Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

Terence Hill & Bud Spencer Box No. 1

4 DVDs im Digipack, Koch Media

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Mr. Billion (1977)
Regie: Jonathan Kaplan

Auch die Engel essen Bohnen (1973)
Regie: E.B. Clucher (Enzo Barboni)

Darsteller: Terence Hill, Bud Spencer, Giuliano Gemma, Ricardo Pizzuti, Jackie Gleason

Kult ist inzwischen zwar ein ziemlich abgegriffenes Prädikat, aber zu Bud Spencer und Terence Hill passt es nach wie vor wie Buddys Faust auf die Birne seiner Widersacher. Die ungebrochene Popularität spiegelt sich auch wider in einer schier unüberschaubare Menge an DVD-Veröffentlichungen, die aber leider nur allzu oft von bestenfalls durchwachsener Qualität ist.

Dies ist bei der vorliegenden Box aus dem Hause Koch Media zum Glück nicht der Fall. Das Label hat sich mit der hervorragenden technischen Umsetzung von Genrefilmen auf DVD und Blu-ray einen sehr guten Ruf verdient. Das hübsch gestaltete Digipack, mit ablösbarem FSK-Aufkleber, enthält zum einen die beiden bereits einzeln erschienenen Terence-Hill-Filme Verflucht, verdammt und Halleluja sowie Mr. Billion. Dazu gibt es exklusiv in dieser Box eine restaurierte Neuauflage des Bud-Spencer-Streifens Auch die Engel essen Bohnen, der zuvor bereits mehrfach von anderen Labels gekürzt und in grausiger Bildqualität erschienen ist. Eine weitere exklusive Zugabe ist eine Bonus-DVD mit insgesamt 30 deutschen Kinotrailern.

Verflucht, verdammt und Halleluja (1972)

Diese Westernkomödie bekam in der DDR den etwas aussagekräftigeren Titel Ein Gentleman im Wilden Westen. Joseph „Joe“ Moore (Hill) ist ein britisches Greenhorn aus gutem Hause – studiert, kultiviert, ein echter Waschlappen eben. Und das, obwohl sein Vater ein markiger Revolverheld im Wilden Westen war. Als dieser das Zeitliche segnet, lautet sein letzter Wille, seine Kameraden mögen endlich mal einen richtigen Kerl aus dem versnobten Sohnemann machen. Und so findet sich Joseph bei Antritt seiner Erbschaft in Gesellschaft von drei schießwütigen Gaunern wieder. Ihre Bemühungen, aus Joe einen anständigen Cowboy zu machen, scheinen zunächst zum Scheitern verurteilt. Bis sich Joe Hals über Kopf in die hübsche Candida (Yanti Somer) verliebt und schmerzhaft zu der Erkenntnis gelangt, dass er seinen zu allem entschlossenen Nebenbuhler Morten (Riccardo Pizzuti) nur mit schlagkräftigen Argumenten ausstechen kann.

Verflucht, verdammt und Halleluja ist ein großartiger Film, in dem Regisseur Enzo Barboni komödiantische auch einige melancholische Aspekte auf stimmige Weise vereint. Denn zu den witzigen Szenen, die sich aus dem Aufeinanderprallen der komplett unterschiedlichen Lebensweisen der Cowboys und des Briten ergeben, gesellt sich auch eine Prise Wehmut über die ihrem Ende zugehende Wildwest-Ära, wunderbar auf den Punkt gebracht in der letzten Einstellung des Films. Obwohl weniger bekannt als Mein Name ist Nobody, ist dies der deutlich stimmigere Film und einen echter Höhepunkt in Hills Filmografie.

Dieser schöne Film hat zum Glück eine würdige DVD-Umsetzung bekommen. Das etwas weiche, aber sehr klare Bild lässt die idyllischen Schauplätze des in Jugoslawien gedrehten Western gut zur Geltung kommen. Zum Ton in deutscher, englischer und italienischer Sprache gibt es deutsche Untertiteln. Im Bonusmaterial findet sich eine recht interessante Analyse des Filmhistorikers Antonio Bruschini. Das Herzstück ist aber das ausführliche Interview mit Ricardo Pizzuti, der markante Nebenrollen als Schurke in diversen Spencer/Hill-Filmen innehatte. Pizzuti erzählt extrem von sich selbst eingenommen bereitwillig über sich und seine Karriere. Allerdings ist er wohl auch sehr verbittert, denn er lässt kein gutes Haar an Bud und Terence, für deren Erfolg er sich maßgeblich verantwortlich sieht. Es mutet zwar etwas seltsam an, dass eine solche Abrechnung unwidersprochen auf einer Hill-DVD verewigt wurde. Aber es ist doch eine hochinteressante Zugabe, die zeigt, dass nicht alles im Spencer/Hill-Kosmos nur Spaß und heile Welt ist. Zwei Trailer und eine Bildergalerie runden das Paket ab.

