The Raid

The Raid
The Raid

Originaltitel: Serbuan maut

Indonesien 2011

Regie, Buch und Schnitt: Gareth Evans

Darsteller: Iko Uwais, Joe Taslim, Donny Alamsyah, Yayan Ruhian, Pierre Gruno, Tegar Setrya, Ray Sahetapy

Laufzeit: 101 Minuten (Kino)
Bildformat: 1:1,78

Kinostart: 12.07.2012

Mit THE RAID melden sich zwei alte Bekannte zurück: Der walisische Regisseur Gareth Evans und sein indonesischer Hauptdarsteller Iko Uwais. Mit ihrem zwar nicht wirklich bahnbrechenden, aber immerhin knochenbrechenden Erstlingswerk MERANTAU (Review) schufen sie einen Film, der einiges an Potential erkennen ließ und Neugier weckte auf weitere Filme aus Indonesien. Lange Zeit war es still, und dann plötzlich war THE RAID in aller Munde. Mit immer neuen, spektakulären Ausschnitten und Teasern wurde ein riesiger Internet-Hype angefacht, und Filmfans in aller Welt fieberten dem sich ankündigenden Spektakel entgegen. Derzeit läuft THE RAID in den deutschen Kinos.

In einem heruntergekommenen Viertel Jakartas liegt ein riesiger Wohnkomplex, in dem der skrupellose Gangsterboss Tama Riyadi seine Machtzentrale eingerichtet hat. Die übrigen Bewohner setzen sich zusammen aus seinen Handlangern und diversen zwielichtigen, von der Gesellschaft ausgestoßenen Gestalten auf der Flucht vor dem Gesetz. Weder der Staatsmacht noch den verfeindeten Syndikaten ist es bislang gelungen, das Gebäude einzunehmen und zu Tama Riyadi vorzudringen.

Das soll sich nun ändern. Eine Spezialeinheit der Polizei erhält den konspirativ vorbereiteten Auftrag zur Erstürmung des Hochhauses. Einer von ihnen ist Rama (Iko Uwais), ein junger Polizist und angehender Vater. Nachdem er und seine Kollegen in einem knappen Briefing mit den wenigen bekannten Fakten über die Drahtzieher und ihre Machenschaften versorgt wurden, beginnen sie im Morgengrauen unter der Führung von Sergeant Jaka und dem erfahrenen Lieutenant Wahyu den Sturm auf das Gebäude.

Zunächst läuft alles nach Plan und die schwerbewaffnete Truppe arbeitet sich Zimmer für Zimmer und Stockwerk um Stockwerk nach oben. Doch als Späher auftauchen und der erste Schuss fällt, bricht die Hölle über die Männer herein. Sie sitzen in dem unübersichtlichen und durch Kameras überwachten Haus in der Falle und werden von allen Seiten gnadenlos von den Schergen Tamas angegriffen und dezimiert. Dabei kommt von Schusswaffen und Macheten bis hin zu Fäusten und Knien alles zum Einsatz, was die Gesetzlosen an Waffen aufbieten können.

Soweit die überschaubare Ausgangssituation für die großangelegte Actionorgie, die den überwiegenden Teil der Laufzeit von THE RAID in Beschlag nimmt. Natürlich ist die Kommandoaktion von offizieller Seite her nicht autorisiert und gibt es keine Verstärkung. Natürlich verfolgt der befehlshabende Lieutenant eigene Ziele. Und natürlich hat auch Protagonist Rama noch etwas in privater Sache in dem Gebäude zu erledigen.

Actionfilme aus Asien haben wir im Fahrwasser von ONG BAK in den letzten Jahren so einige gesehen. Was THE RAID vor allem auszeichnet ist, dass sich der Film ernst nimmt und völlig auf grellen Humor und dick aufgetragenen Kitsch verzichtet. Zwei für asiatische Filme geradezu typische Komponenten die dazu führten, dass zahlreiche Streifen trotz vorhandener filmischer Finesse stets ein stückweit in die Trash-Ecke gedrängt und vom breiten Publikum nicht wirklich für voll genommen wurden. Die Macher von THE RAID machen stattdessen aus der aufs Wesentliche reduzierten Handlung eine Tugend: dadurch, dass der Zuschauer kaum mehr weiß als die Mitglieder der Spezialeinheit, ist der Film von der ersten Minute an ungemein packend und schafft es durch den Verzicht auf unnötigen Ballast, seine Spannung über die gesamte Laufzeit konsequent aufrecht zu erhalten.

Herzstück des Films sind die zahlreichen Kampfszenen, die sich in den klaustrophobischen Räumlichkeiten des abgewrackten Gebäudekomplexes entspinnen. Hier beweisen die indonesischen Kampfsport-Akrobaten eindrucksvoll, dass sie keine Vergleiche scheuen müssen. Die Fights sind knüppelhart, rasant und ausschweifend inszeniert. Gekämpft wird mit allem, was das Arsenal der Gesetzlosen hergibt oder was gerade zur Hand ist. Die Akrobatik wirkt dabei nicht aufgesetzt nach dem Motto “wir haben zwar Schusswaffen, aber erstmal wird geprügelt”, sondern ist glaubwürdig in die Kämpfe integriert.

