Power Kids

Power Kids

powerkids_posterPOWER KIDS

Thailand 2009
Regie: Krissanapong Rachata
Produzenten: Prachya Pinkaew, Sukanya Vongsthapat, Panna Rittikrai
Action Supervisor: Panna Rittikrai
Drehbuch: Nonont Kontaweesook, Nepalee, Piyaros Thongdee

Darsteller:
Nantawooti Boonrapsap, Sasisa Jindamanee, Paytaai Wongkamlao,
Narawan Techaratanaprasert, Johnny Nguyen

Erinnert sich noch jemand an die Lucky Seven? Oder an die Lucky Kids? Nachdem die Thailänder, angefangen mit ONG BAK (2003), der internationalen Fangemeinde,die spätestens seit der Abwanderung aller nennenswerten Talente von Hong Kong in die die USA unwiederbringlich verloren geglaubten Martial Arts Klopper wieder gegeben haben, schicken sie sich nun an, das längst in der Versenkung verwundene Kung Fu Kids Genre wiederzubeleben. Obwohl es in diesem Falle genau genommen natürlich Muay Thai Kids sind, aber wer auf solche Nebensächlichkeiten wie Logik Wert legt, war beim thailändischen Action-Kino ja ohnehin noch nie gut aufgehoben. Besonders, wenn in den Credits die Namen Prachya Pinkaew und Panna Rittikrai prangen, wenn auch diesmal nur als Produzenten. Wofür diese Namen aber vor allem stehen, ist sinnbefreite und krachende Action bis der Arzt kommt (und zwar wortwörtlich). Nicht die schlechtesten Voraussetzungen für eine adäquate Neuauflage des Genres rund um schlagkräftige Kinder.

POWER KIDS, dessen thailändische Originaltitel soviel bedeutet wie „Fünf Krieger für das Herz“, erzählt also die Geschichte einer Gruppe von Kindern, die in der kleinen Muay Thai Schule ihres väterlichen Meisters Lek (Arunya Pawilai) in den traditionellen thailändischen Kampfkünsten unterwiesen werden. Zu ihnen zählen der coole Wut (Nantawooti Boonrapsap), das toughe Mädchen Kat (Sasisa Jindamanee aus Born to Fight) und der großschnäuzige Pong (Paytaai Wongkamlao). Auch Wuts kleiner Bruder Wun (Darun Tantiwichitwech) gehört dazu, aufgrund eines angeborenen Herzfehlers ist es ihm jedoch untersagt, am Unterricht teilzunehmen, obwohl genau dies sein größter Wunsch ist. Somit kann er aber nur wehmütig zusehen, wenn die anderen das Kämpfen üben oder vom Meister für ihre Streiche mit der Rute gezüchtigt werden. Das fünfte Power Kid im Bunde ist das Mädchen Jib (Narawan Techaratanaprasert). Sie trainiert keinen Kampfsport, sondern jobbt an einem Rennparcours für ferngesteuerte Autos und ist hin- und hergerissen zwischen ihren Freunden von der Kampfsport-Schule und den coolen jungen Schnöseln, die mit ihren Mofas an der Rennpiste abhängen.

Power Kids Power Kids Power Kids

Als Wuns Geburtstag ansteht, beschließen seine Freunde dem bemitleidenswerten Kleinen ein professionelles ferngesteuertes Rennauto zu schenken. Um das nötige Kleingeld zusammenzukratzen, ist jedoch Phantasie gefragt. So geben sie unter anderem einem unterbelichteten japanischen Touristen heimlichen Kampfsport-Unterricht. Hierbei werden sie von einem versoffenen amerikanischen Vollproleten (Richard William Lord) gestört, den die Power Kids in der ersten großen Actionszene des Films nach allen Regeln der Kunst zusammenfalten.

Letztendlich gelingt es den Kindern, das Rennauto zu erwerben und ihrem kleinen Freund damit eine große Freude zu machen. Die Freude währt jedoch nur kurz, da Wun mit seinem Auto schnurstracks zur Rennbahn stolziert und dabei mit den coolen Halbwüchsigen aneinander gerät, die ihn schikanieren. Modellautos gehen zu Bruch, und Wun wird Opfer einer Hetzjagd durch die Straßen der Stadt, in deren Verlauf sein schwaches Herz kollabiert.

Die gute Nachricht: Ein Spenderherz haben Wuns Eltern bereits bereits gefunden, es lagert im Krankenhaus einer benachbarten Stadt und muss nun kurzfristig herbeigeschafft werden. Die schlechte Nachricht: In besagtem Krankenhaus hält sich ein amerikanischer Diplomat auf, was eine von einem jungen Mädchen (Pimchanok Leuwisetpaiboon) befehligte separatistische Terrorgruppe dazu veranlasst, das Hospital zur Durchsetzung ihrer Forderungen zu besetzen. Da die Zeit drängt und auf Spezial-Einsatzkommandos wie immer kein Verlass ist, bleibt den Power Kids nichts anderes übrig, als sich selbst Zutritt zum belagerten Gebäude zu verschaffen und den Terroristen rund um Oberfiesling Pada (Johnny Nguyen) den Garaus zu machen.

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Power Kids ist ein recht kurzweiliges Filmchen mit einer höchst überschaubaren Spielzeit von gerade mal 73 Minuten (inklusive Abspann). Es ist dabei durchaus von Vorteil, dass die Filmemacher hinsichtlich der inhaltlichen Tiefe keinen falschen Illusionen erlegen sind, und das ganze Geschehen stattdessen ziemlich kompakt auf den Punkt gebracht haben. Die Schauspieler kommen sympathisch rüber und die akrobatischen Martial Arts Szenen können sich sehen lassen. Da fliegen die Knie und die Ellenbogen, und es geht einiges zu Bruch, etwa wenn Johnny Nguyen durch Glasscheiben getreten oder ihm eine im Sprung aus der Lampe gerissene Leuchtstoffröhre auf dem Kopf zerdeppert wird.

Ein anderes Manko liegt darin, dass die Darsteller der Kids vergleichsweise alt wirken. Dies hat auch mit den Problemen zu tun, die die Produktion des Films belasteten. POWER KIDS wurde 2005 begonnen, dann wegen Verletzungen und anderer Projekte einiger Darsteller auf Eis gelegt und erst Jahre später fertiggestellt, bevor er im März 2009 in die thailändischen Kinos kam. Dieser Umstand erforderte zahlreiche Neu- und Nachdrehs, was den zerfahrenen Eindruck des Films weiter verstärkt. Es erklärt auch, warum Johnny Nguyen, zwischenzeitlich zum Hauptdarsteller im vietnamesischen Actioner THE REBEL (2008) avanciert, hier mehr oder weniger als Prügelknabe verheizt wird.

Was bleibt, ist ein dennoch unterhaltsames Filmchen für zwischendurch, das zwar schnell vergessen ist, aber auf jeden Fall neugierig macht auf das, was man von dieser jungen Generation noch hören (und vor allem sehen) wird.

PS: Erwähnt werden sollte noch, dass mit der kindlichen Anführerin der Terroristen ausgerechnet einer der scheinbar aberwitzigsten Aspekte des Drehbuchs auf einer wahren Begebenheit beruht: Tatsächlich besetzte im Januar 2000 eine von zwei 12-jährigen Zwillingsbrüdern angeführte Splittergruppe der im Thailändisch-Burmesischen Grenzgebiet ansässigen Karen-Rebellen ein thailändisches Krankenhaus (siehe Link).
Link: http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/616772.stm