Mr. Billion (1977)

Guido Falcone (Hill) ist ein bescheidener Automechaniker und Tagträumer mit einem Faible für klassische Hollywoodfilme. Als sein Onkel, ein schwerreicher Unternehmer, verstirbt, vermacht dieser ihm sein gesamtes Vermögen – eine Billion Dollar! Die einzige Bedingung: Guido muss rechtzeitig beim Firmensitz in San Francisco sein. Dem Aufsichtsrat der Firma schmeckt das Ganze natürlich gar nicht, und er setzt alles daran, den Italiener am Antritt seines Erbes zu hindern. Für Guido wird die unverhoffte Reise in sein Traumland USA damit zur turbulenten Hatz von Ost- zu Westküste.

Mit Mr. Billion wollte man den europäischen Superstar Terence Hill mittels einer Variation des Kassenschlagers Ein ausgekochtes Schlitzohr auf dem US-amerikanischen Markt etablieren. Und dieses Vorhaben ließ sich die 20th Century Fox auch durchaus etwas kosten, denn neben Hills charmantem Mimenspiel fährt der Film auch einiges an Schauwerten auf. Abgesehen von den zahlreichen Drehorten und den Zerstörungen, die zu einem Film dieser Art gehören, gefällt vor allem der dramatisch gefilmte Showdown in den Rocky Mountains. Was dem Film allerdings fehlt, ist die erforderliche Spritzigkeit, wodurch Mr. Billion dann leider doch ein über weite Strecken etwas zäher Streifen geworden ist.

Die DVD enthält den Film im originalen Kinoformat und bietet neben der deutschen Synchronfassung auch den englischen Originalton, zu dem es aber leider keine Untertitel gibt. Ein paar Extras gibt es auch noch, wobei neben zwei Trailern und einer Bildergalerie insbesondere die alte deutsche Super-8-Fassung ein Kuriosum darstellt, die den kompletten Film in einer Vierteilstunde zusammenfasst!

Auch die Engel essen Bohnen (1972)

New York in den 1930ern: Charlie Smith (Spencer) verdingt sich äußerst erfolgreich als maskierter Wrestler, während der verträumte Sonny (Guliano Gemma) als Tunichtgut in den Tag hinein lebt. Durch Zufall belauscht Sonny ein Gespräch zwischen der örtlichen Mafia und Charlie. Dieser soll auf Geheiß des Paten (Robert Middleton) seinen nächsten Kampf verlieren. Sonny wittert seine Chance und verwettet sein letztes Geld. Doch Charlie denkt nicht daran, seinen Kampf zu verlieren, und somit sind am Ende beide gemeinsam auf der Flucht. Um an Geld zu kommen beschließen sie, selbst bei der Mafia anzuheuern. Da niemand das Gesicht des Maskenmannes kennt, funktioniert dies sogar und kurze Zeit später streifen Charlie und Sonny als Schutzgeldeintreiber durchs Viertel. Dabei plagt sie jedoch schnell das Gewissen und sie zetteln stattdessen einen Bandenkrieg zwischen den Familien an …

Auch die Engel essen Bohnen gilt zu Recht als einer der besten Solofilme Spencers. Das Gangsterfilm-Setting ist stimmig, die Darstellerriege bestens aufgelegt und das Drehbuch vollbringt auch hier den Spagat zwischen dem typischen Humor und einigen nachdenklichen Szenen. Diese sind zwar teilweise etwas zu dick aufgetragen, heben den Film aber effektiv über schlichtes Klamauk-Niveau. Das offensichtlichste Manko des Films ist, dass es ein Spencer/Hill-Film ohne Hill ist. Allerdings ist Giuliano Gemma ein absolut sympathischer Schauspieler ist, der seine Sache ganz hervorragend macht, ohne dabei wie ein bemühter Terence-Klon zu wirken.