Die Schauspieler machen ihr Sache gut, werden aber über die Action hinaus auch nicht wirklich gefordert. Hauptdarsteller Iko Uwas ist ein sympathischer Typ, und auch wenn ihm etwas das Charisma eines Jet Li oder Tony Jaa abgeht, würde ich ihn gerne wiedersehen. Auch vom Rest der Action-Crew werden wir zukünftig hoffentlich noch einiges hören und sehen. Der Soundtrack wurde auf bestreben von Sony Pictures für die internationale Auswertung von Mike Shinoda (Linkin Park) and Joseph Trapanese überarbeitet. Dieser Schachzug sorgte im Vorfeld für einige Kritik, letztendlich fügt sich der moderne und treibende Score aber passend in den Film ein und wirkt keineswegs deplatziert. Trotzdem ist zu hoffen, dass der originale Soundtrack zumindest auf den Heimkinoveröffentlichungen mitenthalten sein wird.

Wer auf atemberaubende, handgemachte Action steht, sollte sich THE RAID keinesfalls entgehen lassen. Und da es der Film dank Koch Media in die deutschen Kinos geschafft hat, kann man ihn hierzulande derzeit sogar auf der großen Leinwand genießen.

Merantau – Deutsche DVD / Blu-ray

,Meister des Silat‘ bald bei uns auf DVD / Blu-ray

merantau-dvd-art-3d.jpgMit „Merantau“ konnte Indonesien erstmals eindrucksvoll sein Potential unter Beweis stellen, beeindruckende Martial-Arts-Action auf inter-nationalem Niveau abzuliefern. Mit dem sympathischen und (natürlich genauso wichtig) kampfsportlerisch extrem talentierten Hauptdarsteller Iko Uwais wandelt der Film auf den Pfaden von Ong Bak. Dass der Film dabei eine sehr gute Figur und Lust auf mehr macht, haben wir bereits im Juni in unserem Review festgestellt.

In Deutschland hat sich nun die Firma Sunfilm des Films angenommen und veröffentlicht ihn als „Merantau – Meister des Silat“ auf DVD und Blu-ray Disc. Enthalten sein wird die internationale Schnittfassung, die von der FSK ungekürzt ab 18 freigegeben wurde. Verkaufsstart ist am 3. Dezember 2010, bereits am 5. November wird der Film in den Verleih kommen.

DVD:
Bild: 1,78:1 (anamorph)
Tonspuren: Deutsch DD 5.1 / DTS, Indonesisch DD 5.1
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making of Featurette, Deleted Scenes, Trailer

Merantau – Meister des Silat (DVD) bei Amazon.de bestellen

Blu-ray:
Bild: 1,78:1, 1080p/24
Tonspuren: Deutsch DTS-HD 7.1, Indonesisch DTS Master Audio 5.1
Untertitel: Deutsch
Bonus: Making of Featurette, Deleted Scenes, Trailer

Merantau – Meister des Silat (Blu-ray) bei Amazon.de bestellen

Merantau – Meister des Silat

Merantau-2009

Merantau – Meister des Silat

Original: Merantau

Indonesien 2009
107 Minuten (Int. Cut, PAL), 134 Min. (Dir. Cut, PAL), 1,78:1
Regie: Gareth Evans
Buch: Gareth Evans, Daiwanne Ralie
Kamera: Matt Flannery
Musik: Fajar Yuskemal Tamin, Aria prayogi
Action-Choreographie: Edwel Datuk rajo gampo alam & Team Silat Harimau

Darsteller: Iko Uwais, Sisca Jessica, Christine Hakim, Donny Alamsyah, Yusuf Aulia, Laurent Buson, Alex, Abbad, Mads Koudal, Ratna Galih, Yayan Ruhian

MERANTAU soll der neuste Nonstop Actioner aus Asien sein, genauer gesagt diesmal aus Indonesien. Moment mal, zählen wir mal zusammen was wir da auf der Liste schon hätten: Südkorea, Hongkong Kong, Japan, Philippinen, Vietnam, China und natürlich Thailand. Alle diese Länder hatten schon ihren mehr oder weniger Non-Stop-Actioner, logisch das jetzt jedes andere Land auch was von dem leckeren und viel versprechenden Kuchen haben möchte. Denn richtige Handkanten Action ist im Mainstream-Kino schließlich Mangelware geworden. Beworben wird MERANTAU, der ganz frisch auf UK-DVD erschienen ist, mit folgenden Spruch auf dem dem Cover: ALL NEW STAR, ALL NEW MOVES, ALL NEW ACTION – das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen…

