NAUSICAÄ OF THE
VALLEY OF THE WIND


Deutscher Titel
Warriors Of The Wind
Sternenkrieger


Alternativ-Titel

Kaze No Tani No Naushika
Warriors Of The Wind
 



  Land : Japan   Regie : Hayao Miyazaki
  Jahr : 1984   Produzent : Isao Takahara
  Laufzeit : 116 min.   Drehbuch : Hayao Miyazaki
  Format : 1.85:1   Kamera : Hideshi Kyonen
     Musik : Joe Hisaishi
     Mangavorlage : Hayao Miyazaki

Sprecher
Sumi Shimamoto * Goro Naya * Yoshiko Sakakibara
Ichiro Nagai
* Mahito Tsujimura * Yoji Matsuda * Iemasa Kayumi



Nachdem die Menschheit vor eintausend Jahren mit Umweltverschmutzung und Atomkriegen den Weg für die kommen-
den Ereignisse geebnet hatte, brachten schließlich biomechanische Kampfkolosse, so genannte "God Warriors", in den
"Sieben Tagen des Feuers" die Apokalypse über den Planeten. Nur wenige Menschen überlebten die Katastrophe.
Das veränderte Ökosystem brachte eine völlig neuartige Flora und Fauna hervor und hochgiftige, von Rieseninsekten be-
herrschte Pilzwälder überwucherten die Erdoberfläche...

Heute leben die Nachkommen dieser Überlebenden zurückgedrängt an Randgebieten der Wälder in vereinzelten Städten
und mittelalterlichen Dörfern, nur hier und da sind noch Relikte einer technisch einst hoch entwickelten Zivilisation zu
finden. Das Tal der Winde ist eines dieser Dörfer. Regiert von Jhil, einem weisen und gütigen König, und seiner mutigen
Tochter Nausicaä, leben die Bewohner der landwirtschaftlichen Kommune ein friedvolles Leben.




Dies ändert sich jedoch schlagartig, als eines Nachts ein Flugzeug mit einer geheimnisvollen Fracht über dem Tal nieder-
geht. Schon am nächsten Tag fallen die Soldaten eines benachbarten Königreiches auf der Suche nach der abgestürzten
Maschine in das Tal ein und reißen in einer blitzschnellen Aktion die Macht an sich.

Nausicaä wird als Geisel genommen und von den Besatzern verschleppt. Doch als der Flugzeugkonvoi der Invasoren von
einem unbekannten Feind angegriffen wird, kann sie entkommen und trifft dabei auf den jungen Prinzen Asbel, der sie
in die schreckliche Wahrheit hinter den Ereignissen einweiht. Nun liegt es an Nausicaä, zwischen den Kriegsparteien zu
vermitteln und eine Katastrophe abzuwenden, die den Planeten in ein zweites Inferno zu stürzen droht...



Regisseur Hayao Miyazaki und das japanische Produktionsstudio Ghibli dürften spätestens seit Miyazaki's Fantasyepos
PRINCESS MONONOKE (1997), seiner Zeit erfolgreichster japanischer Film aller Zeiten, auch außerhalb von Anime-
Fankreisen keine Unbekannten mehr sein. Grund genug, um mal zurückzublicken und zu schauen, was von denen schon
vorher auf die Leinwände gebracht wurde...

Als einer der ersten Filme dürfte da wohl Miyazaki's NAUSICAÄ OF THE VALLEY OF THE WIND auffallen, der aus einer
wahren Masse ganz hervorragender Werke hervorsticht. 1984 als Verfilmung seines eigenen, insgesamt gut 1000 Seiten
umfassenden Manga entstanden, erlangte das grandiose Epos auch als Animationsfilm sehr schnell lokale Bekannt- und
Beliebtheit, die sich mehr oder weniger bis heute gehalten hat.




Es folgte noch im selben Jahr eine internationale Schnittfassung, die mit veränderten Dialogen und Kürzungen von über
20 Minuten (!) als WARRIORS OF THE WIND in den USA, bzw. als STERNENKRIEGER auch in Deutschland vertrie-
ben wurde (siehe Schnittbericht "Warriors Of The Wind"). Die Fans und der Regisseur waren gleichermaßen entsetzt
und Miyazaki ließ verlauten, er würde niemals wieder einen seiner Filme zu solchen Bedingungen ins Ausland verkaufen.