Die Veröffentlichungsgeschichte von Auch die Engel essen Bohnen ist eine ziemlich verwegene. Zur Erstaufführung straffte der deutsche Verleih die gut zweistündige italienische Originalfassung leicht um etwa drei Minuten. Richtig rabiat wurde man dann anlässlich der Wiederaufführung, wo der Film dann Der Dicke in Amerika hieß und um eine weitere halbe Stunde (!) gekürzt wurde. Eine alternative Filmfassung bekamen hingegen die Spanier, die den Film mitproduzierten: auch diese Version ist kürzer als die Originalfassung, enthält dafür aber einige zusätzliche Szenen der mitwirkenden spanischen Schauspieler.

Koch Media haben das einzig richtige gemacht und präsentieren den Film in der ungekürzten und restaurierten italienischen Originalfassung, wobei die Dialoge in den einstmals gekürzten drei Minuten untertitelt wurden. Die für die Handlung unwichtigen, aber für den Fan sicherlich interessanten Zusatzszenen der spanischen Fassung finden sich untertitelt im Bonusmaterial. Ebenso mit an Bord ist der gut zwanzigminütige erste Teil der vierteiligen Super-8-Fassung als Relikt aus der Heimkino-Steinzeit. Ebenfalls von Super 8 stammt der Trailer zur gekürzten Der Dicke in Amerika-Fassung, der schon beinahe bizarr ist, da er Giuliano Gemma komplett unterschlägt und ein völlig falsches Bild vom Film vermittelt. Eine Bildergalerie und den Vorspann in verschiedenen Sprachen gibt es zu guter Letzt auch noch.

Bonus-Disc: Terence Hill Trailer-DVD

Als besonderes Extra spendierte Koch der Box noch eine Bonus-DVD mit 30 deutschen Original-Kinotrailern zu Terence Hills Solofilmen und zu den Duo-Filmen mit Bud Spencer. Da kommt dann nochmal richtig Freude auf und der heimische Fernseher wird zum Bahnhofskino, wenn grelle Montagen und markige Sprüche von den neusten Spencer/Hill-Krachern künden, die es „demnächst in diesem Theater“ zu bestaunen gibt! Manche der Trailer sind hier zum ersten Mal auf DVD verewigt und es gibt die eine oder andere Kuriosität zu entdecken: So wird Terence Hill im Trailer zu Der Supercop von Colt Seavers‘ deutscher Stimme Hans Werner Bussinger gesprochen (im Film selbst tat das wie gehabt Thomas Danneberg), während in der Vorschau zu Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle zwar die vertrauten Stimmen von Hess und Danneberg zu hören sind, diese aber andere Sprüche bringen als im Film.

Fazit

Ein schönes Paket, das man hier mit dieser Box geboten bekommt. Alle drei DVDs wissen technisch zu überzeugen und die Trailer-DVD ist eine schöne Beigabe mit Ablach-Garantie. Das macht Lust auf mehr. Bleibt also zu hoffen, dass auf Box No. 1 auch eine No. 2 folgen wird. Dann wäre es schön, wenn auch mal ein Duo-Film von Koch aufpoliert würde. Und vielleicht erblicken ja tatsächlich mal die schon vor einem knappen Jahrzehnt von Rainer Brandt mit Thomas Danneberg synchronisierten Testfolgen von Don Matteo das Licht der DVD-Welt? Bisher sind diese ja lediglich im iTunes Store erschienen. Ich bin gespannt…

Technische Ausstattung:

DVD 1: Verflucht, verdammt und Halleluja
Bildformat: 2,35:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial:
• Profession: Acrobat – Interview mit Ricardo Pizzuti (35:14)
• E Poi Lo Chiamarono Il Magnifico – Filmanalyse von Filmhistoriker Antonio Bruschini (14:13)
• Deutscher Trailer (2:17)
• Amerikanischer Trailer (2:03)
• Bildergalerie

DVD 2: Mr. Billion
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen. Deutsch, Englisch, Italienisch
Untertitel: keine
Bonusmaterial:
• Super-8-Fassung (16:03)
• Deutscher Trailer (2:00)
• Amerikanischer Trailer (2:04)
• Bildergalerie

DVD 3: Auch die Engel essen Bohnen
Bildformat: 1,85:1 (anamorph)
Sprachen: Deutsch, Englisch
Untertitel: Deusch (nur für die unsynchronisierten Stellen)
Bonusmaterial:
• Vorwort von Bud Spencer (1:10)
• Zusätzliche Szenen aus der spanischen Fassung (spanisch mit dt. Untertiteln 4:54)
• Teil 1 der Super-8-Fassung (20:58)
• Deutscher Trailer Auch die Engel essen Bohnen (3:27)
• Deutscher Trailer Der Dicke in Amerika (2:58)
• Alternative Vorspänne: Deutsch, englisch, spanisch, französisch
• Bildergalerie