Kommen wir an dieser stelle erst mal zu Story von MERANTAU. Minangkabau bei West Sumatra, Yuda (Iko Uwais) beim täglichen Training, bereitet sich in seinem Dorf auf sein MERANTAU vor, eine Tradition die seit vielen Jahren von den männlichen Dorfbewohnern vollzogen wird. Sie werden losgeschickt um eine eigene Existenz zu Gründen und so zum Mann zu werden. Vielleicht vergleichbar mit folgender Weisheit im Westen: ein Mann muss einen Baum Pflanzen, ein Haus bauen, und ein Kind zeugen – erst dann ist er ein Mann. Yuda packt also seine sieben Sachen und macht sich auf den Weg nach Jakarta, wo er eine Kampfschule eröffnen möchte. Doch alles kommt anders als geplant, er trifft auf Astri, die in den Fängen von einem Mädchenschmugglerring geraten ist. Klar das Yuda da nicht einfach zusehen wird und Astri sofort unter die Arme greift.

MERANTAU bemüht sich anfangs noch, seine Story zu erzählen und die Charaktere einzuführen. Was aber nach einer guten halben Stunde schnell vergessen scheint, dreimal dürft ihr raten: die Story! -Wen wundert’s aber auch? Auf der UK-DVD befindet sich der Internationale Cut, der fast 30 Minuten kürzer läuft als der ursprüngliche indonesische Cut. Dieser ist mir nicht bekannt, aber da ich nicht unbedingt davon ausgehe, dass 30 Minuten Action heraus genommen wurden, ist es vielleicht die richtige Entscheidung gewesen, die Lauflänge auf 107 Min. einzudampfen.Die Geschichte um Yuda und Astri gibt einfach nicht mehr her. MERANTAU will ein Actionfilm sein, und die Action bekommt man im internationalen Cut auch genug zusehen. Wenn nach einer halben Stunde die erste Klopperei über den Bildschirm flimmert atmet der Fan auf und wird ab dann auch nicht mehr losgelassen. Kommen wir zu dem Covertext: „ALL NEW STAR“, Iko Uwais also, der neue Mann am Martial Arts Himmel? Nachdem Tony Jaa sich nach ONG BAK 3 laut Presseberichten (mal wieder) auf einen Selbstfindungstrip ins Kloster gemacht hat, könnte dieser Slogan sogar zutreffen. Das nötige Aussehen und die Kunst sich zu bewegen und zu Kämpfen bringt Iko Uwais sicherlich mit. Was seine schauspielerische Leistung anbelangt, diese geht von traurig bis grimmig und wieder zurück, die weiß genau so zu überzeugen, wie bei seinen Kollegen Tony Jaa und Konsorten. Also zu vernachlässigen, wir wollen auch Action sehen, nicht wahr?

„ALL NEW MOVES“, das ist schwierig – wer Tony Jaas Karriere verfolgt hat, und auch gerne mal Martial-Arts Filme aus Asien schaut, hat schon einen breiten Horizont in diesem Bereich und wird sich nicht automatisch bei gelungen Aktionen von Yuda vor Freude in die Hose lullern. MERANTAU bittet nicht viele neue Moves, aber einige tolle Aktionen sind schon dabei. Ob diese aber im Langzeitgedächtnis hängen bleiben, hängt wahrscheinlich vom Betrachter und dessen Martial-Arts Konsum ab. Mich hat Iko Uwais in seiner Performance zwar überzeugt, aber neue Tricks konnte er mir nicht zeigen.

„ALL NEW ACTION“, die Choreographie der einzelnen Szenen kann man durchaus als gelungen bezeichnen. Die eine mehr innovativ als die andere. Hier und da mit ‚Wire-Technik‘ und in der nächsten Szene mal ohne. Eine tolle Szene ohne Cut, wie wir sie aus TOM YUM GOONG kennen, gibt es natürlich auch zu bewundern. Ansonsten sind die üblichen Stürze von Gebäuden, die uns zusammen zucken lassen, und ein wenig Blut, dass durch die Gegend spritzt mit von der Partie. Alles im Allem ein gelungener Cocktail, der zwar nicht viel anders schmeckt als seine Mitstreiter aber durchaus eine eigene Nuance durchblitzen lässt.

Bleibt hinzuzufügen, „ALL NEW BUT NOTHING DIFFERENT“.

merantau-dvd-art-3dNachtrag (19. Oktober 2010):

Am 3. Dezember 2010 erscheint der Film als „Merantau – Meister des Silat“ in Deutschland über Sunfilm auf DVD und Blu Ray Disc. Diese enthalten die internationale Schnittfassung, die von der FSK ungekürzt ab 18 freigegeben wurde.
Neben der deutschen Synchronfassung werden sich die indonesische Originaltonspur mit deutschen Untertiteln, eine Making-Of- Featurette sowie Deleted Scenes auf den Discs befinden.

Merantau – Meister des Silat (DVD) bei Amazon bestellen
Merantau – Meister des Silat (Blu-ray) bei Amazon bestellen