

Dass die Mission der „tollen Hunde“, den Originalen zumindest annähernd das Wasser zu reichen, trotz dieser Ambitioniertheit misslingt, hat mehrere Gründe. Das fehlen eines schmissigen Ohrwurms à la Oliver Onions ist dabei noch das geringste Problem. Die Bemühungen, Spencer und Hill mit zwei den Originalen nicht wirklich ähnlich sehenden Doubles bis hin zu den exakt kopierten charakteristischen Kampftechniken (und in Deutschland auch der Synchronisation) zu plagiieren, wirken in ihrer Krampfhaftigkeit geradezu grotesk. Zudem, und das ist sogar noch schlimmer, haben die Macher überhaupt nicht verstanden, was die Erfolgsformel Spencer/Hill ausmacht: sympathische und menschliche Hauptfiguren, mit denen man sich gerne identifiziert. Während Bud Spencers Charaktere für gewöhnlich auf liebenswerte Weise naiv und von bärbeißigem Charme sind, wird bei den „tollen Hunden“ ohne Timing und Feingefühl die gefürchtete Kelle des italienischen Deppenhumors geschwungen, wodurch sein Gegenstück Percy im vorliegenden Film einfach nur grobschlächtig ist, und vor allem so dumm, dass es schon nervt.

Für eingefleischte Fans ist dieses filmische Kuriosum trotz aller Kritik einen Blick wert. Allein schon deswegen, weil er so effektiv vor Augen führt, worin letztendlich die Magie von Spencer und Hill begründet liegt: die Chemie zwischen den beiden Schauspielern, die sich nicht einfach kopieren lässt, soviel Mühe man sich auch geben mag. Übrigens war das Einspielergebnis scheinbar trotzdem groß genug, um mit „Whisky and Ghosts“ einen 1974 gestartete Nachfolger zu rechtfertigen, wiederum von Margheriti und mit den selben Hauptdarstellern. Dieser war allerdings im Wilden Westen angesiedelt und schaffte es in Deutschland entgegen der ursprünglichen Planung erst gar nicht mehr in die Lichtspielhäuser.

Abschließend noch ein Wort zur deutschen Fassung, denn eine Klasse für sich ist auch bei diesem Film die launige Synchro aus dem Hause Rainer Brandt, der hier an der Seite des großartigen Wolfgang „Buddy“ Hess übrigens höchstselbst den Terence Hill spricht. Die Sprüche sind hier sogar noch ein Stückchen derber ausgefallen als sonst, und sollten damit bei einem gepflegten Herrenabend sicherlich für den einen oder anderen Lacher gut sein.