DVD 4: Terence Hill Trailer-DVD
30 deutsche Original-Kinotrailer:
• Winnetou 2
• Unter Geiern
• Der Ölprinz
• Old Surehand
• Django und die Bande der Gehenkten
• Gott vergibt, Django nie (2 Trailer: ernste Fassung & Comedy-Fassung Zwei vom Affen gebissen)
• Die rechte und die linke Hand des Teufels
• Freibeuter der Meere
• Vier Fäuste für ein Halleluja (2 Trailer)
• Verflucht, verdammt und Halleluja
• Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle
• Mein Name ist Nobody
• Zwei wie Pech und Schwefel
• Zwei Missionare
• Nobody ist der Größte
• Zwei außer Rand und Band (2 Trailer)
• Marschier oder stirb
• Mr. Billion
• Zwei hau’n auf den Putz
• Zwei sind nicht zu bremsen
• Das Krokodil und sein Nilpferd
• Der Supercop
• Zwei bärenstarke Typen
• Vier Fäuste gegen Rio
• Die Miami-Cops
• Renegade
• Die Troublemaker

Herzlichen Dank an KOCH MEDIA für das Bereitstellen des Rezensionsexemplars.

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Zwei tolle Hunde in Hongkong

tollehunde_plakatZwei tolle Hunde in Hongkong

Originaltitel: Ming, Ragazzi!

Italien 1973
104 Minuten (Kino), 2.35:1
Kinostart: 31. Januar 1974 (Deutschland)

Regie: Antonio Margheriti (als Anthony M. Dawson)
Darsteller: Fred Harris, Tom Scott, Jolina Mitchell, George Wang, Luciano Pigozzi (als Alan Collins), Chai Lee, Sue Chang

Percival (Fred Harris) und Dino (Tom Scott) sind ein ungleiches Duo, das sich regelmäßig in den haarsträubendsten Situationen wiederfindet. Schuld daran ist neben der Respektlosigkeit des schlitzohrigen Dino meist die ungestüme Art des bulligen Percy, der seine Kräfte einfach nicht unter Kontrolle hat. Nachdem er trotz guter Absichten die Baustelle in Schutt und Asche gelegt hat, auf der die beiden in Sidney ihre Brötchen verdienen, stehen sie auf der Straße und geraten prompt in die nächste Konfrontation: In einem Lokal nehmen sie ein randalierendes Football-Team auseinander.

Damit erregen sie die Aufmerksamkeit des chinesischen Inhabers, der das schlagkräftige Duo bittet, in Hongkong seinen Sohn aus den Händen seiner Ex-Frau und ihres neuen Gatten Hung Lo rauszuhauen. Dino und Percy lehnen zunächst ab, doch angesichts eines Angebotes über 100.000 Dollar lösen sie schließlich doch das Flugticket nach Asien. Dort werden sie nicht nur von einer Vielzahl mehr oder minder fähiger Häscher Hung Los in Empfang genommen, sondern lassen sich die Köpfe auch noch von zwei hübschen Chinesinnen verdrehen.

An einen Film wie diesen kann man eigentlich nur mit den niedrigsten Erwartungen herantreten. Denn eine dreiste Bud Spencer und Terence Hill Kopie, das kann eigentlich nur in die Hose gehen. Natürlich ist dies auch im vorliegenden Fall bei den Abenteuern der „tollen Hunde“ der Fall, und doch ist er in mindestens zweierlei Hinsicht durchaus interessant. Denn zum einen sagt der Film so einiges über das Phänomen Spencer/Hill aus, und zum anderen überrascht der bemerkenswerte Aufwand, den die Macher hier an den Tag legten.

„Zwei tolle Hunde in Hongkong“ entstand 1973 relativ am Beginn der großen Erfolgsära des Prügelduos, im Fahrwasser des Kassenschlagers „Zwei Himmelhunde auf dem Weg zur Hölle“, der Spencer und Hill erstmals außerhalb des Western Settings etablierte. Doch obwohl der Film ganz augenscheinlich ein schnell produzierter Abklatsch ist, wartet er mit bemerkenswert abwechslungsreichen Schauplätzen in Australien, Hong Kong und Südostasien auf. Auch rein handwerklich hat Routinier Antonio Margheriti nichts anbrennen lassen und verzichtet auch diesmal nicht auf die spektakuläre Zerstörung einiger Minatur-Konstruktionen und nette Tricks mit Miniatur-Flugzeugen im Finale. Da auch die Kameraarbeit zu gefallen weiß, muss man eigentlich schon anerkennen, dass dieser Film über Qualitäten verfügt, die manch einem der später bisweilen lieblos heruntergekurbelten Streifen mit Bud und/oder Terence gut zu Gesicht gestanden hätten.