NAUSICAÄ OF THE VALLEY OF THE WIND ist eine Mixtur aus vielen Genres, bietet traditionelle Fantasy im Stil von
JRR Tolkien, vermischt diese aber mit Science Fiction-Elementen in Form futuristischer Militärmaschinerie zu einem
schlichtweg atemberaubenden Actionadventure, angesiedelt in einer postapokalyptischen Welt. Miyazaki-typisch auch
hier wieder die Integration von ernsten, "erwachsenen" Themen in einen Zeichentrickfilm, der aufgrund des (nicht grund-
los) an HEIDI erinnernden Zeichenstils auf den ersten Blick auf Kinderpublikum ausgelegt zu sein scheint...




Mit fast schon nüchternem Blick werden solche Themen wie Umweltzerstörung, Krieg, Mord und die destruktive Natur
des Menschen behandelt, oder besser gesagt : Im Gegensatz zu unzähligen, vorwiegend aus dem Westen stammenden
Zeichentrickfilmen werden diese wichtigen Themen nicht ganz bewusst ausgeschlossen, sondern in bewundernswerter
Weise in die Geschichte integriert. Nicht zuletzt aufgrund des gewählten, eher Niedlichkeit und Harmlosigkeit sugge-
rierenden Stils fallen Momente wie z.B. die Invasion und Annektierung des friedlichen Tals besonders wirkungsvoll aus.

Mitten im Geschehen befindet sich Nausicaä, die um Umgang mit allen Arten von Waffen den meisten ihrer Gegner weit
überlegen ist, doch deren tiefes Einfühlungsvermögen und Liebe zu allen Lebewesen (insbesondere den Insekten) sie
vom Gebrauch dieser weitgehend abhält. Mit "Meve", ihrem vielseitigen Windgleiter (optional auch mit Turbinenbetrieb)
rast sie von einem Ort zum anderen, vollbringt in dichtesten Wälder bei Hochgeschwindigkeit die akrobatischsten Manö-
ver und schwebt in Momenten tiefer Ruhe ganz hoch über allen Dingen. Doch ihr ständig Bestreben, für jeden noch so
großen und aussichtslosen Konflikt eine friedliche Lösung zu finden, kostet sie nicht selten den letzten Rest ihrer Kräfte.




Wie die meisten Ghibli-Produktionen ist auch NAUSICAÄ OF THE VALLEY OF THE WIND ein unglaublich gefühlvoller
Film mit Seele. Schon gleich zu Beginn schlägt dem völlig überrumpelten Zuschauer eine seltsam fremde emotionale
Wucht entgegen, und wie schon beim ersten Kinobesuch von PRINCESS MONONOKE (1997), der sicherlich für viele
Fans (mich eingeschlossen) den ersten Kontakt mit der Welt von Miyazaki darstellte, wird man von der Vermutung er-
fasst : Das hier ist ein Film wie es ihn nicht alle paar Wochen gibt.

Dazu kommt, dass dieses außergewöhnliche Werk auch noch in technischer Hinsicht voll und ganz überzeugen kann.
Nicht nur die tollen Zeichnungen und die für einen fast zwanzig Jahre alten Film ganz hervorragenden Animationen zie-
hen einen schnell in ihren Bann. Man spürt auch allgemein, dass hier mit sehr viel Liebe und Sorgfalt gearbeitet wurde.




Ganz besondere Erwähnung verdient nicht nur das phantasievolle Design der vielen Insekten und Tiere, sondern auch die
riesigen Wälder an sich, die mit umwerfender Detailfreude kreiert wurden. Hier wurde ein regelrechter Mikrokosmos ge-
schaffen. Schon in der Anfangssequenz, in der Nausicaä zu Forschungszwecken in den dichten Wald vordringt, wimmelt
es nur so vor kleinen und großen Lebewesen und allein im Hintergrund gibt es so viel zu entdecken, dass man diese Se-
quenz am liebsten gleich noch einmal sehen möchte.

