Bizarre Cinema ist zurück!

Bizarre Cinema ist zurück!

Hurraahh, Hurraahh,

das Bizarre Cinema ist wieder zurück. Ab jetzt immer Sonntags um 15.30 im B-Movie auf St.Pauli. Der Startschuss ertönte vergangenen Sonntag mit dem Radioaktiv-Zombie-Brezler “Großangriff der Zombies” vom Hans-Dampf-in-allen-Gassen Umberto Lenzi. Vor rappel-voller Bude wurde gestaunt, gelacht und mit den Füßen zum treibenden Score von Stelvio Cipriani gewippt. Als Appetizer gab’s eine prallgefüllte Trailer-Show mit jeder Menge Rambazamba, z.B. “Gräfin Porno von Ekstasien” oder “Die Rebellion der lebenden Leichen”. Ein bizarr-buntes Programm steht noch bevor – immer Sonntags im B-Movie. Nicht entgehen lassen!

Sonntag, 17. Januar, 15.30 Uhr: Rabid
Kanada 1977, 87 Min., Regie: David Cronenberg, Darsteller: Marylin Chambers, Frank Moore, Joe Silver
In der Keloid Clinic für plastische Chirurgie wird einer jungen Frau nach einem Motorradunfall “morphogenetisch neutralisiertes” Eigengewebe transplantiert. Schon bald erwacht die kühle Blonde mit einem neuen Körperteil unter dem Arm, und in die Korridore der modernen Medizin kehrt mittelalterliche Barbarei ein. Die letztes Jahr gestorbene Porno-Ikone Marylin Chambers entdeckt eine blutrünstige Variante des guten alten Rein-Raus-Spiels und bringt damit die Welt aus den Fugen.
Rabid
bildet gemeinsam mit Shivers (1975) und The Brood (1979) die sogenannte “Venereal Horror”-Trilogie, die David Cronenbergs Ruf als Meister des intelligenten Body-Horror begründete. In diesen Filmen wie auch in den halblangen Vorläufern Stereo und Crimes of the Future folgt der kanadische Regisseur mit kühlem Blick den bizarren Versuchen moderner Mad Scientists, in abgeschiedenen Kliniken (mit so schönen Namen wie Canadian Academy for Erotic Inquiry und House of Skin) den neuen Menschen zu kreieren. Doch die Skalpelle der Doktoren legen mit großer Präzision immer wieder nur die animalischsten Triebe des Menschen frei, Sex und Tod in schöner Eintracht. Rabid zeigt Cronenberg auf der Höhe seiner Kunst, philosophische Themen in eine ungeheuer ökonomische erzählte Geschichte zu verpacken, und bietet neben Splatter und schwarzem Humor auch ein paar tolle Actionsequenzen.

24. Januar, 15.30 Uhr: Heute ich … morgen Du! (OT: Oggi a me … domani a te!)
Italien 1968, 95 Min., DF, Regie: Tonino Cervi, Darsteller: Brad Halsey, Bud Spencer, William Berger, Tatsuya Nakadai
Rache als Motiv, ein wortkarger Düsterheld und ein Haufen verwegener Hunde (darunter ein ernst agierender Bud Spencer) gehen gegen eine skrupellose Bande vor – die Handlungsschrauben des Italowestern wären also komplett. Dario Argento hat als Drehbuchautor für ein gewisses Düsterambiente gesorgt, Nebel, Wälder, dunkle Erinnerungen und ein finsterer Bösewicht mit asiatischem Einschlag, samt angewandter Klingenkunst.

31. Januar, 15.30 Uhr: Dead Heat
USA, 1988, 86 Min., OF, Regie: Mark Goldblatt, Darsteller: Treat Williams, Joe Piscopo, Vincent Price
Dieses verlorene Schmuckstück der späten 1980er Jahre kommt als polternde Mischung aus Prolo-Action, Buddy-Movie und Prä-CGI Latex-Fun-Splatter daher. Zwei Cops stolpern während der Ermittlungen wegen einer Serie von Raubüberfällen über die dubiosen Machenschaften eines Pharmakonzerns. Der experimentiert offenbar mit einer Reanimationstechnologie der besonders wirkungsvollen Art. Im Handumdrehen ist einer der Cops tot … und dann wieder nicht. Wie tollwütig werden hier Genrekonventionen und Stereotypen herangezogen, nur um mit diebischer Freude gleich wieder überhöht und dekonstruiert zu werden. Ohne Angst vor großartigen Albernheiten und ausgezeichneten Geschmacklosigkeiten ist hier alles eine Nummer krasser: die Gauner derber, die dummen Sprüche peinlicher, die Freundschaft dicker und die Wunden offener. Es ist geradezu eine Schande, dass dieser Film nicht mehr Freunde hat. Vielleicht kann Bizarre Cinema daran ein klein wenig ändern. Mark Goldblatt hat als Regisseur nur einen einzigen weiteren Spielfilm von einiger Prominenz zu verzeichnen: die Dolph-Lundgren-Punisher-Verfilmung von 1988. Kein Wunder, ist der Mann doch hauptberuflich am Schneidetisch tätig. Zu seinen Referenzen als Cutter zählen Über-Klassiker des 80er Testosteron-Kinos wie Terminator, Rambo II und Phantom-Kommando, aber auch viele weitere Genre-Schwergewichte wie Starship Troopers, The Howling und Terminator 2. Im Geiste dieser Tradition inszenierte er diesen Glam-Pulp-Klopper mit Föhn-Frise. Brutale Zombie-Gangster, coole Zombie-Cops, Zombie-Hühner in der Küche eines chinesischen Restaurants, korrupte dekadente Firmenbosse, Schießereien am Pool, 1000 unfassbare one-liner: They don’t make ’em like this anymore!!

(Quelle: Programm auf The Wayward Cloud)