Dass die Mission der „tollen Hunde“, den Originalen zumindest annähernd das Wasser zu reichen, trotz dieser Ambitioniertheit misslingt, hat mehrere Gründe. Das fehlen eines schmissigen Ohrwurms à la Oliver Onions ist dabei noch das geringste Problem. Die Bemühungen, Spencer und Hill mit zwei den Originalen nicht wirklich ähnlich sehenden Doubles bis hin zu den exakt kopierten charakteristischen Kampftechniken (und in Deutschland auch der Synchronisation) zu plagiieren, wirken in ihrer Krampfhaftigkeit geradezu grotesk. Zudem, und das ist sogar noch schlimmer, haben die Macher überhaupt nicht verstanden, was die Erfolgsformel Spencer/Hill ausmacht: sympathische und menschliche Hauptfiguren, mit denen man sich gerne identifiziert. Während Bud Spencers Charaktere für gewöhnlich auf liebenswerte Weise naiv und von bärbeißigem Charme sind, wird bei den „tollen Hunden“ ohne Timing und Feingefühl die gefürchtete Kelle des italienischen Deppenhumors geschwungen, wodurch sein Gegenstück Percy im vorliegenden Film einfach nur grobschlächtig ist, und vor allem so dumm, dass es schon nervt.

Für eingefleischte Fans ist dieses filmische Kuriosum trotz aller Kritik einen Blick wert. Allein schon deswegen, weil er so effektiv vor Augen führt, worin letztendlich die Magie von Spencer und Hill begründet liegt: die Chemie zwischen den beiden Schauspielern, die sich nicht einfach kopieren lässt, soviel Mühe man sich auch geben mag. Übrigens war das Einspielergebnis scheinbar trotzdem groß genug, um mit „Whisky and Ghosts“ einen 1974 gestartete Nachfolger zu rechtfertigen, wiederum von Margheriti und mit den selben Hauptdarstellern. Dieser war allerdings im Wilden Westen angesiedelt und schaffte es in Deutschland entgegen der ursprünglichen Planung erst gar nicht mehr in die Lichtspielhäuser.

Abschließend noch ein Wort zur deutschen Fassung, denn eine Klasse für sich ist auch bei diesem Film die launige Synchro aus dem Hause Rainer Brandt, der hier an der Seite des großartigen Wolfgang „Buddy“ Hess übrigens höchstselbst den Terence Hill spricht. Die Sprüche sind hier sogar noch ein Stückchen derber ausgefallen als sonst, und sollten damit bei einem gepflegten Herrenabend sicherlich für den einen oder anderen Lacher gut sein.

Terence Hill & Bud Spencer Chronicles

spencerhill_coverTerence Hill & Bud Spencer Chronicles

Autor: Tobias Hohmann
Umfang: 448 Seiten, 7 Aufklappseiten
Format: 21,8 x 30,4 cm, Hardcover
Verlag: MPW (Januar 2010)

Diese beiden bedürfen keiner Vorstellung: Bud Spencer und Terence Hill sind Kult. Beispiellos ist die ungebrochene Popularität ihrer Filme, die seit knapp vier Jahrzehnten nun schon mehrere Zuschauergenerationen in ihren Bann ziehen. Die illustren Abenteuer der schlagfertigen Zwei kennt, Kabelfernsehen sei dank, auch heute noch jedes Kind. Vielleicht hat es ja deswegen nie ein Verlag für notwendig gehalten, Werk und Werdegang der beiden Haudegen ein Buch zu widmen. Ein großer Fehler, allein schon angesichts der durch zahllose Umtitelungen und bis zu drei verschiedenen deutschen Synchronfassungen selbst für eingefleischte Fans oft unüberschaubaren Filmografie. Diesem unseligen Umstand verspricht der Autor Tobias Hohmann mit seinem Buch endlich Abhilfe zu verschaffen.

