Bizarre Cinema – März Programm

Bizarre Cinema – März Programm

Bizarre Cinema, immer Sonntags im B-Movie, Hamburg.


Sonntag, 7.3.2010, 15.30 Uhr: Deathdream (a.k.a. Dead of Night)
Kanada 1974, 88 Min., 16 mm, OF, Regie: Bob Clark, Darsteller: Richard Backus, Lynn Carlin, John Marley
Das Ehepaar Brooks ereilt die Nachricht, dass ihr Sohn Andy in Vietnam gefallen ist. Die Botschaft scheint sich jedoch als Irrtum zu erweisen, als dieser nicht viel später vor der Tür seines Elternhauses auftaucht. Die anfängliche Freude wandelt sich zunehmend in Sorge, denn Andy ist nach seinen Erlebnissen im Krieg nicht mehr derselbe und legt ein gar absonderliches Verhalten an den Tag. Ist das mit PTSS zu erklären, oder hat Andy etwas mit in die Heimat zurückgebracht, das sich noch wesentlich schlechter behandeln lässt? Ein Anti-Kriegs-Statement mit den Mitteln des Horrorfilms: eine durchaus logische Entscheidung. Clarks schaurige und oft tieftraurige Ballade über den Zerfall wirkt heute leider noch genauso aktuell wie damals.
Text & Einführung: Jan Minck


Sonntag, 14.3.2010, 15.30 Uhr: Die Nacht der rollenden Köpfe (OT: Passi di danza su una lama di rasoio)
Italien/Spanien 1972, 90 Min., Regie: Maurice Pradeaux, Darsteller: Robert Hoffmann, Susan Scott (= Nieves Navarro), George Martin, Simon Andreu
Zufällig beobachtet Katja durch ein Fernglas, wie eine Frau von einem maskierten Mann mit einem Rasiermesser abgeschlachtet wird. Da ihr die Polizei zunächst keinen Glauben schenkt, betreibt sie mit ihrem Freund Alberto eigene Recherchen – und gerät bald selbst in den Fokus des Killers. Ein typischer Giallo, gewürzt mit allen Zutaten, die das Genre kennzeichnen: ein maskierter Killer, der seine Opfer aufschlitzt, kunstvoll und blutig in Szene gesetzte Morde sowie etliche Verdächtige und viel nackte Haut.
Text & Einführung: Mike Schimana


Sonntag, 21.3.2010, 15.30 Uhr: Dr. Jekyll and Sister Hyde
GB 1971, 97 Min., Regie: Roy Ward Baker, Darsteller: Ralph Bates, Martine Beswick
Na gut, die Werbung der Hammer-Studios war etwas übertrieben: Der besessene Forscher Dr. Jekyll verwandelt sich nicht “vor den Augen des Zuschauers” in eine Frau. Mit atemberaubenden Spezialeffekten kann der Film nicht aufwarten. Muss er auch nicht: Er hat ja das verführerische Ex-Bond-Girl Martine Beswick (Liebesgrüße aus Moskau), die sich hier als mörderisches Biest entpuppt – und eine interessante Antwort auf die Frage, wer Jack the Ripper wirklich war: ein Östrogen-Junkie.
Text & Einführung: Hans-Arthur Marsiske

Sonntag, 28.3.2010, 15.30 Uhr: Mädchenjagd in St. Pauli
Deutschland 1966, Regie: Günter Schlesinger
Diesen Film kennt keine Sau! Es sei denn, jemand hat ihn damals im Juli 1966 gesehen. Seitdem nie wieder gezeigt, sind wir selbst gespannt auf die vielleicht einzige Kopie, die überlebt hat. Im schwarzweißen Debütfilm des gleichfalls völlig obskuren Günter Schlesinger (Schrei nach Lust, Die Mädchen der Madame), besetzt mit lauter unbeholfenen Laiendarstellern, geht es um Barsängerinnen, die eigentlich Dirnen sind, Zuhälter, die Morde begehen, Glücksdrogen, die gefügig machen, Striptease, einen internationalen Rauschgifthändler-Ring und um einen jungen Maler, den das alles so anwidert, dass er dem Treiben der Hamburger Unterwelt schließlich Einhalt gebietet. Die wenigen Kritiken, die es überhaupt gibt, bescheinigen dem Machwerk Dilettantismus total. Fazit: spekulativ, billig, inakzeptabel. Es könnte also lustig werden. Katholischer Film-Dienst, 1966: “Was in den Dialogen an Banalitäten und Dummheiten aneinandergereiht wird, ist schwerlich noch zu unterbieten.” Evangelischer Film-Beobachter, 1966: “Günter Schlesinger, Produzent, Drehbuchautor und Regisseur in einer Person, übernahm sich mit seinem traurigen Elaborat in jeder Beziehung.”
Text & Einführung: Peter Clasen

Quelle: The Wayward Cloud