Weitere Pluspunkte kassiert der Film (genau wie etliche weitere Werke der Regisseurs) durch eine fette Ladung hervor-
ragender Action. Der schon erwähnte Windgleiter spielt hier eine nicht unbedeutende Rolle, des weiteren kommt es
zu Schwertkämpfen, Schusswechseln mit diversen Feuerwaffen, Auseinandersetzungen mit den Kreaturen der Wälder
und spannenden Luftschlachten mit den unterschiedlichsten Flugzeugtypen. Vom eher langsamen Transporter über
furchteinflößende Schlachtschiffe bis hin zu einem "Gunship" (ein Relikt aus der "alten Welt") ist hier alles vertreten...




Abgerundet wird das Ganze durch wieder einmal sehr schöne Musik von Joe Hisaishi, der nicht nur Miyazaki bis heute
begleitet hat, sondern auch immer wieder den Filmen von Takeshi Kitano eine besondere Note verleihen durfte. Zu
hören sind hier sowohl dramatische bis fremde, elektronische Klänge, als auch ruhige Orchesterstücke, die einem an
der einen oder anderen Stelle schon mal einen wohligen Schauer über den Rücken jagen können.

Fazit : Einfach genial ! Sicher, SPIRITED AWAY (2001) hat den Goldenen Bären gewonnen, doch für mich persönlich
stellt NAUSICAÄ OF THE VALLEY OF THE WIND neben dem zwei Jahre später entstandenen LAPUTA : CASTLE
IN THE SKY (1986) immer noch das beste Werk von Miyazaki dar, dicht gefolgt von PRINCESS MONONOKE (1997) !





Unvorstellbar, was für ein Film aus NAUSICAÄ OF THE VALLEY OF THE WIND geworden wäre, hätte man den ganzen
Manga verfilmen können, der zur Zeit dieser Produktion noch lange nicht abgeschlossen war. Denn die Komplexität des
Anime wird von dem Epos in Comicform noch um ein Vielfaches übertroffen !

Einen kleinen Ausblick gefällig ? (Spoiler) Da taucht noch das von Priestern regierte Volk der Doroks auf, Nausicaä und
ihre Begleiter treffen in uralten Teilen der Wälder auf die geheimnisvollen "Forest People", der mit psychischen Kräften
ausgestattete Bruder des Dorokimperators verbreitet Furcht und Schrecken, manipulierte Pilz-Sporen werden zur
biologischen Kriegsführung eingesetzt und Nausicaä begibt sich mit dem letzten "God Warrior" auf eine große Reise... !

Ich selbst bin alles andere als ein Manga-Liebhaber, trotzdem kann ich allen Nausicaä, bzw. Miyazaki-Fans nur raten :
KAUFT EUCH AUCH DEN MANGA !!! Den gibt's mittlerweile sogar auf deutsch, in den USA ist aber auch eine Perfect
Collection-Box (bestehend aus vier dicken Trade Paper Backs inklusive Pappschuber) erhältlich ! (ab)

Wertung    



Der Film ist in der ungeschnitten Originalfassung bisher nur auf Japan-Tape und LD erschienen, in guter Qualität, aber
ohne englische UT versteht sich. Eine offizielle DVD-Fassung des Films existiert bislang nicht. Wenn man sich den
aktuellen Trend anschaut, dürfte es aber (hoffentlich) nicht mehr allzu lange dauern, bis eine offizielle DVD in Japan oder
einem anderen Land erscheint...

Die gekürzte internationale Fassung (siehe Schnittbericht "Warriors Of The Wind") ist als US-Tape, GB-Tape und D-Tape
unter dem Titel WARRIORS OF THE WIND erschienen. In Deutschland hatte die Verleihkassette noch den unpassenden
Beititel STERNENKRIEGER. Die GB- und US-Versionen waren englisch synchronisiert und in Vollbild. Das deutsche
Tape war deutsch synchronisiert und in Lbx 1.66:1. Keine dieser Fassungen ist heute noch offiziell erhältlich, allerdings
kann man noch auf Filmbörsen, in einer alten Videothek oder auf Internet-Auktionsseiten fündig werden.
 


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