Die „TERENCE HILL & BUD SPENCER CHRONICLES“ starten überzeugend mit einem Vorwort von Oliver Kalkofe, der genau den richtigen Ton trifft, und dessen warmherzige Worte für das kultige Duo einem Großteil der Fans aus dem Herzen sprechen dürften. Es folgen die Biografien von Bud und Terence, wobei insbesondere der als Carlo Pedersoli geborene Bud Spencer bekanntermaßen eine höchst interessante Karriere u. a. als Jurist, Olympiateilnehmer, Pilot, Textilunternehmer absolviert hat.

Den Löwenanteil des Buches nimmt die Filmografie in Beschlag. Der Autor hat dabei einen guten Weg gefunden, diese so schlüssig wie möglich aufzubereiten. Er handelt die einzelnen Epochen zunächst in einem Fließtext, und bespricht die wichtigsten Filme anschließend im Rahmen eigener Kapitel umfangreich, wobei er Serien oder logisch zusammengehörende Filme zu einem Block zusammenfasst. Zu guter Letzt gibt es dann schließlich die Daten zu allen Filmen in geballter Form, inklusive Episodenführern zu den verschiedenen TV-Serien.

Aufgelockert wird das Buch durch Biografien von Wegbegleitern von Statisten wie Riccardo Pizzuti oder Musikern wie den Oliver Onions, Interviews und einigen kurzen Kapiteln u.a. zu den deutschen Fassungen. Diese legten ja insbesondere mit den Schnodder-Synchros aus dem Hause von Rainer Brandt einen Grundstein für den Kultstatus in Deutschland, tat einigen Filmen mit unpassenden Neusynchronisationen und Sinn entstellenden Kürzungen aber auch Gewalt an. Ein anderes Kapitel behandelt einige der bizarren Plagiate mit Spencer-Hill-Doubles, mit denen unerschrockene Produzenten in bester Italo-Cinema-Manier vom Boom der Originale profitieren wollten.

Es darf aufgeatmet werden: Das Buchprojekt kann guten Gewissens als gelungen bezeichnet werden. Wie bereits angedeutet gelingt es Tobias Hohman erstaunlich gut, Ordnung in die komplexe Filmografie zu bringen. Hoch anzurechnen sind auch die vielen Zusatzinformationen und die Interviews, die vom Autor mit Kollegen und Regisseuren geführt wurden. Inhaltlich können die Kapitel zu den Filmen überzeugen, da der Autor bei aller Verehrung trotzdem eine gewisse Objektivität wahrt und die leider oftmals zahlreichen Schwachpunkte der Filme, auch offen anspricht, ohne dass dies in Miesepeterei ausartet.

Womit auch ich bei den Schwächen dieses Buches angekommen wäre. Neben kleineren stilistischen Auffälligkeiten wie das Wiederholen der selben Formulierung in aufeinander folgenden Sätzen, sind dies vor allem eine Reihe von Rechtschreibfehlern. Diese hätten sich auch ohne kostspieliges Lektorat durch einmaliges Drüberlesen eines sprachlich halbwegs sattelfesten Fans größtenteils verhindern lassen. Wie wenig Augenmerk der Verlag auf diese Dinge legt, erkennt man schon am Einband: auf dem Buchrücken prangen groß die Namen „Terence Hill“ und „Spencer Bud“(!). Ärgerlich, dennoch kann man unterm Strich die Bilanz ziehen, dass diese Fehler den Gesamteindruck des umfangreichen Buches nur unwesentlich trüben.

Die Aufmachung des Buches, das mit zwei verschiedenen Covermotiven erhältlich ist, ist typisch für den MPW Verlag, sprich kunterbunt. Was in diesem Fall auch wunderbar passt, da die Filme stets mit knalligen Plakatmotiven vermarktet wurden. Layouter Frank Mertens hat aus dem Vollen geschöpft und präsentiert einen Großteil der Plakatmotive sowie viele Aushangfotos. Die Qualität ist dabei meist tadellos, und besonders gefallen eine Reihe von Ausklappseiten, auf denen querformatige Plakatmotive extragroß dargestellt sind.

Fazit: Mit den TERENCE HILL & BUD SPENCER CHRONICLES ist ein überzeugendes Buch erschienen, das alle Fans insbesondere mit seiner schlüssigen Filmografie und den umfangreichen Bildmaterial begeistern dürfte. Die vorhandenen Fehler sind in Anbetracht der Fülle an Informationen zu verschmerzen. Vor allem wenn man bedenkt, mit was für lieblosen Veröffentlichungen der Filme Freunde des Prügelduos seit jeher gestraft sind, kann man nur dankbar sein dafür, dass das kultige Phänomen nun endlich einmal mit gebührender Hingabe abgehandelt wurde.

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